A - I n f o s
a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **

News in all languages
Last 40 posts (Homepage) Last two weeks' posts

The last 100 posts, according to language
Castellano_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ The.Supplement
First few lines of all posts of last 24 hours || of past 30 days | of 2002 | of 2003 | of 2004 | of 2005 | of 2006

Syndication Of A-Infos - including RDF | How to Syndicate A-Infos
Subscribe to the a-infos newsgroups
{Info on A-Infos}

(de) Wahlkampf beim CNH-Streik in Berlin-Spandau! (Bericht 16.03.2006)

Date Sat, 18 Mar 2006 10:37:02 +0100


Lafontaine war da. Ausserdem "Streikbrechereien" und Solidarität (völlig
unpolemisch)!

Weil ich schon oft über Internet angefragt wurde: Was es für Spannungen
zwischen den Kolleg_Innen und der Streikleitung gibt und gab werde ich erst
nach dem Streik veröffentlichen, da die Bosse ja nicht alles wissen müssen.
Ansonsten wirds langsam spannend. Offensichtlich gibt es nur
Sondierungsgespräche, wenn die Bosse mal wieder über das Verhalten der
Arbeiter_Innen erboßt sind und sie sich nicht wie die allmächtigen Götter
aufspielen können.

Heute ist etwas lustiges passiert: Die Anwältin, die hupend und Gas gebend
durch das Haupt-Tor reinfahren wollte, zeigte den Streikenden den
Stinkefinger. Da sag noch mal einer: Justiz sei neutral. Die Firmenanwältin
ist es jedenfalls nicht. Auch werden Streikposten, die nicht bemerkt haben
das da gerade ein Auto reinrast durchs Haupttor öfters mal angedippt mit der
Karosse! Unerhört.

Genauso werden einige Streikbrecher frech und Handgreiflich. Sie beleidigen
Streikposten und wenden Gewalt gegen diese an. Über die Füße fahren und
Streikposten zu Ohrfeigen sei da wohl wahrscheinlich nach gut dünken einiger
weniger angebrachter Normalzustand!

Eskalieren tuen wie immer nur die Bosse und deren .... (sucht euch was aus)
und schreien dann, sie seien in der Opfer-Rolle. Es wundert die Chefs
offenbar regelrecht, das die Streikenden sie nicht anbeten, wenn sie
jedesmal vergnügt in das Werk reinfahren.

Erwähnt seien einige Konstrukteure, deren Job gesichert erscheint und die
sich teilweise nur in grösseren Gruppen durch die Streikposten wagen. Sie
haben das Recht zu streiken, tuen es aber nicht weil sie sich in
Arbeitsplatzsicherheit wiegen. Trotzdem können sie es wohl nicht verstehen,
das die Kolleg_Innen, die nun nach 40 Jahren Betriebszugehörigkeit auf den
Arbeitsmarkt geworfen werden und keine Chance mehr haben um ihre eigenen und
die der Konstrukteure kämpfen.

Da wir schon mal bei Streikbrechern sind kann da gleich die Firma Rohwedder
GmbH erwähnt werden. Sie haben sich dafür hergegeben einige Fertig
produzierte Geräte vom CNH Beriebshof abzutransportieren. So fuhr Montags
ein Autokorso von den Streikenden von Spandau nach Tempelhof in die
Sachsenhauser Straße. Laut CNH-Streikzeitung rief dort ein Kollege durchs
Mikrofon: "Erst bringen wir euch bei, unsere Geräte zu bedienen und dann
fallt ihr uns in den Rücken, indem ihr sie während unseres Streiks
abtransportiert." Dazu der Streikleiter Luis Sergio: "Keine Kollegin und
kein Kollege ist in einem Streik verpflichtet, zu arbeiten. Das gilt auch
für Drittbetriebe. Sagt NEIN zum Streikbruch!"

Am Dienstag waren ja Hubertus Heil, Generalsekretär der Sozialdemokratischen
Partei Deutschlands (SPD) da. Ausserdem der Deutsche GewerkschaftsBund
(DGB)-Landesvorsitzende Dieter Scholz und Lothar Bisky von der
Linkspartei.PDS.

Ein paar Zitate des Generalsekretärs der SPD, Hubertus Heil: "Ihr streikt
nict nur um eure Arbeitsplätze allein. Euer Streik steht stellvertretend für
alle Menschen in Deutschland, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Und das
sind viel zu viele"

Mein Komentar: Das hat er aber früh gemerkt als Generalsekretär einer (im
Selbstverständis) Arbeiterpartei! So ist das nun mal mit dem tendenziellen
Fall der Profitrate. Mit 1 Euro Jobs, Hartz IV und Agenda 2010 wirds
möglich.

Hubertus Heil: "Die, die meinen man müsste Gewerkschaftsrechte wie
Tarifautonomie und Streikrecht beschneiden, dürfen keine Mehrheit in diesem
Land bekommen"

Mein Frage: Ist das seine persönliche Meinung oder spricht er für die SPD?
Da braucht mensch sich ja nur mal Berlin ankucken.

Ausserdem betonte er das "Eigentum verpflichtet!" und meinte zur
Medienhetze: "Streik ist nicht illegal, auch wenn manche Medien das gerne so
darstellen. Streik ist euer legitimes Recht, für Eure Interessen zu
kämpfen." Trotz alledem sei erwähnt das er auch Geld für die Streikkasse
mitbrachte und so Solidarität zeigt.

Dieter Scholz, DGB Landesvorsitzender erinnerte die Streikenden, das Verdi
aus dem selben Grund streikt und nicht etwa zur Weigerung 18 Minuten am Tag
mehr zu arbeiten.

Lothar Bisky: "Hier geht es nicht um Parteipolitik oder das jeweilige
politische Profil. Hier geht es um eure Arbeitsplätze und um die Zukunft
Berlins" [Jaja] ausserdem "Jeder vernichtete Arbeitsplatz ist en weiterer
schwerer Schlag gegen unser Sozialsystem. Wenn es immer weniger Arbeitspltze
gibt, dann wird auch weniger in die Sozialsysteme eingezahlt und die
Leistungen müssen noch weiter gekürzt werden!" [Mein O-Ton: Im Kürzen kennen
sie sich ja aus!]

Gestern am Mittwoch war also Lafontaine da. Der ganze Saal hat getobt! Er
hielt eine kämpferische Rede und die Menge applaudierte. Die Leute fanden
seine Rede wohl gut. Als ich mich später mit Streikposten unterhielt, die
die Rede nicht mitgekriegt hatten kam im Gespräch soetwas raus wie, das die
Parteien doch eh alle das selbe wollten und auch nict gerade freundliche
Worte über Lafontaine.

Lothar Näthebusch, Vorsitzender der IG BAU in Berlin ezählte vom
Naziaufmarsch in Halbe und sagte:"Wehret den Anfängen!" und alle klatschten,
auch "Oskar" klatschte. Er erzählte das eine Wirtschaftsliberale das Ende
des Streikrechts foderte, und dieses ein Angriff auf die Arbeiterbewegung
wär und meinte das Diktaturen und Faschismus auch getan haben: Streiks und
Gewerkschaften zu verbieten. Ausserdem argumentierte er für ein Art
ausserparlamentarische Bewegung (der WASG).

Er sah draussen die abgenutzten Tonnen und versuchte wohl neue zu
organisieren. Auch er überbrachte solidarisches von der IG BAU!!!

Ausserdem war gestern noch ein Gewerkschaftsabordnung aus Istanbul in der
Türkei zu Besuch.

Was eigentlich unwichtig ist aber: Neben der Straße ist ein Gleisbett, wo
Regionalzüge und so weiter fahren. Eine Taiga-Trommel (Triebfahrzeug) Hupt
immer auf Höhe der Streikposten.

Auch unwichtig aber: Auf dem Brunsbütteler Damm Ecke Egepfuhlstraße hängt
ein O&K Banner der IG-Metall auf dem "Jobkiller FIAT!" steht.
_______________________________________________
A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
http://ainfos.ca/cgi-bin/mailman/listinfo/a-infos-de


A-Infos Information Center