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(de) 3.Woche beim CNH-Streik in Berlin-Spandau! (Bericht 14.03.2006)

Date Sat, 18 Mar 2006 10:28:14 +0100


Plädoyer für mehr Solidarität! Tage des Offenen Tores. Besucher und
Wahlkampf, Streikzeltimpressionen. Streikbrechereien und sonstige Aktionen.

Nun ist der Streik schon in der 3.Woche und bis auf ein paar
Anarchist_Innen, Autonome, Anarcho-Syndikalisten, autonome Operaisten,
Trotzkist_Innen, Maoisten, Sozialdemokrat_Innen (PDS, WASG, SPD),
Stalinisten und stalinismusabstreitende Stalinisten war eigentlich niemandes
wirklich da. Und die meisten wurden meiner Meinung nicht mal wahrgenommen.
Ich verstehe mich als Anarchist. Aber wie will ich denn einen "freien
Sozialismus" ohne Staat oder gar die Anarchie erreichen, wenn ich nicht
sozial oder solidarisch bin und wir uns nicht mal gegenseitig helfen.

Die soziale Revolution ist nur eine Phrase, wenn mensch nicht mal
Solidarität zeigt.

Mittwoch abend, wurden die Bagger vorm Haupttor weggeschleppt durch eine
schöne kleine Firma, deren Namen ich wahrscheinlich noch nennen werde.

Am Donnerstag morgen kamen dann wieder Tieflader und es wurde das Haupttor
aufgemacht. Aber bis auf Kleintransporter, normale Wagen usw. fährt
niemandes rein und raus. Wo zum Anfang noch alle übers S-Tor mit
Passierscheinen und nach dem Gerichtlichen Vergleich (Was das Wort Vergleich
hier soll ist mir Rätselhaft!) ohne Passierschein in die Fabrik über dieses
S-Tor reingekommen sind. So fahren jetzt alle frecherweise über das Haupttor
rein. Es stehen immernoch (aber weiter entfernt) die Securitys auf dem
Gelände, teilweise mit Hund. Nun ist also schon seit Donnerstag das Haupttor
Tag und Nacht offen.

Die Werks-/ Geschäftsleitung plädiert wohl auf
Streik-Müdigkeitserscheinungen. Auf jeden Fall ist von denen nicht viel zu
hören. Zu den Streikenden selbst schreibe ich hier nichts weil nicht nur
Linke oder Streikende und IG-Metaller diese Berichte lesen.

Ich kann da aber mal ein Beispiel von Streikenden geben, wie sie sich mir
gegenüber verhalten.

Einige sprachen mich auf die Berichte an und nachdem klar war das wir
diesselben meinten, sagten sie mir das sie sie echt toll fanden und sie sich
darin wiederfänden.

Wenn ich alleine komme, werde ich immer gefragt wo ich meine "Genossen" oder
"Kumpels" gelassen habe. Meistens komme ich ja mit mehreren Leuten vorbei.
Seien es nun Anarcho-Syndikalisten oder Autonome. Es wird aber immer gleich
nachgefragt ob ich alleine bin und wenn nicht, ob ich nicht noch mehr
mobilisieren könnte...

Nächstes Beispiel: Nachts, die Kollegen haben Hunger und bestellen sich
Pizza. Ich habe kaum Geld, sagt einer: "ich geb nen Fünfer dazu" und die
anderen Kollegen sponsern den Rest. Dann beim Essen, ich bin der letzte und
da scherzt einer sinngemäß: genießen täten nur Genossen... Alles lacht.

Naja, da wir schonmal bei Streikimpressionen sind: Anfänglich war ein
einfacher Reißverschluß die Tür zum Streikzelt, später ein etwas
komplizierteres Gehänge. Mittlerweile ist eine Richtige Tür drinne. Die
Solidaritäts-Ecke ist mittlerweile überschwemmt. Über der Anfrage der FAU,
ob Kolleg_Innen nicht Lust hätten, eine Veranstaltung im FAU-Lokal über
ihren Streik zu machen prangt mittlerweile eine Solidaritätserklärung der
DKP, wo die Streiks bei Gate Gourmet (schon über 100 Tage) erwähnt werden.

Es gab einen dankbaren Autokorso zu der Firma, die die Bagger vom Haupttor
weggeräumt hat. Dann war Arthur Abraham, der IBF Box-Weltmeister im
Mittelgewicht bei den Streikenden mit einer "Orenstein und Koppel" Mütze.

Am Freitag, den 10. März besuchten 25 Kollegen den Italien-Stand auf der
Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin. Dabei haben sie Flugblätter
und eine Bodenzeitung. Es gab Gespräche mit vielen Besuchern.

Am 19. Streiktag, also Sonnabend (Samstag) den 11.03.2006 war die Berliner
Rockband "Muckefuck" am Start (Muckefuck ist berlinerisch abgeleitet vom
Französisch-Hugenottischem "Mocca Faux" und ist ein Malzhaltiges
Kaffee-Ersatzgetränk). JVC und Samsung Kolleg_Innen bringen wie immer
Partner_Innen und Kinder mit. Obligatorisch passiert es häufiger(schon oft
erlebt) wird der Kaffee mit nem Fünf Euro-Schein bezahlt.

Am 12.03.2006 kamen dann auch Vertreter der Evangelischen Kirche unter
anderem Martin-Michael Passauer (Genaeralsuperintendent des Sprengels
Berlin) und Susanne Kahl-Passoth (Direktorin des Diakonischen Werkes
Berlin-Brandenburg-schlesische Lausitz) um ihre Solidarität mit den
Streikjenden CNH-lern zu bekunden. "Wir wollen unsere Solidarität mit den
arbeitenden Menschen zeigen" sagte nicht etwa ein Super-ultra-linker,
sondern Passauer und er ergänzt "Uns ist es nicht egal, wenn Menschen ihre
Arbeit und Ausbildung verlieren" (So die CNH-Streikzeitung Nr.14).

Gestern war natürlich auch allerhand los und heute zu etwa dieser Stunde
spricht Lothar Bisky von der Linkspartei.PDS.

Morgen kommt um 12:30 Uhr Oskar Lafontaine ins Streikzelt. ich persönlich
bin wie immer gespannt, was er zu sagen hat.

Also kommt und unterstützt den Streik! Wir werden sehen wie es mit oder ohne
Solidarität weitergeht!
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