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(de) Belgrad / Serbien: 1. erfolgreiche *unabhängige* Gewerkschaftsaktion der ASI (en)

Date Thu, 22 Jun 2006 13:38:08 +0200


Hier ein kurzer Bericht von der ersten erfolgreichen *unabhängigen*
Gewerkschaftsaktion der ASI*). Unsere Gewerkschaft wurde vor zwei Wochen
von Slavica K., die in dem schicken Belgrader italienischen
Vier-Sterne-Restaurant "Mamma Mia" (ein Lokal, das von MinisterInnen der
Regierung und RichterInnen des Obersten Gerichtshofs besucht wird und
auch der Ort, wo 1997 der ehemalige Polizeiminister von seinen
Mafiakumpels ermordet wurde, die er übers Ohr gehauen hatte) arbeitet,
kontaktiert. Slavica schmiß den Job im "Mamma Mia" hin, weil die
ArbeiterInnen ständig vom Chef schikaniert werden, der ein gewalttätiger
Alkoholiker ist. Sie und alle anderen ArbeiterInnen arbeiten schwarz in
diesem Restaurant, sie sind also nicht registriert, und die Beiträge zur
Sozial- und Krankenversicherung werden nicht bezahlt. An dem Tag, als
sie den Job kündigte und kam, um ihren Lohn für den letzten Monat, den
sie gearbeitet hatte, zu holen, betrat der betrunkene Chef das
Restaurant, griff sie tätlich an, wobei er sie (und alle anderen
ArbeiterInnen) beschuldigte, ihn zu beklauen, und weigerte sich, ihr das
Geld auszuzahlen, das sie verdient hatte.

Slavicas Ehemann starb bei den Bombenangriffen auf Serbien 1999, und
ihre Tochter, mit der sie lebt, ist im 3. Monat schwanger. Sie hatte
finanzielle Probleme und brauchte dringend das Geld, das ihr Chef ihr
nicht gezahlt hatte (rund 150 Euro). In einem öffentlichen
Verkehrsmittel sah sie unseren Propaganda-Spucki und beschloß, uns
anzurufen. Wir sprachen mit ihr, verabredeten ein Treffen, bei dem wir
ihr unsere Gewerkschaft vorstellten, und vereinbarten eine Mahnwache vor
dem Restaurant.

Am Samstag, 10. Juni, organisierte unsere Gewerkschaft eine Mahnwache
und einen Protest vor dem Restaurant "Mamma Mia". Wir druckten Flugis,
die die Leute aufriefen, nicht in diesem Restaurant zu essen, die
Situation erklärten und forderten, daß Slavica ihr Geld bekommt. Rund 20
Mitglieder und UnterstützerInnen des Belgrader Ortskartells der ASI
versammelten sich vor dem Restaurant, mit Fahnen und den Flugis zur
Mahnwache, und eine Delegierte der Gewerkschaft wurde ins Restaurant
geschickt, um die Forderungen dem Chef zu präsentieren. Die Delegierte
konfrontierte den Boß mit unseren Forderungen, und nach 15 Minuten
Gebrüll (während der serbische Staatsminister für Bildung und seine
Familie im Restaurant saßen und wohl so schnell aßen wie noch nie in
ihrem Leben) willigte der Chef, der Angst vor der Möglichkeit hatte, daß
unsere Aktion stattfindet und es eine "Szene" in seinem Restaurant gibt,
ein, das Geld auszuzahlen, das er unserer Genossin gestohlen hatte. Also
war die Mahnwache ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nötig, und unsere
Mitglieder und SympathisantInnen rückten ab.

Diese Aktion hat eine Reihe von Auswirkungen. Erstens hat unser
Neumitglied Slavica K. ihr Geld zurück, und zweitens sahen die anderen
ArbeiterInnen des Restaurants unsere Methoden und sind daran
interessiert, eine Betriebsgruppe unserer Gewerkschaft in ihrem
Restaurant zu gründen. Dieser zweite Punkt wird noch diskutiert, aber es
ist klar, daß diese Aktion auf die eine oder andere Weise eine
historische Bedeutung für die Arbeit unserer Gewerkschaft hat. Unsere
Protestaktion erhielt eine Menge solidarische Post und Telefonanrufe,
darunter Unterstützungsbriefe aus dem Kosovo und Mazedonien, was
ziemlich wichtig ist, um die nationalistischen Spaltungen der
ArbeiterInnen auf dem Balkan zu überwinden, und zeigt, daß der
proletarische Internationalismus der einzige Weg ist, den die
arbeitenden Menschen gehen sollten, im Gegensatz zu dem, was die
herrschenden Klassen wollen.

Es ist wichtig, festzuhalten, daß die gewerkschaftliche Organisierung im
privaten Sektor in Serbien praktisch nicht existiert, und es ist fast
unmöglich, von irgendwelchen Gewerkschaftsaktionen in Privatunternehmen
in Serbien zu hören, was unseren Sieg noch bedeutender macht. Wir
hoffen, daß unsere Gewerkschaft sich im privaten Sektor einen Namen
machen kann und dort zu wachsen beginnt.

--
www.inicijativa.org
www.socijalni.front.ru
-------------------------------
*) Anarcho-Syndikalistische Initiative

(en) Serbia, Belgrade, Report on the first successful *independent*
union action of ASI*
Date Tue, 20 Jun 2006 17:44:10 +0300
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