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(de) Mittlerer Osten: Klassenkampf statt allgemeinem Chaos

Date Sun, 30 Jul 2006 12:36:47 +0200


Mittlerer Osten: Klassenkampf statt allgemeinem Chaos

Bomben auf den Libanon, die Invasion des Gaza-Streifens, der
Raketenbeschuss von Haifa und des israelischen Nordens, Chaos im Irak,
Kriegsdrohungen gegen den Iran -- die massiven Bombardierungen und der
israelische Einmarsch in den Libanon sind ein neuer Schritt hin zu einem
allgemeinen Chaos im Mittleren Osten. Noch mehr Tote, noch mehr Leid,
noch mehr Zerstörung in einer Region, die bereits mit dem Chaos des
sektiererischen Bürgerkrieges im Irak, mit den Bombardements und der
blutigen Militärinvasion im Gaza-Streifen und der zunehmend
unmenschlicheren Blockade der West Bank gestraft ist.

Sowohl auf der israelischen Seite als auch auf der der
Hezbollah-Milizen, sprechen die Führer von der "Verteidigung der
Bevölkerung". Aber die israelischen Militärinterventionen haben -- weit
davon entfernt, die Sicherheit der Menschen im Land zu garantieren -- nur
dazu geführt, dass mehr Raketen denn je auf Städte und Dörfer des
israelischen Nordens herabregnen. Besonders auf Haifa, wo acht
Eisenbahnarbeiter getötet wurden. Was die Hezbollah angeht, hat deren
Gefangennahme israelischer Soldaten als Ausrede für die israelischen
Kolonialtruppen gedient, einen zerstörerischen und mörderischen Irrsinn
gegen die libanesische Bevölkerung in der Gesamtheit zu entfachen.

Diese neue militärische Eskalation in der Region muss im Zusammenhang
mit dem vollständigen sektiererischen Chaos und der Besatzung, die den
Irak ausbluten, gesehen werden, ebenso wie mit dem afghanischen Morast
und den dortigen Besatzungstruppen und dem derzeitigen Konflikt zwischen
dem Iran und den USA über die Frage der Atomenergie.

Über den derzeitigen Schrecken hinaus, gibt es gute Gründe für die
Furcht, dass die gesamte Region in einen offenen Krieg unter
Einbeziehung Syriens oder des Iran hineingezogen werden könnte oder
dafür, dass sich der Konflikt zwischen dem Iran und den USA bzw.
zwischen deren Stellvertretern (Hezbollah und Hamas auf der einen Seite,
Israel auf der anderen) in einen offenen Krieg verwandeln könnte, der
wieder einmal Massaker, Bombardierungen und Leid über Millionen von
Menschen bringen würde.

In dieser blutigen militärischen Eskalation zwischen den
imperialistischen Kräften der USA und Israels auf der einen Seite und
den reaktionären Milizen des politischen Islams auf der anderen, haben
die ArbeiterInnen und ganz allgemein die Menschen der Region, nichts zu
gewinnen, aber alles zu verlieren.

Das allgemeine Chaos des Bürgerkrieges zwischen rivalisierenden
bewaffneten Banden, eine Verfassung die mit dem Segen des Weisen Hauses
und der anderen Besatzungsmächte die Sharia im Irak einführt, die
Fortführung grausamer Praktiken wie der Steinigung und das Einknasten
der afghanischen Frauen in die Burka, ganz zu schweigen von der
rassistischen Diskriminierung und den täglichen Schikanen an den
Checkpoints in den besetzten palästinensischen Gebieten, belegen
allesamt, dass der Sieg der imperialistischen Truppen nicht die
geringsten Verbesserungen hinsichtlich elementarer Menschenrechte mit
sich bringt. In gleichem Maße erinnert uns der Druck seitens der
verschiedenen Gangs des politischen Islam -- egal ob es um die
Durchsetzung der Verschleierung gegenüber den Frauen geht, oder den
Versuch, eine richtiggehende sexistische Apartheid durchzusetzen oder
die Verweigerung fundamentaler Menschenrechte für die Bevölkerung unter
ihrem Joch -- dass diese Gruppen keine Befreiungsorganisationen sind
sondern lediglich bewaffnete Gangs, die eine Unterdrückung durch eine
andere ersetzen wollen.

Diese militärische Eskalation im Mittleren Osten dient ausschließlich
den herrschenden Klassen und den Führern der bewaffneten Gangs. In
Israel, das in einer schweren sozialen Krise steckt und wo derzeit 20%
der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, sucht die herrschende
Klasse u.a. die militärische Eskalation im Libanon und Palästina, um
eine Explosion von Arbeiterkämpfen zu verhindern. Für die reaktionären
Gangs Hamas und Hezbollah ist dieser Krieg ebenfalls ein Segen,
rechtfertigt er doch die Existenz ihrer Milizen und hilft ihnen, den
Würgegriff um die Bevölkerung zu verstärken. Für das Regime des Iran
wiederum ist der Konflikt mit den USA ein Geschenk, das vom Himmel fiel,
und mit dessen Hilfe es die derzeitige Welle von Kämpfen der
ArbeiterInnen und der Frauen zu entschärfen versucht.

So sehr wir die militärische Eskalation verurteilen und zu einem
sofortigen Waffenstillstand und einem Ende der Bombardements sowie zum
Rückzug der israelischen Truppen auf dem Libanon und den besetzen
palästinensischen Gebieten aufrufen, wissen wir auch, dass es unsere
dringliche Aufgabe als internationalistische ArbeiterInnen ist, die
Entwicklung einer dritten Kraft zu unterstützen. Diese dritte Kraft sind
die ArbeiterInnen des Mittleren Ostens, die sich gleichzeitig gegen die
imperialistische Herrschaft und gegen die islamistische Unterdrückung
stellen müssen. Wieder einmal erklären wir unsere vollständige
Solidarität mit allen Organisationen, die im Mittleren Osten -- wie wir
in Europa und anderswo in der Welt -- für die Interessen der
ArbeiterInnen, für die vollständige Gleichheit zwischen allen Menschen
der Region, für die Emanzipation der Frauen gegen reaktionäre
Traditionen und religiöse Strömungen, für die völlige Säkularisation und
-- über all das hinausweisend -- für die Errichtung einer anderen Zukunft,
die frei von Kriegen, Grausamkeiten, Rassismus, Sexismus und
kapitalistischer Ausbeutung ist, kämpfen.

Quelle:
Union Locale CNT de Besançon and Syndicat CNT interco 39 (Jura)
http://cnt25.over-blog.com/article-3367733.html

Übersetzung ins Deutschsprachige und ergänzende Infos:
http://www.fau.org/artikel/art_060726-111724
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