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(de) Blockaden am 100. Streiktag bei Gate Gourmet Duesseldorf

Date Tue, 17 Jan 2006 23:39:25 +0100


Blockaden am 100. Streiktag bei Gate Gourmet Düsseldorf

Am Samstag, dem 14. Januar 2006 - dem 100. Streiktag - kam es am
Düsseldorfer Flughafen im Umfeld des bestreikten Airline-Caterers Gate
Gourmet ab ca. 07.15 Uhr zu vielfältigen direkten Aktionen,
hauptsächlich Blockaden. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich in der
Schweinekälte bereits ca. 50 Leute am Streikposten spontan versammelt -
Menschen aus verschiedenen Städten und solidarischen Zusammenhängen,
neben vielen anderen auch einige aus der FAU.

Nichts rollt mehr

Als dann die Catering-LKW der Gate Gourmet das Betriebsgelände verlassen
wollten, um die in den frühen Morgenstunden aufgeladene Bordverpflegung
in Richtung Rollfeld zu schaffen, demonstrierten die
Streik-UnterstützerInnen gegen den fortgesetzten Streikbruch und
blockierten dadurch die Ausfahrt. Es wurde ein Transparent entrollt,
welches für den passierenden Flughafenverkehr gut sichtbar war und auf
die Streiksituation aufmerksam machte.

Nach kurzem Gerangel und etwas Spannungen mit den von Gate Gourmet
angeheuerten Wachleuten (Firma Chevalier, Krefeld) wurden die
Absperrungen der Sicherheitsfirma, die eigentlich die Gate
Gourmet-Ausfahrt freihalten sollten als Blockademittel sinnvoll
eingesetzt. Nun ging hier erstmal nichts mehr. Es verließen parallel
noch zwei oder drei (Lieferanten-)LKWs den rückseitigen Firmenhof, aber
die Lieferanten wurden durchgelassen, sie spielten für die Gate Gourmet
Logistik keine Rolle mehr. Ab dann war auch die hintere Ausfahrt
"dicht". Somit war die Sache für die Firma Gate Gourmet vorerst gelaufen
- das Catering für die aktuellen LTU Nah- und Fernflüge stand.

Die Security im Hof fing nun hektisch an zu telefonieren. Nach ca. 20-30
Minuten tauchte dann der erste Streifenwagen auf. Die Polizisten
verschafften sich zunächst einen Überblick über das Chaos und
beschlossen erstmal ausgiebig zu telefonieren. In der Zeit, in der sie
auf Verstärkung warteten, fing der anwesende Einsatzleiter an, Druck auf
die Spontandemo auszuüben und wollte den Chef sprechen ("Wer ist hier
der Versammlungsleiter?"). Da keiner so doof war "Hier, ich!" zu rufen,
fing er an mit "Machen Sie den Weg frei, sonst..". Aber die zu diesem
Zeitpunkt anwesenden 3-4 Polizisten konnten die Menge nicht beeindrucken
- alle blieben standhaft.

Brutaler aber erfolgloser Durchbruchversuch

Nun überschlugen sich die Ereignisse. Die Fahrer der blockierten LKW im
Firmenhof versuchten unter schlagkräftiger Unterstützung durch die
Chevalier-Sheriffs einen
weiteren Durchbruch. Diesmal ohne Rücksicht auf Menschenleben und
Material! Sie waren offensichtlich so dämlich zu versuchen, in Richtung
Nebenareal, dem Parkplatz der Firma LTU durchzubrechen um auf Umwegen
doch noch die wartenden Flieger zu erreichen. Hierbei fuhren sie mehrere
Begrenzungspfähle um und hätten dabei beinahe noch Menschen angefahren,
die sich vor ihnen befanden. Die Polizei war überfordert und konnte nur
zusehen, wie sich die Dinge verselbstständigten.

Wieder hatte die GG die Rechnung ohne die Demonstrierenden gemacht, denn
bereits kurze Zeit später hatten sie sich wieder festgefahren. Die LKW
trafen vor dem LTU Gebäude wieder auf eine Spontanversammlung, die
plötzlich in ihrem Fahrweg stattfand. Hier ergab sich nun folgende
Situation: Beim letzten Ausbruchsversuch hatten sie alles auf eine Karte
gesetzt und fast alle LKW rausgeschickt, die sie hatten. Die stauten
sich nun zu siebt hintereinander vor Halle 8, dem LTU Gebäude! Im Hof
standen auch noch drei LKW rum, die nicht ausfahren konnten. Ein Teil
der LKW, die sich in Richtung LTU Parkplatz durch die Begrenzungspfähle
gerammt hatten, haben dadurch hinterher ständig Öl verloren!

Wie schon gesagt wurde bei dieser dämlichen Aktion von Gate Gourmet auch
beinahe ein Mensch plattgewalzt! Wo war hier die Polizei? - oder wiegt
versuchte Körperverletzung seitens Gate Gourmet weniger schwer als das
Recht der Firma, freie Zufahrt zu einer Straße zu haben?

Gate Gourmet blockiert den Pendelverkehr

Am Düsseldorfer Flughafen ist derzeit wieder einmal der "Skytrain" der
Firma Siemens wegen permanenter Fehlfunktionen außer Betrieb. Dass
zeitweilig der Ersatzverkehr durch Busse zwischen dem Fernbahnhof und
den Passagierterminals zum Erliegen kam, war einzig der Unfähigkeit von
Gate Gourmet zu verdanken: einige LKW versperrten unnötigerweise auch
Teile der Gegenfahrbahn. Notgedrungenerweise zogen die Passagiere dann
zu Fuß mit ihren Koffern an dem Stau der Gate Gourmet LKW vor dem LTU
Gebäude vorbei, wo sie durch Transparente und Sprechchöre ("Keine
Sklaverei bei Gate Gourmet!") auf den Streik aufmerksam gemacht wurden.

Die psychische Situation bei Gate Gourmet verdeutlichte ein
streikbrechender LKW Fahrer dann sehr anschaulich während eines
vergeblichen Versuchs von drei LKW, über ein in Richtung Fernbahnhof
gelegenes Tor zum Rollfeld zu gelangen. Er schrie einen Anwesenden, der
sich am LKW aufhielt, an und warf ihn brutal zu Boden. Vorher hatte er
gläubig die Gebete der Gate Gourmet Geschäftsleitung aufgesagt, z.B.
dass der Streik die Arbeitsplätze gefährde, weil LTU sich deshalb einen
anderen Caterer suchen könnte.

Übergriffe der Polizei

Das ganze dauerte zu diesem Zeitpunkt bereits weit über eine Stunde
lang. Nun wurde die Stimmung zwischen der nun immer zahlreicher
anwesenden Polizei und den Spontandemonstrierern etwas ruppiger, nachdem
unter den eingetroffenen Polizeikräften auch welche in grünem
Kampfoverall und offensichtlich unverarbeitetem Vater-Sohn Konflikt
waren. Es wurden nun bei einigen der Anwesenden durch die Polizei
Personalien festgestellt, auch bei Leuten die einfach nur in der Gegend
rumstanden und nichts und niemanden blockiert hatten. Vorweg: Am Ende
der Aktion kam es zu einem brutalen Polizeiübergiff, bei der ein Pulk
von Behelmten einen der Anwesenden zur Feststellung der Personalien sehr
ruppig festnahm, wobei das Opfer Prellungen und eine blutende Schramme
an der Wange davontrug. (Laut Augenzeugen hatte er sich herausgenommen
"keine Lust" zu haben, sich auszuweisen.)

Nach ca. 2 Stunden wurde die Blockade durch Hilfe der Polizei (u.a. BGS)
soweit aufgeweicht, dass die Gate Gourmet LKW wieder unter Gefährdung
von Menschenleben durchbrechen konnten.

Verspätungen im Flugbetrieb

Viele der Anwesenden suchten anschließend das Gespräch mit den
Streikenden. Es gab warme Getränke am Streikzelt und das allgemeine
Gefühl, den Gate Gourmet Chefs und deren US-Bossen der Texas Pacific
Group ordentlich in die Suppe gespuckt zu haben, denn das einzige was
diese Leute interessiert, sind die Gewinne in der ausgepressten Gate
Gourmet Group. Diese wurden am Samstag ordentlich geschmälert! Denn wie
sich zeigte, führte die Blockade zu völligem Chaos im Catering der Gate
Gourmet Düsseldorf und mindestens 4 LTU Fernflüge hatten teils
drastische Verspätungen (Im Gegensatz zu den Kurz- und
Mittelstrecken-Fliegern darf die Fernstrecke nicht ohne Catering
starten). Die durch Lieferverzögerungen entstandenen Verspätungen kosten
Gate Gourmet saftige Konventionalstrafen und die LTU einige tausend Euro
Delay-Gebühren. Beim Ruf "Geld über Bord" werden vielleicht sogar die
Betonköpfe in Zürich und Texas wach.

Diese Aktion am 100. Streiktag war eine gelungene Demonstration
praktischer, gelebter Solidarität!

[ Zum Weiterlesen: http://www.fau.org/soli/gate-gourmet ]
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