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(de) Aktionen der FAU-IAA bei PLUS wegen der Entlassung und Schikanierung von Fatima Fernandez

Date Sat, 18 Feb 2006 18:31:20 +0100


PLUS hat ein Problem

Fátima Fernandéz arbeitete fünf Jahre lang in der Filiale "Carretera de
Su Eminencia" des deutschen Lebensmittel-Multis PLUS im südspanischen
Sevilla. Dann setzte im Oktober 2005 der Konzern die spanische
Arbeiterin kurzerhand auf die Straße. Doch zum Pech für PLUS ist Fátima
Mitglied in der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT-AIT. Und das
bedeutet für PLUS, Protestaktionen und Kundeninformationen zunächst vor
vielen Filialen in Spanien und mittlerweile durch die deutsche
Schwestergewerkschaft FAU-IAA auch in Dutzenden von deutschen
PLUS-Filialen. UnterstützerInnen haben für die nächsten Tage auch in
Österreich und der Schweiz Aktionen in Märkten des TENGELMANN Konzerns
angekündigt.

PLUS - die miesen Arbeitsbedingungen winken?

Der Konflikt begann damit, dass Fátima nach Geburt ihrer Tochter um
feste tägliche Arbeitszeiten bat, um sich um ihr Kind kümmern zu können.
Nach wiederholten Anträgen, welche von Ihrem Unternehmen nie beantwortet
wurden, zog unsere Kollegin im Mai 2005 vor Gericht. PLUS wurde dort
verurteilt, "die Kollegin zu festen täglichen Zeiten zwischen 12:00 und
16:00 Uhr zu beschäftigen, damit ihr ermöglicht wird, sich um ihre
Tochter zu kümmern und zwar bis zum 31. März 2010, wenn das Kind 6 Jahre
alt sein wird."

PLUS - feuern und schikanieren?

Weniger als 48 Stunden nach diesem Urteil, kündigte die PLUS der
Kollegin zum 20. Oktober 2005. In der Zeit bis zu Ihrer Entlassung wurde
Fátima durch die Firmenleitung gezwungen, an einer völlig abgelegenen,
niemals benutzten Kasse des Supermarktes zu arbeiten. Im Sommer zwang
die Geschäftsleitung sie täglich um 14:30 Uhr mittags (bis 43 °C in
Sevilla), die riesigen Müllsäcke in mehrere hundert Meter entfernte
Container zu tragen. Dies bewirkte, dass sie einen Schwächeanfall bekam
und in eine Klinik eingeliefert wurde.

Vor Gericht wurde festgestellt "dass die Arbeitszeiten zu denen Fátima
Fernandéz gezwungen wird, psychologische Beeinträchtigungen sowohl der
Mutter als auch des Kindes mit sich bringen wird".

Ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf alle

Fátima fordert für sich die sofortige Weiterbeschäftigung zu den von ihr
gewünschten und vom Gericht festgelegten Zeiten. In dieser Forderung
wird sie von Anfang durch ihre Gewerkschaft, die "Confederación Nacional
de Trabajo" (CNT-AIT) unterstützt. Nachdem die Firmenleitung sich
weigerte, auf die Forderung unserer Kollegin einzugehen, hat die CNT-AIT
eine ganze Reihe von Aktionen sowohl in Sevilla als auch in anderen
Teilen Spaniens gestartet. In der BRD, wo sich der Stammsitz sowohl von
PLUS als auch des TENGELMANN-Konzerns befindet, hat sich die "Freie
ArbeiterInnen Union" (FAU-IAA), eine Schwestergewerkschaft der CNT-AIT,
den Forderungen Fátimas angeschlossen. Solange unsere Kollegin nicht
wieder eingestellt worden ist, werden wir die Kundschaft von PLUS und
die KollegInnen, die in den Märkten arbeiten, darüber informieren, wie
der Discounter in Sevilla gegen seine Beschäftigten vorgeht. In den
letzten Tagen hat es bereits mehr als 50 Informations-Aktionen in
PLUS-Filialen u.a. in Berlin, Bonn, Braunschweig, Hamburg, Hannover und
Leipzig gegeben. Weitere werden in den nächsten Tagen folgen. Die
Geschäftsleitung von PLUS hat zwischenzeitlich in einem Rundschreiben
ihre Filialen auf mögliche Aktionen hingewiesen.

Grenzüberschreitende Solidarität

Anarcho-syndikalistische Gewerkschaften waren schon immer international
organisiert und haben sich gegenseitig über künstliche Landesgrenzen
hinweg in Arbeitskämpfen unterstützt. Und auch im Fall von PLUS ist eine
Ausweitung der Aktionen jederzeit möglich und wahrscheinlich. In
Österreich und der Schweiz sind bereits Aktionen in Vorbereitung. Die
Kette PLUS selbst verfügt über Filialen in Deutschland, Österreich,
Polen, Portugal, Spanien, Tschechien und Ungarn. Der Mutterkonzern,
TENGELMANN mit einem Jahresumsatz von rund 26 Mrd. Euro, den 183.000
ArbeiterInnen in 7.500 Filialen erwirtschaften, ist über seine Ketten
A&P, OBI, KIK und Kaiser's Tengelmann darüber hinaus in
Bosnien-Herzegowina, Italien, Russland, der Schweiz, Slowenien und den
USA vertreten.

Was könnt IHR tun?

Die miese Behandlung von Fátima durch PLUS in Sevilla ist sicherlich
nichts besonders "Spektakuläres". Sie ist eine Schikane, wie sie von
Firmen jeden Tag tausendfach gegen ArbeiterInnen ausgeübt wird. Gerade
deshalb aber ist es wichtig, gegen den Rauswurf von Fátima vorzugehen.
Damit das Management sich darüber im Klaren wird, dass es mit seinen
täglichen Schweinereien im Dienste der Ausbeutung von Arbeitskraft
zunehmend auf Widerstand stoßen wird. Um Fátima zu unterstützen und um
PLUS den Spass an einer Wiederholung solcher Paktiken zu vermiesen,
könnt ihr beispielsweise Beschäftigte und KundInnen über die Praktiken
bei PLUS in Sevilla informieren und mit ihnen diskutieren (ein Beispiel
für einen Flugblatt-Text findet sich unter
http://www.fau.org/artikel/art_060205-180233). Oder ihr könnt der
Firmenleitung von PLUS euer Missfallen über ihre Praktiken ausdrücken
und die Wiedereinstellung von Fátima fordern (Kontaktadressen finden
sich z.B. auf den Webseiten von PLUS und denen des TENGELMANN-Konzerns).
Und ihr solltet vielleicht darüber nachdenken, euch so zu organisieren,
dass ihr euch gegen solche Schikanen zu Wehr setzen könnt.

Wo könnt ihr euch informieren?

Diejenigen, die Spanisch lesen können, sollten auf den Webseiten der
CNT-AIT Lokalföderation von Sevilla vorbeischauen
(http://www.cnt.es/sevilla). Dort wird ausführlich über den Arbeitskampf
und die Aktionen berichtet. Aktuelle Informationen in deutscher Sprache
finden sich u.a. auf den Seiten der "Freien ArbeiterInnen Union" -
FAU-IAA (http://www.fau.org).
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