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(de) Fauchthunrundmail 22.12.06

Date Sun, 24 Dec 2006 00:00:29 +0200




1. Solothurn Besetzung an der Bürenstrasse "Sauvage"

2. Solidaritätsaktion mit Ungdomshuset,Kopenhagen in Zürich 3. Faschos wüten in Grenchen: Fünf Rechtsextreme festgenommen

Am Samstag, den 16. Dezember besetzten Leute aus der ganzen Schweiz für eine Nacht ein lehrstehendes Gebäude an der Bürenstrasse in Biberis

Flugblatt:

Aktion: Jugend-Aktiv für mehr Selbstbestimmung!

Unter diesem Motto werden wir für eine Nacht ein leerstehendes Gebäude in der Nähe der Stadt besetzen, um ein Zeichen dafür zu setzen, dass hier in Solothurn viele Jugendliche mehr wollen, als nur das bestehende ?kulturelle Angebot? zu konsumieren. SPASS und SELBSTBESTIMMUNG sollen diese Nacht prägen, bevor sich die meisten von uns am Montag wieder ihrem grauen Alltag zuwenden müssen!



Wichtig für alle Leute die sich an der heutigen Aktion beteiligen:

- In erster Linie soll diese Nacht für alle Beteiligten ein freudiges Fest werden!

- Wir handeln während der ganzen Zeit als Kollektiv, also keine Einzelaktionen und/oder sinnlose Provokationen!

- Nach heutigem Gesetz wäre es der Polizei leider möglich jede an der Aktion beteiligte Person zumindest wegen Landfriedensbruch anzuzeigen, sei dir dessen bewusst, lass dir aber dadurch nicht die Stimmung vermiesen!



Gedanken und Erklärungen zu der Aktion:

?Was ist mit unserer Jugend los??, ?Die Täter waren jugendlich? etc.

solche und ähnlich Schlagzeilen liest man zurzeit täglich. Oftmals werden die Berichte über die Verbrechen der jugendlichen Straftäter, begleitet von Kommentaren und/oder Leserbriefen, in welchen der jeweilige Autor, seine Begründungen für ein solches Verhalten zu erklären versucht. Geschichten von zu lascher oder gar ganz fehlender Erziehung wechseln sich ab, mit den auch all zu oft verwendeten fremdenfeindlichen ?Argumenten?. Nur selten wird auf die Probleme, wie Lehrstellenmangel, Jugendarbeitslosigkeit, steigender Leistungsdruck und Konkurrenzkampf, mit welchen sich Jugendliche in der heutigen Gesellschaft auseinander setzen müssen, hingewiesen, geschweige denn diese als Begründung für den Ärger den die Kids machen verwendet.

Wir wissen sehr wohl das sich im Raum Solothurn einige Leute, sei es auf politischer oder privater Ebene, sehr für die Interessen der Jugendlichen einsetzen und teilweisse auch aktive und gute Jugendarbeit leisten. Auch ist das Angebot an Ausgeh-Möglichkeiten einigermassen abwechslungsreich, bedingt aber in den meisten Fällen schon ein gut gefülltes Portmonee. Die Eintrittspreise in die Kulturfabrik Kofmehl sind nur noch selten unter 20fr. und auch die Getränke kosten so viel, dass sich ein Jugendlicher der beispielsweise in einem Arbeitslosenprojekt ist, es sich jedes Mal gut überlegen muss ob er sich einen Besuch leisten kann oder will. Zudem glauben wir auch, dass es ein grosses Bedürfnis von vielen jungen Menschen ist, nicht nur ein für sie auf die Beine gestelltes ?kulturelles Angebot?

zu konsumieren, sonder ihre eigenen Vorstellungen und Ideen gemeinsam mit Gleichgesinnten auszuleben und zu verwirklichen.

Mit der heutigen Aktion wollen wir der Bevölkerung von Solothurn aufzeigen, dass es hier den Jugendlichen, besonders zu den kalten Jahreszeiten, an Möglichkeiten fehlt um selbstbestimmt und frei von Konsumzwang, gemeinsam ihre Phantasien auszuleben. . Es kommt auch viel zu selten vor, dass Jugendprojekte auf eine grosse Unterstützung von Seiten der Stadt zählen können. Wenn man sieht mit wie viel Elan (und finanziellen Mitteln) sich unser Gemeindepräsident für das ?Projekt Seminarmeile? stark macht, so ist im Vergleich dazu, die Unterstützung die beispielsweise dem ?Kofmehl? geboten wurde, kaum erwähnenswert.

Wir möchten auch versuchen den Leuten klar zu machen dass sich die Probleme welche heranwachsende Menschen haben und machen, sich auf keinen Fall durch Repression lösen lassen, so wie dies von gewissen Kreisen immer wieder gefordert wird. Unserer Meinung nach, ist es viel wichtiger, den Jugendlichen zuzuhören, sie zu verstehen versuchen und ihnen Möglichkeiten zu geben um sich selbst zu verwirklichen!









Mediencommunique:



Stellungsnahme von den Aktivisten zu den Geschehnissen rund um die Hausbesetzung in Solothurn/Biberist vom 16.12.2006



Mit Enttäuschung mussten wir feststellen dass so ein starkes Zeichen, sprich ein Anlass dieser Grösse nur in einer Seitenspalte Platz fand.

Falls der Grund dafür mangelnde Informationen sein sollte, möchten wir Sie mit diesem Schreiben, bei einer möglichst ausführlichen und Realitätsnahen Berichtserstattung unterstützen.



Grundsätzlich möchten wir zuerst sagen, dass das von uns verfolgte Konzept ( Kollektives Handeln, Entschlossenheit und Verhandlungsbereitschaft) den ganzen Abend aufging. Den ganzen Abend lang standen der Polizei Verhandlungspartner/innen zur Verfügung. Alle wichtigen Entscheidungen wurden kollektiv getroffen und die leider sehr spärlichen Informationen der Polizei an alle Beteiligten weitergeleitet.



Auch unser Ziel mit allen Anwesenden eine gute Party zu machen wurde zu einem grossen Teil erreicht. Im besetzten Haus wurde Musik abgespielt, getanzt, gesungen und diskutiert.

Zur Stärkung standen Suppe, Sandwiches und Getränke zur Verfügung.

Finanziert wurde dieses durch eine aufgestellte ?Soli-Kasse?, was aufgegangen ist. Leider drückte dann doch der dauernde Belagerungszustand von Seite der Polizei gewissen Leuten langsam auf das Gemüt. Daraus resultiere doch zu einigen Zeiten, dass die Stimmung im Haus ziemlich geladen war und es zu unnötigen Sachschäden (hauptsächlich sprayerein) kam.



Klar unkorrekt sind die von der Polizei gemachten Angaben zu den Anwesenden Personen.

Wir durften uns zwar über eine breite Unterstützung von auswärtigen Jugendlichen erfreuen, möchten aber klarstellen dass der grösste Teil der Anwesenden aus Solothurn und der näheren Umgebung kam.

Auch die genannte Zahl von 50 Personen ist aus unserer Sicht sicher zu tief, wir glauben dass wir nicht übertreiben wenn wir sagen dass sich anfänglich um die 80 Personen im Haus befanden.

Vielen Leuten aus der Region, welche erst später in das Haus kommen wollten, wurde dies entweder durch die massiven Polizei Kontrollen rund um das Gebäude verwehrt oder sie wurden von anwesenden Personen informiert und es wurde ihnen von einem Besuch abgeraten.



Obwohl die Besitzerin leider nicht bereit war, mit uns persönlich einen Dialog zu führen, möchten wir hier nochmals klarstellen dass unsere Aktion in keiner Weise gegen sie gerichtet war, sondern ein Zeichen für mehr jugendlichen Freiraum in Solothurn sein sollte und ist.



Sehr erfreut sind wir über den Ausgang des Abends. Trotz klarer Aussage der Beamten, dass alle in dem Haus anwesenden Personen verzeigt und erfasst werden sollten gelang es den meisten unserer Leute, dank starkem Zusammenhalt und Entschlossenheit, ohne Kontrollen durch die Polizei nach Hause kamen.



Alles in Allem war der Abend aus unserer Sicht ein grosser Erfolg und ein Starkes Zeichen für mehr jugendliche Selbstbestimmung und Freiräume!



Viva Soletta libera!



2. Solidaritätsaktion mit Ungdomshuset,Kopenhagen in Zürich



Das dänische Konsulat in Zürich verschönert sich fortlaufend.



Nach Beobachtungen meinerseits wurde in der Nacht auf Mittwoch Parolen an die Eingangsmauer des Konsulates gesprüht.

Ungdomshuset Bleibt sowie jeweils ein Squatter und ein Anarchiesymbol verzieren gut sichtbar den Eingangsbereich.

Und in der Nacht auf heute fanden auch ein paar farbeier ihren Weg zum dänischen Konsulat......



In den Medien ist bisher nix erschienen, was ja auch verwunderlich wäre.....



Ungdomshuset blir!!!



3. Faschos wüten in Grenchen: Fünf Rechtsextreme festgenommen



Fünf Personen der rechtsextremen Szene wüteten in der Nacht auf Donnerstag in Grenchen. Verwüstet wurden die Chief?s 5er Bar und das Dolce Vita. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen.

Der Schock sitzt tief. Monika Fumasoli kann es am Tag danach noch immer nicht richtig fassen. ?Es ist wie ein böser Traum?, meint die angeschlagen wirkende Wirtin von der Dolce Vita Bar an der Centralstrasse in Grenchen. Doch das demolierte Lokal erinnert sie daran, das es kein Alptraum, sondern die bittere Realität war. Am Mittwochabend vor 23 Uhr betraten fünf Männer der rechtsextremen Szene ihr Lokal. Was tun? Die Wirtin beschloss, sich ruhig zu verhalten und den Männern ihr Bier auszuschenken.



Sie hatte die Hoffnung, dass nichts passiert. Und über eine Stunde war dies auch so. Doch dann, gegen Mitternacht, ging?s los. Die Männer verwüsteten ihr Lokal, es flogen Flaschen und Stühle. Zwei ihrer Gäste wurden von den herumfliegenden Gegenständen am Kopf getroffen. Monika Fumasoli selbst hat nicht abbekommen. Nicht so aber ihr Lokal. ?Es sah aus wie nach einer Schlacht?, erinnert sie sich. Doch viel mehr kann Fumasoli nicht sagen. Obwohl sie mitten im Geschehen war, weiss sie nicht mehr genau, was passiert ist. Es sei alles so schnell gegangen.

Doch Zeit, den Vorfall zu verdauen, blieb ihr kaum. Gemeinsam mit den Gästen wurde aufgeräumt und da die Eingangstüre eingetreten wurde, musste auch diese noch provisorisch ersetzt werden, bevor sie das Lokal schliessen konnte.



Doch die Dolce Vita Bar war an diesem Abend nicht das einzige Lokal, in welchem die Rechtsextremen Probleme bereiteten. Zuvor wollten sie nämlich in die Chief?s 5er Bar an der Kapellstrasse einkehren. Vorerst betrat aber nur einer der fünf das Lokal. Rund zwei Monate ist es her, als Männer aus der rechten Szene hier einen Sachschaden an der Eingangstüre angerichtet hatten. So machte ihm der Barkeeper von der Chief?s 5er Bar gleich klar, dass sie nicht willkommen seien. Der Verwiesene wurde wütend, verlies das Lokal und trat dabei in eine Gipswand. Sofort wurde die Polizei alarmiert. Doch für den Barkeeper hatte der Spuk damit noch kein Ende. Denn der Verwiesene kam zurück ?

mit seinen vier Kollegen im Schlepptau. Sofort attackierten sie den Barkeeper. Dieser musste unter anderem einen Fusstritt ins Gesicht einstecken. Das Resultat: Ein gebrochenes Nasenbein.



Nach den Anrufen aus der Chief?s 5er Bar - und später auch aus dem Dolce Vita - rückten die Stadt- und Kantonspolizei in dieser Nacht mit mehreren Patrouillen nach Grenchen aus. Nachdem die Fahndung nach der mutmasslichen Täterschaft vorerst erfolglos verlief, konnte die Polizei, unterstützt durch eine Patrouille der Kapo Bern, die Randalierer gegen 0.30 Uhr in der Schild-Rust-Strasse anhalten und kontrollieren. Dabei verhielten sich die stark alkoholisierten Männer gegenüber der Polizei äusserst renitent und lautstark.



Zwecks weiteren Abklärungen wurden allesamt ins Untersuchungsgefängnis eingewiesen. Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen Deutschen und vier Schweizer im Alter zwischen 17 und 35 Jahren. Einer von ihnen ist im Kanton Bern wohnhaft, seine Komplizen in der Region Grenchen beziehungsweise in der Region Olten.



Der angerichtete Sachschaden beläuft sich auf mehrere tausend Franken.



Redakteur: pam / kapo
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