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(de) Aktuelles zum Naziaufmarsch in Lübben am 09.12.2006 (Bericht zum Stand der Dinge)
Date
Fri, 08 Dec 2006 16:19:09 +0200
Wir erklärten ja letztesmal, warum wir (die A.A.L.) eine Demo gegen den
Nazi-Aufmarsch machen. Wir wollen den aktuellen Stand der Diskurse in Lübben
wiedergeben, wie sich der Staat auf den Einsatz vorbereitet, das demokratische
„Lübben“ auf dem Marktplatz angeblich JEDEN Extremismus ablehne und wo
wahrscheinlich die Nazis hinlaufen werden.
Es gibt von antifaschistischer Seite in der Region aus verschiedenste Aufrufe
nach Lübben zu kommen, den „Naziaufmarsch verhindern!“ oder andere Aufrufe
fordern direkte Aktionen. Wir die „Autonome Antifa Lübben“ wollen eine
antifaschistische Demo durch die Spreewaldstadt in der Lausitz machen.
Ursprünglich mobilisierten wir zur „Wettiner Straße“. Das hat sich jetzt
geändert. Wir werden uns am Bahnhofsvorplatz in Sichtweite der Nazis ab um 10
Uhr treffen. Lustig ist, das die angeblich „Linken“ sich links und die angeblich
„Rechten“ sich rechts vom Bahnhof aus auf dem Vorplatz treffen. Von den drei
„Veranstaltungen“ werden die Antifa-Demo und der Nazi-Aufmarsch die „einzigen“
sein, die sich am Anfang „sehen“. Ausserdem plant das lübbener „Forum gegen
Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“ auf dem Bahnhofsvorplatz
eine Mahnwache.
Allen Antifaschist_Innen ausserhalb von Lübben die uns unterstützen wollen oder
sich gegen die Nazis stellen wollen, sollte es wohl klar sein, das sie gemeinsam
mit den Nazis anreisen werden, da wir zur selben Zeit unsere Kundgebungen beginnen.
Interessant sind auch die Auflagen, wonach Fahnenstangen nicht länger als 1,5 m
lang sein dürfen und nicht mehr als 2 cm Durchmesser haben sollten.
Ausserdem sprach die Versammlungsbehörde ein Verbot für Glasflaschen, diverse
„Vermummungsgegenstände“ (z.B. Schals) usw aus. Auf der Demonstration sollen
nach dem Willen der Polizei keine Hunde und keine Alkohol-Leichen sein.
Ausserdem werden Festgenommene ganz weit weg verbracht.
Unserer Einschätzung nach werden die Nazis die Bahnhofstraße, die Lindenstraße,
Breite Straße, Am Spreeufer entlang die Brücke „Am Strandcafé“ in die Gubener
Vorstadt marschieren. Laut „Lübbener Rundschau“ am Sonnabend haben die Nazis vor
zum Marktplatz zu marschieren, wo die Bürgerlichen sind.
In einem Artikel in der Lausitzer Rundschau wird vermutet, das der Aufmarsch von
einem NPDler angemeldet worden ist, der schon mehrmals Aufzüge der rechten Szene
organisierte.
In dem Leitartikel: „Stadt und Kirchen: Lübben lehnt Extremismus ab“ fordern
Lübbens Kommunalpolitiker sowie die evangelische und katholische Kirche dazu auf
sich „zu einem öffentlichen Bekenntnis gegen radikales Denken und Handeln“ ab 11
Uhr auf dem Marktplatz zu zeigen. Dazu ruft ausserdem die CDU aber auch die PDS
auf. Wobei gegen Antifaschist_Innen in diversen Artikeln der Eindruck erweckt
wird das „Linksextreme“ fast noch schlimmer seien als Nazis oder mindestens
genauso schlimm.
Es sei also „Radikal“ wenn Antifaschist_Innen nicht wollen das sie oder andere
Opfer von nazistischen Übergriffen werden. Die Nazis sind also schon so in der
„Bevölkerung“ verwurzelt das jedes öffentliche Bekenntnis gegen „Rassismus und
Intoleranz“ Radikal erscheint, also als etwas Grundsätzliches. So weit ist es
also schon in Lübben gekommen. Beachtet mensch die sozialen Probleme der Stadt
an der die lokalen Politiker_Innen mit Schuld sind, wundert mensch nicht das die
Lübbener Herrschaften einen Feind von links „konstruieren“ der nach Lübben
kommen würde (dabei sind wir doch aus Lübben) und nichts anderes zu tun hätte
als zu Brandschatzten und Steine zu schmeissen.
Stattdessen haben wir auch Kritik an den „Einsparungen“ und der Ausgrenzung
(nicht nur von Migrant_Innen die sich aufgrund des Nazi-Terrors eh nicht in
Lübben bewegen können) von sozial Benachteiligten. Schließlich will Lübben ja
ein Kurort werden. Im Moment ist Lübben wohl eher ein Wallfahrtsort für Nazis
aus der Region! Ist denn da überhaupt noch Platz für emanzipatorische oder gar
sozial-revolutionären Alternativen?
So sagte Reinhard Krüger von der Linkspartei.PDS:
„Wenn wir Aufmärsche der Extremisten ignorieren...“, er meint Linke und Rechte,
„...öffnen wir denen Räume und geben ihnen Handhabe, hier künftig wieder so
etwas zu machen“. Ausserdem sei er der Meinung, das das Versammlungsrecht
mißbraucht werden würde. So weit ist es schon gekommen das die
Nachfolge-Organisation der ehemaligen SED (Sozialistische Einheitspartei
Deutschland) in Lübben wieder zensieren möchte und das vom Grundgesetz
garantierte Recht auf Versammlungsfreiheit in Frage stellt. So gehen unsere
Stadtverordneten mit unseren „bürgerlichen Grundrechten“ um und vergessen dabei
das sie nur aufgrund des Wahlrechtes in diese Position gekommen sind, soetwas zu
fordern.
Ausserdem finden wir es als Lübbener unverschämt das mensch uns mit Nazis in
einem Topf wirft und so tut als würden wir regelmäßig Leute totschlagen. So zu
tun als sei Lübben das „Links-Autonome“ antifaschistische Zentrum der Region von
dem aus nachts unbescholtenen Bürger_Innen aufgelauert würde ist eine krasse
Fehleinschätzung der Stadtoberen! Nun ist Lübben aber wirklich das Zentrum der
jungen und alten National-Sozialisten die sich im Bunker 88, auch Oase genannt
treffen. Die Achtundachtzig steht dabei für „Heil Hitler!“ und dementsprechend
bezeichnen wir die meisten Besucher dieser Örtlichkeit als Nazis.
Entgegen dem aktuellen historischen Diskurs muß doch bemerkt werden das der 2.
Weltkrieg - der Europa in Schutt und Asche legte, 25 Millionen Menschen in der
Sowjetunion umbrachte, Frankreich, Polen, Österreich Tschechien, die Slowakei
besetzte unterdrückte und ausplünderte, die Sorben brutalst unterdrückte und
unzählige Menschen vergaste – auf der Ideologie des National-Sozialismus beruht.
Aus der Naziszene wurde bekannt das sie dort sehr viele Kameraden erwarten. Die
Polizei, die ursprünglich mit 4 Hundertschaften vor Ort sein wollte kommt jetzt
mit Acht und sie quartieren sich in die „Spreewaldschule“ ein. Der
Stadtverordnetenvorsteher Joachim Kohlick von der CDU erklärte in der Lausitzer
Rundschau: „dass Lübben noch nie soviel Polizei gesehen hat, wie es an diesem
Tag sein wird“. Der Ordnungsamtsleiter Christoph Bartoszek bestätigte dies
gegenüber der Lausitzer Rundschau.
Wir fordern alle Menschen die nicht länger die Nazi-Übergriffe akzeptieren
wollen auf mit uns gegen den Aufmarsch der Nazis zu protestieren und
solidarischere und sozialere Gesellschaftsentwürfe dem „Reichswahn“ der Nazis
entgegenzustellen.
Ab 10 Uhr gibt es also eine antifaschistische Kundgebung auf dem Platz vor dem
Haupt-Bahnhof in Lübben mit anschliessender Demonstration durch die lübbener
Nazi-Homezone. Wir freuen uns natürlich auch über solidarische antifaschistische
Unterstützung ausserhalb von Lübben.
Ein Regionalzug aus Berlin fährt ab Ostbahnhof um
08:44 Uhr (Ankunft 10:07 Uhr). Ab Cottbus fährt ein Zug um 9:07 Uhr und 10:07
Uhr nach Lübben. Die Fahrt dauert von Cottbus eine halbe Stunde. Wir sehen uns
dann also in Lübben, die Autonome Antifa Lübben (A.A.L.)!
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