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(de) Spanien: Streik bei MERCADONA in Sant Sadurni -- ein Aufruf zur Unterstuetzung

Date Tue, 18 Apr 2006 19:58:09 +0200


Spanien: Streik bei MERCADONA in Sant Sadurní -- ein Aufruf zur
Unterstützung

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Mercadona ist mit rund 1,000 Märkten und mehr als 10 Milliarden Euro
Jahresumsatz eine der größten und agresiv wachsenden Konzerne im
spanischen Lebensmittel-Einzelhandel. In den riesigen Logistikzentren
der Firma arbeiten besonders viele MigrantInnen aus Schwarzafrika und
Lateinamerika unter prekären Bedingungen. Seit dem 23. März befinden
sich ArbeiterInnen des größten katalanischen Logistikzentrums in Sant
Sadurní d'Anoia (bei Barcelona) im Streik gegen ständige Schikanen und
Übergriffe und für die Wiedereinstellung von vier CNT-Gewerkschaftern.
Fast täglich finden in ganz Spanien Demonstrationen, Kundgebungen und
andere Aktionen zur Unterstützung der Streikenden statt. Zur
finanziellen Unterstützung der Streikenden gibt es zwischenzeitlich
einen international Spendenaufruf für die Widerstandskasse.

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Mercadona ist ein Konzern auf Expansionskurs. Im Jahr 2005 stieg der
Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um satte 18 Prozent, für das laufende
Jahr ist die Eröffnung von fast 100 neuen Filialen geplant. Die
ArbeiterInnen sehen davon wenig. Nicht zuletzt deshalb, weil die
Konzernleitung mit der Gewerkschaft UGT und der gelben Hausgewerkschaft
Sindicato Independiente de Mercadona einen Tarifvertrag mit der
ungewöhnlich langen Laufzeit von vier Jahren und einer damit verbundenen
"Friedenspflicht" abgeschlossen hat, der die Belegschaften ruhig halten
soll. In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen in der
spanischen Einzelhandelsbranche immer weiter verschärft. Die Kosten des
gnadenlosen Konkurrenzkampfes werden wie üblich auf die Beschäftigten
abgewälzt; prekäre Arbeitsbedingungen und Zeitverträge haben sich rasant
ausgeweitet. Gleichzeitig ist aber auch die Konfliktbereitschaft vieler
ArbeiterInnen gestiegen. Ein Indiz hierfür ist, dass ArbeiterInnen in
den letzten zwölf Monaten in verschiedenen Märkten und Logistikzentren
von Mercadona Betriebsgruppen der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft
CNT gegründet haben.

*Eine Betriebsgruppe gründet sich*

Anfang 2006 bat eine Gruppe von ArbeiterInnen aus dem
Mercadona-Logistikzentrum Sant Sadurní die CNT in Barcelona um
Unterstützung angesichts einer Vielzahl von Schikanen durch das
Management. Sie berichteten von extremer Ausbeutung und von
rassistischen Übergriffen. Ganz besonders betroffen von den
fremdenfeindlichen Schikanen seien die im Logistikzentrum beschäftigten
PackerInnen, von denen viele MigrantInnen aus Schwarzafrika und
Lateinamerika sind. Die beiden bislang im Betrieb vertretenen
Gewerkschaften unternehmen gegen die Mißstände nichts -- kein Wunder,
denn sie bestehen lediglich aus den Gewerkschaftsdelegierten selbst, die
teilweise selbst Leitungsfunktionen in der Firma ausüben. Als im Zuge
der Diskussionen den ArbeiterInnen klar wurde, dass sie nur organisiert
etwas an ihrer Situation ändern können, traten viele von ihnen der CNT
bei. Diese wurde auf diese Weise schnell zur größten Gewerkschaft im
Zentrum und ist zwischenzeitlich in praktisch allen Schichten und
Teilbetrieben des riesigen Komplexes von über 2.000 Beschäftigten vertreten.

*Repression durch die Firmenleitung*

Die Repression durch das Management ließ nicht lange auf sich warten.
Zunächst setzte es alle Hebel in Bewegung um zu verhindern, dass sich
weitere ArbeiterInnen der CNT anschlossen. Als das nichts nützte und
sich abzeichnete, dass es in Kürze zu einer größeren Auseinandersetzung
wegen der ständigen Übergriffe und der Schikanen kommen würde, änderte
die Firmenleitung ihre Taktik. Unter einem Vorwand setzte sie die
Lohnzahlung für den Sekretär der CNT-Betriebsgruppe um sieben Tage aus
und kündigte gleich darauf vier Aktivisten der CNT.

*Streik*

Kurz darauf, Anfang März, schicken 57 ArbeiterInnen aus der Sektion für
Be- und Entladungen ein von allen namentlich unterschriebenes Fax an die
Firmenleitung, in der sie ankündigten, in den nächsten Tagen
ausführliche und detaillierte Berichte über die Schikanen zu
veröffentlichen. In dem Fax wurde außerdem von der Firmenleitung
gefordert, dass diese unverzüglich in Verhandlungen über die
vollständige Rücknahme der Kündigungen und Sanktionen eintreten solle.
Als eine Reaktion ausbleibt, beschließt eine Versammlung von 400
ArbeiterInnen in den Streik zu treten. Gefordert wird besserer
Arbeitsschutz und die Ausgabe von Arbeitsschutzgerät, ein sofortiges
Ende der ständigen Übergriffe und Schikanen, die Wiedereinstellung der
entlassenen Gewerkschafter und eine Lohnerhöhung. Als Streikbeginn wird
der 23. März, beginnend mit der Frühschicht festgesetzt, außerdem wählt
die Versammlung ein Streikkomitee, das sich aus CNT-Mitgliedern
zusammensetzt. Der Streik soll zunächst auf 10 Tage befristet sein. Für
den Fall, dass das Management den Forderungen bis dahin nicht nachkommt,
beschließt die Versammlung einen zweiten, dann unbefristeten Streik.

Der Streik beginnt wie geplant und eskaliert sofort, weil ein größeres
Kontigent Guardia Civil (Staatspolizei) in trauter Einigkeit mit dem
privaten Wachschutz von Mercadona verhindern will, dass die Streikenden
- was ihnen rechtlich eigentlich zusteht - ihre KollegInnen informieren
können. Als die Polizei die Streikposten abzudrängen versucht, kommt es
zu Rangeleien und einigen leichteren Verletzungen auf Seiten der
ArbeiterInnen. In den nächsten Tagen versetzt die Konzernleitung
Beschäftigte aus anderen Logistikzentren in Spanien nach Barcelona um
sie als Streikbrecher einzusetzen. Da die Streikbrecher in Firmenbussen
von Barcelona zum Logistikzentrum gekarrt und von der Polizei
durchgeschleust werden, verteilen die Streikenden in den nächsten Tagen
vor der Abfahrt der Busse in Barcelona Flugblätter. Gleichzeitig rollt
die Welle der Unterstützungsaktionen an. Wie bei Kämpfen
anarcho-syndikalistischer Gewerkschaften bewährt, wird der Konflikt
schnellstmöglich ausgedehnt und durch eine Imageschädigungs-Kampagne
ergänzt. Überall in Spanien finden derzeit Aktionen in
Mercadona-Filialen statt, die über die miserablen Bedingungen im
Logistikzentrum von Barcelona und bei Mercadona ganz allgemein
informieren. Eine Boykott-Kampagne gegen Mercadona wurde
zwischenzeitlich ebenfalls organisiert. Zur Unterstützung des Streiks
finden inzwischen nahezu täglich Demonstrationen und Kundgebungen in der
Innenstadt Barcelonas statt, bei denen auch schon einmal der Verkehr
kurzfristig zum Stillstand kommt.

*Unterstützt die Widerstandskasse!*

Nachdem die Firmenleitung den Forderungen der Streikenden nicht
nachgekommen ist, begann am 4. April der unbefristete Streik. Nun wird
Solidarität noch aus einem anderen Grund wichtig. Wie die meisten
anarcho-syndikalistischen Gewerkschaften unterhält auch die CNT keine
permanenten Streikkassen. Wenn es darauf ankommt, können die Streikenden
staatdessen mit der Solidarität ihrer GenossInnen rechnen. Aufgrund der
großen Zahl der ArbeiterInnen und der Bedeutung des Streiks ruft die CNT
zwischenzeitlich auch international zu Spendensammlungen für die
Streikenden auf.

Die FAU hat zu diesem Zweck ein Konto eingerichtet, von dem aus wir
wöchentlich die Spenden gesammelt an die Streikenden überweisen. Bitte
überweist eure privaten Spenden, Überschüsse aus Konzerten,
Veranstaltungen, Solidiscos oder was euch sonst noch einfällt an:

FAU
Konto 96152201
Postbank Hamburg
(BLZ 20010020)
Stichwort "Mercadona Streik".

Den Spendenstand werden wir auf www.fau.org dokumentieren. Wer nicht
möchte, dass sein Namenskürzel dort veröffentlicht wird, schreibe bitte
"N.N." mit in den Verwendungszweck der Überweisung. Auf unserer Website
haben wir auch eine Sonderseite eingerichtet, auf der euch über den
weiteren Verlauf des Streiks informieren werden.

*Weiterführende Infos:*

http://www.fau.org/soli/mercadona
Sonderseite auf www.fau.org zum Streik bei Mercadona.

http://www.cnt.es/mercacoso/home.php
Sonderseite der CNT [spanisch]

http://barcelona.cnt.es
CNT Lokalföderation Barcelona [spanisch]

http://www.cnt.es/cordoba/foros/
Forum zu Mercadona [spanisch]

*Kontakt*
mercadona-streik[at]fau.org
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A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
http://ainfos.ca/cgi-bin/mailman/listinfo/a-infos-de


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