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(de) Mörderische Abschottung von EU und USA (it)

Date Tue, 11 Apr 2006 07:27:16 +0200


Umanità Nova Nr. 12: Ertrunkene MigrantInnen, neue Lager in Afrika, neue
Gesetze in den USA. Gemetzel an Unschuldigen

In den letzten Monaten sind entlang der Route zwischen Mauretanien und
den Kanarischen Inseln zwischen 1200 und 1700 ImmigrantInnen - vor allem
aus Westafrika (Senegal, Mali) - gestorben, verschluckt vom Meer. Diese
Zahlen wurden Ende 2005 von der Guardia Civil an die Madrider Regierung
geliefert und beziehen sich auf vergangenen Dezember, als die
Anwesenheit der MigrantInnen an den mauretanischen Küsten zu einem immer
dringenderen Problem wurde.

Nach dem Massaker, das die spanischen WächterInnen an der
spanisch-marokkanischen Grenze von Ceuta und Melilla verübt hatten,
schloß die Regierung in Rabat ihre Grenzen hermetisch. So zwang sie
Tausende von Personen, die vor Elend und Mangel fliehen, auf einen
Umweg. Sie entschlossen sich, in Richtung Mauretanien umzukehren, um
sich von dort nach Spanien einzuschiffen.

Es scheint, daß die modernen SklavenhändlerInnen, die Menschen handeln
und die Überfahrten nach Europa verwalten, ihre Tarife empfindlich
reduziert hatten (von 1000 auf 250 Euro), indem sie neue, sehr schnelle
Boote aufs Meer setzten und Kajaks, die zwar eine größere Kapazität
haben als die bisher verwendeten Nußschalen, aber sehr viel gefährlicher
sind, weil sie die Eigenschaft haben, während der Überfahrt in vier von
zehn Fällen zu kentern.

Der spanische Präsident Zapatero erreichte ein Abkommen mit Mauretanien,
das die Entsendung von spanischen Patrouillenbooten an die
mauretanischen Küsten umfaßt und Hilfen für den Bau von Lagern, um
MigrantInnen zu internieren, die von den Kanaren abgeschoben werden. Das
erste solche Flüchtlingslager soll in Nuadibù eingerichtet werden, also
im Hafen an der Grenze zur Westsahara, von wo die ImmigrantInnen
abfahren. Dieses Sammellager, das dem Sozialisten Zapatero vorschwebt,
wird etwa 150 bis 200 Personen gleichzeitig fassen, die aus Spanien
zurückkommen, aber offensichtlich hat niemand geklärt, wohin die
ImmigrantInnen dann sollen.

Laut der Organisation "Fortress Europe" sind zwischen 1988 und 2005 vor
den Toren Europas 3908 Personen ertrunken, die auf der Flucht aus Afrika
waren. In den letzten drei Jahren beträgt die Anzahl der
bekanntgewordenen Opfer von Schiffbrüchen 1949. Zu dieser Bilanz
(datiert vom 7. Februar) kommen jedoch die Ertrunkenen von den Kanaren
hinzu, deren Zahl im obengenannten Bericht der Guardia Civil erscheint,
der vom 21. Dezember datiert und am 21. März 2006 veröffentlicht wurde.
Allein im Kanal von Sizilien starben zwischen 2004 und 2006 1641
ImmigrantInnen.

Im Mittelmeer starben in den letzten vier Jahren 2080 Illegalisierte,
und 1117 Leichen (eine von drei) liegen noch auf dem Meeresgrund. Es
wird daran erinnert, daß, wenn einE MigrantIn es schafft, die Überfahrt
übers Meer zu überleben, er/sie immer noch in Lebensgefahr schwebt, auf
den griechischen Minenfeldern, erstickt in Lastwagen oder
Seefracht-Containern, unter Zügen und in Flugzeugen, oder durch die
Entbehrungen in der libyschen Wüste ebenso wie in den türkischen Bergen.

Nach dem Massaker von Ceuta und Melilla im September und Oktober 2005
wurde die afrikanische Grenze zwischen Spanien und Marokko ultimativ
gepanzert. Es entstehen dreidimensionale Schutzmaßnahmen, die die beiden
bekannten Stacheldrahtbarrieren ergänzen sollen. Die Struktur, die die
Amerikaner in Tijuana, an der Grenze nach Mexiko, kopieren, ist zu einer
wahren und eigentlichen Mauer geworden, ausgerüstet mit den
ausgefeiltesten Technologien, die Druckwassersysteme mit
Pfefferstrahlern, Desorientierungsfeuer etc. umfassen. In den USA
selbst, in Los Angeles, ist vor wenigen Tagen eine Million
ImmigrantInnen auf die Straßen und Plätze der kalifornischen Stadt
gegangen, um ihre Opposition gegen einen Gesetzentwurf der Republikaner
herauszuschreien, der darauf abzielt, die Rechte und Bewegungsfreiheit
irregulärer EinwandererInnen weiter einzuschränken.

Diese kalten Zahlen schaffen sicher nicht Gerechtigkeit für die
Schmerzen und Leiden, die Millionen Frauen und Männer jeden Tag
erleiden. Auf der ganzen Welt töten die westlichen Staaten jeden Tag
Tausende von Personen in lähmender Stille, die nur selten durchbrochen
wird, wenn alles vorbei ist.

Die spezifischen Verantwortlichkeiten der Nationalstaatsregierungen, die
täglich die abscheulichsten Verbrechen begehen, indem sie Normen und
Methoden zur Repression der MigrantInnen einsetzen, haben ihre Grundlage
in der politischen Konzeption einer reichen Welt, die sich abkapselt, um
ihre eigenen Privilegien zu schützen - Privilegien, die auf dem Blut,
dem Schweiß und dem Rücken der Ausgebeuteten aller Breitengrade
gewachsen sind. Das reibungslose Zusammenspiel der Machtapparate und
Wirtschaftseliten in der ganzen Welt hält diesen Prozeß am Laufen.

Und genau denen muß man die Rechnung präsentieren.

TAZ [Temporäre autonome Zone] Laboratorium libertärer Kommunikation

Aus Umanità Nova, Nr. 12 (2. April) 2006, 86. Jahrgang
http://www.ecn.org/uenne

(it) Umanità Nova, n.12: Migranti affogati, nuovi lager i n Africa ,
nuove leggi negli USA. La strage degli innocenti
Date Wed, 5 Apr 2006 10:46:09 +0200 (CEST)
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