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(de) Rebellion 35: Gate Gourmet

Date Sat, 01 Apr 2006 23:14:26 +0200


Deutschland: Ein halbes Jahr Streik!

Am 7. April 2006 wird bei Gate Gourmet in Düsseldorf ein halbes Jahr
gestreikt. Gate Gourmet ist das weltweit zweitgrößte
Ca-tering-Unternehmen für Bordverpflegung in Flugzeugen. An über hundert
Standorten in 29 Ländern arbeiten 22.000 Beschäftigte. Und: Gate Gourmet
ist ein Musterbeispiel dafür, wie das Kapital heutzutage das Letzte aus
den Arbeiter-Innen herauspressen will.

2002 wurde Gate Gourmet aus der Konkursmasse der Swissair herausgekauft
- von der Texas Pacific Group, einer Private-Equity-Firma. Solche
Unternehmen setzen darauf, die von ihnen gekauften Betriebe nach ein
paar Jahren mit viel Gewinn weiterzuverkaufen. Dazu schicken sie
Unternehmensberater wie McKinsey in die Firmen, um die Arbeit extrem zu
verdichten.
Monatelang liefen diese den Leuten bei Gate Gourmet mit Stoppuhren
hinterher, krempelten jeden Arbeitsschritt um. Kollektive
Arbeitsstrukturen wurden aufgesplittet und individualisiert, um jeden
einzeln kontrollieren und fertig machen zu können. Statt zu zweit fahren
die LKW-Fahrer nun alleine zu den Maschinen auf dem Rollfeld. Statt am
Band zu stehen, sollten die Küchenhilfen um Tische herumrennen, um ihre
Arbeitszeit noch dichter und flexibler mit "Leis-tung" füllen zu können.
Wahnwitzige Vorgabezeiten wurden mit Druck, Anschissen, Brüllereien und
Abmahnungen durchgesetzt. Warum der eine Kollege denn so engagiert beim
Streik dabei ist, frage ich einmal eine Kollegin: "Das musst Du
verstehen, den haben sie in seiner Abteilung richtig fertig gemacht, der
ist voll von Wut."

Der Streik ist wie eine Befreiung. Angesichts des Terrors der Arbeit
ist er eine Verschnaufpause, eine Erholung, eine Entdeckung neuer
Möglichkeiten. "Ich habe mich schon lange nicht mehr so viel mit meinen
Kindern beschäftigen können", erzählt eine junge Türkin. Aber auch
untereinander entwickeln sich im Streik neue Dimensionen des sozialen
Zusammenhalts, des Aufeinanderachtens und des Kennenlernens. Die
früheren Versuche, die Beschäftigten nach Nationalität oder Geschlecht
zu spalten, schlagen nun ins Gegenteil um. Die multinationale
Zusammensetzung wird als Reichtum der streikenden Gemeinschaft erfahren
und entwickelt. Etwa ein Viertel der Streikenden stammt aus der Türkei,
aber es gibt dort auch Menschen aus Algerien, Marokko, den Philippinen,
Indien, Griechenland, Polen, der ehemaligen DDR usw. Etwa die Hälfte
sind "Deutsche" - viele aus der Tradition des Ruhrpotts, in der sich
noch die solidarische Haltung der Berg- und Stahlarbeiter spiegelt.

Ihr Ziel drücken sie in einem Wort aus: "Menschenwürde". Hier geht es
nicht um ein paar Lohnprozen-te, sondern in ganz existentieller Weise
darum, wie wir uns gegenüber den maßlosen Ansprüchen der Kapitaleigner
und Bosse behaupten können. Gate Gourmet geht alle an. Die ArbeiterInnen
aus London und Düsseldorf haben Kontakte geknüpft und sich kennen
gelernt. Sie haben sich gegenseitig besucht und Mut gemacht. Denn allein
kann keine Belegschaft gegen Gate Gourmet oder die Texas Pacific Group
gewinnen. Aber sie sind überall auf der Welt, an allen Standorten machen
sie Druck, um Produktivität und Profit zu erhöhen. Und die Texas Pacific
Group steckt nicht nur bei Gate Gourmet hinter dem Terror der
Arbeitshetze - sie haben bei der Firma Grohe (Armaturenhersteller) in
Deutschland aufgeräumt, sie sind an Burger King beteiligt, sich bei
Mobilcom eingekauft usw.

Die Streikenden von Düsseldorf und London und zahlreiche
Unter-stützerInnengruppen haben für den 7. und 8. April einen globalen
Aktionstag gegen Gate Gourmet angekündigt. Ihr Kampf macht uns allen
Mut, das Elend der Arbeit, die Diktatur des Geldes und des Profits nicht
weiter hinzunehmen. Wir haben nur, was wir uns nehmen!
Mehr Infos unter:
www.gg-streik.net
www.fau.org

* Am Flughafen London-Heathrow haben die Gate-Gourmet-Manager ganz offen
erklärt, dass sie mit der zu neunzig Prozent aus asiatischen Menschen
bestehenden Belegschaft nicht mehr arbeiten wollen. Fast 800 wurden am
10.8.2005 rausgeschmissen und neue Leiharbeiter in den Betrieb geholt.
Denn die ArbeiterInnen hatten sich beharrlich geweigert, die neuen,
verdichteten Arbeitsweisen zu akzeptieren.
Infos über diesen Kampf auf
www.libcom.org/features/gate-gourmet

Aus Rebellion Nr. 35, Flugschrift der Organisation Socialiste Libertaire OSL
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