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(de) Stellungnahme zum Golfkuesten-Desaster - Das Capital Terminus Collective (Atlanta, Georgia, USA)

Date Mon, 17 Oct 2005 18:40:39 +0200


Aufruf - 03.09.05 von Soli
Stellungnahme von AnarchistInnen aus dem Süden der USA zum
Golfküsten-Desaster
Wir dokumentieren nachfolgend einen Aufruf des anarchistischen
Capital Terminus Collective aus Atlanta, Georgia, in dem dieses
Stellung nimmt zu den Folgen der aktuellen Katastrophe in und um
New Orleans. Einer Katastrophe, für die der Hurrikan Katrina
lediglich die Vorlage lieferte, das eigentliche Desaster erleben die
betroffenen Unterklassen als Folge des kapitalistischen
Krisenmanagements.
Die GenossInnen aus Atlanta beschreiben jedoch auch, dass es nicht
nur staatliche Desorganisation gibt, sondern zum Glück auch eine
enorme Welle gegenseitiger Hilfe aus der Gesellschaft.

Während überall Menschen ihre Herzen und Wohnungen
öffnen, lässt der Staat hunderttausende wie Ratten ersaufen.

20.000 Menschen wurden im Convention Center von New Orleans im
Stich gelassen ohne Hilfsmittel und Aussicht auf Verbesserung.
Mittlerweile hindern gepanzerte Nationalgardisten mit tragharen
Maschinengewehren die Menschen daran, sich dort Lebensmittel zu
besorgen, wo diese ansonsten verrotten würden und das nennen sie
dann "Urbane Kriegsführung". Im Kapitalismus gibt es keine
"Natur"-Katastrophen"; schreckliche und unvermeidliche Ereignisse
werden durch das hartherzige Handeln der herrschenden Klasse zu
Katastrophen gemacht. Nehmen wir als Beispiel die irische
Hungersnot im 19. Jahrhundert oder die in Somalia im 20.
Jahrhundert, bei denen Lebensmittel in imperialistische Länder wie
Großbritannien oder die USA exportiert wurden, statt mit ihnen die
verhungernde Bevölkerung zu retten. Oder die letzten
Hurrikan-Disaster in Haiti, kurz nachdem die USA die einzige
Regierung, der es vielleicht gelungen wäre, Hilfsgüter an die
Bevölkerung zu verteilen, gestürzt und durch eine Militärjunta
ersetzt hatte. Oder das Tsunami-Disaster, das durch eine jahrelange
Politik der Unterentwicklung der Region unter der Fuchtel von IWF
und Weltbank noch verschlimmert wurde. Und jetzt die aktuelle
Situation an der Golfküste.

Wodurch hat die herrschende Klasse zu dieser Katastrophe
beigetragen? Dadurch, dass sie - in voller Kenntniss, dass eine
verheerende Hurrikan-Saison bevorsteht - beschlossen hat, die 79
Millionen Dollar, die für die Reparatur des veralteten Deichsystems
veranschlagt waren, im Sumpf des Irak-Abenteuers zu verheizen.
Desweiteren gab es keinerlei Bemühungen seitens der herrschenden
Klasse, irgendwelche ernsthaften Mittel zur Evakuierung von New
Orleans und seinem Umland zur Verfügung zu stellen, obwohl sie
lange vorher wussten, dass es sich um einen Hurrikan von mindestens
der Stufe 4 handeln würde, und dass die Deiche lediglich einem
Stufe-3-Hurrikan standhalten können. Reiche Politiker haben jetzt
auch noch die Unverfrorenheit, ArbeiterInnen zu beschuldigen,
leichtsinniger Weise in der Stadt geblieben zu sein! Wie wir bereits
erwähnten, besteht ihre erste Priorität darin, die schwerbewaffnete
Nationalgarde zu mobilisieren, die auf Leute schießen soll, die
irgendwie versuchen, etwas Essbares aufzutreiben. Anstatt den 20.000
hungernden Menschen im Convention Center und an anderen Stellen
der Stadt - die verhungern werden, falls nichts passiert - die
notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Die Politiker machen mit
ihren Lügen weiter, in einem verzweifelten Versuch, ihre Karrieren
zu retten. Dabei tritt immer deutlicher zu Tage, dass sie sich nicht um
das Leben der Menschen, die sie im Stich gelassen haben, scheren.

Ganz im Gegensatz dazu haben tausende von Menschen ihre
Wohnungen in einer bewegenden Geste der Solidarität und des
Mitgefühls, den Überlebenden geöffnet. Während der Staat auf
seine Fähigkeit verweist, in Notzeiten Hilfe zuteilen zu können,
um damit seinen eigene Existenz zu rechtfertigen, hat er wieder
einmal demonstriert, wie die kapitalistischen Zwänge die Fähigkeit
irgendeine Form von Hilfestellung zur Verfügung zu stellen
hemmen oder gar blockieren. Das unglaubliche Ausmaß von
gegenseitiger Hilfe auf Seiten der Menschen hingegen, ist ein erneuter
Beleg für das anarchistische Argument, dass die Menschen sehr
wohl eine staatenlose Gesellschaft schaffen können, die auf der
Maxime "jeder nach seinen Fähigkeiten, jede nach ihren
Bedürfnissen" basiert. Wir hoffen, diese Gesellschaft eines Tages in
der Wirklichkeit zu sehen. Hier und heute erklären wir unsere
Solidarität, mit denjenigen, die im Stich gelassen wurden und in der
Hoffnung darauf, dass sich uns andere anschließen werden, fordern
wir:

* Dass die Regierung unverzüglich die notwendigen Mittel, wie
z.B. Transportkapazitäten und Schutzräume zur Verfügung
stellt, damit die Menschen aus der Stadt evakuiert werden können
und dass sie sicherstellt, dass sie angemessen untergebracht werden,
bis es ihnen möglich ist, zurückzukehren oder umzuziehen.
* Ein sofortiges Ende der Angriffe von Nationalgarde und Polizei
auf diejenigen, die nach Lebensmitteln suchen.
* Die sofortige Verteilung aller notwendigen Mittel (Wasser,
Nahrung, Bekleidung etc.) während des Evakuierungsprozesses.
* Den sofortigen Rücktritt / die sofortige Entlassung und
Bestrafung aller Entscheidungsträger, die ihrer Verantwortung zur
Reperatur der Deichsysteme und der Koordinierung von
Evakuierungsmaßnahmen solange diese noch möglich waren,
ausgewichen sind. Ebenso derjenigen, die für die Angriffe von
Nationalgarde und Polizei auf diejenigen verantwortlich sind, sie
lebensnotwendige Dinge "gestohlen" haben.
* Keine Strafverfolgung derjenigen, die festgenommen wurden, weil
sie Nahrungsmittel oder andere notwendige Dinge "gestohlen" haben.
* Ein sofortiges Ende der Preistreiberei bei Öl, von der die
ArbeiterInnen überall im Land betroffen sind; notfalls durch eine
Preisfestsetzung.
* Angemessene Hilfe für all diejenigen Menschen, die ihr
Zuhause wieder aufbauen wollen, das sie durch die Fahrlässigkeit
kapitalistischer Politiker verloren haben.


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