A - I n f o s
a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **

News in all languages
Last 40 posts (Homepage) Last two weeks' posts

The last 100 posts, according to language
Castellano_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ The.Supplement
First few lines of all posts of last 24 hours || of past 30 days | of 2002 | of 2003 | of 2004 | of 2005

Syndication Of A-Infos - including RDF | How to Syndicate A-Infos
Subscribe to the a-infos newsgroups
{Info on A-Infos}

(de) Zapatistas schlagen ueberregionale linke Allianz vor

Date Sat, 02 Jul 2005 13:32:58 +0200


Zapatistas schlagen linke Allianz für "eine neue Art der Politik" vor
--- Direkte Solidarität mit Chiapas ---
1. Juli 2005
Die EZLN lässt sich nicht ins parteipolitische System integrieren: Sie
initiiert eine Allianz der "nicht an Wahlen beteiligten Organisationen und
Bewegungen". Mit dieser "echten Linken" soll eine neue Verfassung
ausgearbeitet werden. Auch international geht die EZLN in die politische
Offensive.


Säbelrasseln in Chiapas

Letzte Woche rief das zapatistische Heer zur nationalen Befreiung EZLN die
Alarmstufe rot aus. Vieles deutete auf eine Verschärfung des schwelenden
Konflikts in Chiapas hin, Polizisten wurden aus ihren Vorposten in
indigenen Dörfern abgezogen und die "Zivilgesellschaft" begann sich auf
Kriegsszenarien vorzubereiten. Dann kam die Erklärung für so viel Aufruhr:
Die EZLN hat ihre Bewegung zu internen Beratungen zusammengerufen - und da
sie in einem solchen Moment interner Diskussion auch schon militärisch
angegriffen wurde, verstand sie den Alarm als notwendige defensive
Massnahme.

Seine Wirkung verfehlte das Säbelrassen nicht: Regierung und Militär
äusserten sich gegenüber der beunruhigten Öffentlichkeit und die virulente
Gefahr eines offenen Krieges gelangte wieder in das politische Bewusstsein
Mexikos. Gründe dafür gibt es immer noch gleich viele wie im Jahre 1994.
An der Marginalisierung der Indigenen, der meist unsichtbaren
Aufstandsbekämpfung und des Krieges niederer Intensität hat sich in
Chiapas nichts verändert. Einige Stichworte dazu aus jüngster Zeit:

- Die Einstellung der Nothilfe durch internationale Organisationen wie das
IKRK für die über 5000 intern Vertriebenen allein in Polho (1)

- die Reaktivierung und weitere Straflosigkeit der Paramilitärs,
insbesondere Paz y Justicia und die Vertreibung von oppositionellen
Familien in der Gemeinde Andrés Quintana Roo (2)

- die haltlosen Verunglimpfung der Zapatistas als Drogenhändler durch die
Bundesarmee (3)

- die Sperrung der Konten von Organisationen, welche mit den
zapatistischen Gemeinden zusammenarbeiten (4)

- die tagtägliche Aufstandsbekämpfung der in den aufständischen Gemeinden
stationierten Bundesarmee, welche sich nicht an die gesetzlich
vorgeschriebene Kasernierung hält (5)

Doch diesen Bedingungen zum Trotz scheint die EZLN gewillt zu sein, den
zivilen politischen Weg weiter gehen zu wollen. Sie planten "von ihrer
Seite her keine militärische Offensive" (6).


Die Zapatistas riskieren "einen gefährlichen Schritt"

Nach mehreren Tagen der Konsultation in allen Gemeinden unter mehreren
zehntausend Zapatistas und auf allen Stufen der indigenen Bewegung wurde
bekannt, dass der geheim gehaltene Aktionsplan der EZLN weitestgehend
Zustimmung fand: "Die EZLN wird eine neue politische Initiative
übernehmen, die nationaler und internationaler Natur ist" (7).

Diese neue Initiative der Zapatistas reiht sich zwar ein in eine Serie von
grossen Mobilisierungen - zuletzt der "Marsch der indigenen Würde" nach
Mexiko Stadt im Frühjahr 2001. Diesmal jedoch scheinen die Zapatistas wild
entschlossen, alles aufs Spiel setzen zu wollen und vielleicht "das Wenige
oder Viele, das erreicht wurde, zu verlieren".

Ende Juni erschien nun eine neue Grundsatzerklärung der EZLN namens "6.
Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald" (8). Hervorzuheben ist, dass
dieser Text in einem sehr einfachen Spanisch geschrieben ist und ein
breites Publikum ansprechen soll, "einfache Leute wie wir".

In dieser Erklärung steht neben der Analyse der Situation, in der sich das
Land und die indigene Bewegung befindet, die Vision einer grossen Allianz
aller Ausgegrenzten im Vordergrund, "um ein Land zu errichten, das Recht,
Demokratie und Freiheit für alle bietet". In Mexiko wollen sie mit einer
Delegation von EZLN-Comandantes auf unbeschränkte Zeit im ganzen Land
linke Organisationen treffen und sich mit ihnen austauschen im Sinne einer
"Nationalen Kampagne zum Aufbau einer neuen Art, Politik zu machen, einem
nationalen Programm des Kampfes der Linken und für eine neue Verfassung".

Auch international sollen die Kontakte mit den sozialen, linken Bewegungen
insbesondere Lateinamerikas und der Karibik verstärkt werden. Neben
materiellen Formen der Unterstützung schlagen die Zapatistas auch ein
neues Interkontinentales Treffen auf Ende 2005 oder Anfang 2006 vor, das
jedoch ein stärkerer Dialog zwischen den Teilnehmenden sein soll als das
Interkontinentale Treffen von 1996.


Vom Caracol (Schneckenhaus) in die politische Offensive

Was ist an dieser politischen Initiative denn so neu und gar "gefährlich"?
Auf den ersten Blick scheint sie bloss neuer Wein in alten Schläuchen zu
sein ... Einige Momente sind jedoch durchaus neu: Die Zapatistas haben
ihre Phase der Konzentration auf die eigene Region, auf die indigenen
Forderungen abgeschlossen und nehmen explizit Bezug auf linke
Mobilisierungen. Sie schlagen eine "Nationale Kampagne" vor "zum Aufbau
einer neuen Art, Politik zu machen, einem nationalen Programm des Kampfes
der Linken und für eine neue Verfassung".

Dabei stellen sich die Zapatistas nach wie vor gegen die Parteien, deren
"Demokratie nur aus an die Hütten gemalter Wahlpropaganda besteht". Sie
scheinen gewillt, auch mit Reisen im ganzen Land alles in ihrer Macht
stehende für dieses Projekt zu unternehmen - ein nicht ganz ungefährliches
Unterfangen in einem Land der politischen Morde, insbesondere in Zeiten
des Wahlkampfes.

Ob dieser neue Anlauf zur Gründung einer breiten Allianz erfolgreich sein
kann, wird nicht alleine von den Zapatistas sondern insbesondere von den
sozialen Bewegungen Mexikos abhängen. Auf jeden Fall haben sich die
marginalisierten Indigenen des mexikanischen Südostens wieder zuoberst auf
die politische Agenda des Landes katapultiert - genau ein Jahr vor den
nächsten Präsidentschaftswahlen.


(1)
Los desplazados de Polhó llevan ocho años ''resistiendo el hambre y la sed''
http://www.chiapas.ch/info3.php?artikel_ID=486&start=0&j=10

(2)
Desplazados internos en Sabanilla Chiapas. Quince familias de la comunidad
Andrés Quintana Roo, Municipio de Sabanilla, fueron desplazadas por las
amenazas de Paz y Justicia el pasado 9 de junio.
http://www.laneta.apc.org/cdhbcasas/Boletines/2005/061405_quintanaroo.htm

(3) Zusammenfassung der Vorfälle vor dem Roten Alarm
Pressebulletin des Menschenrechtszentrums Frayba
http://www.chiapas.ch/index.php?artikel_ID=501&start=0&j=10

(4)
Banken als Mittel der Aufstandsbekämpfung?
http://www.chiapas.ch/index.php?artikel_ID=494&start=0&j=10

(5)
Utiliza el Ejército festejos pedranos para su guerra de baja intensidad
http://www.jornada.unam.mx/2005/jun05/050630/014n1pol.php

(6)
Marcos: Llegó el momento de construir lo que falta. Comunicado a la sociedad
civil
http://www.jornada.unam.mx/2005/jun05/050624/008n1pol.php

(7)
Communique der EZLN zur Beendung der Consulta
http://www.chiapas.ch/index.php?artikel_ID=506&start=0&j=10

(8)
Ejército Zapatista de Liberación Nacional
Sexta Declaración de la Selva Lacandona
http://www.chiapas.ch/info4.php

QUELLE: www.chiapas.ch

_______________________________________________
Chiapas98 Mailingliste
JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider
Chiapas98@listi.jpberlin.de
http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98

## mail vom 01.07.05 weitergeleitet von LPA Berlin <mailto:lpa@free.de>
## source : Luz.gruppeBASTA@gmx.de
_______________________________________________
A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
http://ainfos.ca/cgi-bin/mailman/listinfo/a-infos-de


A-Infos Information Center