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(de) Türkei, Mehmet liebt Baris(1): Freiheit für Totalverweigerer Mehmet Tahran! (en,fr,tr)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Tue, 19 Apr 2005 22:52:10 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Der schwule Totalverweigerer Mehmet Tarhan wurde am 8. April 2005 aus
seinem Hotelzimmer von Polizisten festgenommen und dem Rekrutierungsbüro
überstellt. Er war in Izmir um auf der jährlichen Buchmesse zu arbeiten
und wurde dort zwangsrekrutiert. Die Polizei leitete ihn an die
Gendarmerie (Militärpolizei) weiter, die ihn dann an eine Einheit in Tokat
überstellt hat. Da Mehmet Tarhan weiterhin zivilen Ungehorsam leistet,
wurde er in das Militärgefängnis Sivas verlegt.
Mehmet Tarhan ist schwuler Aktivist und Anarchist, der seine
Kriegsdienstverweigerung am 27. Oktober 2001 in den Räumen des
Menschenrechtsvereins mit den Worten „Entzieht dem Krieg den Menschen als
Ressource. Jede Art von Gewalt ist ein Verbrechen gegen die Menschheit“
erklärt hat. Er hat seitdem seine offenen und angekündigten Aktionen
Zivilen Ungehorsams gegen Krieg und Militarismus fortgeführt, ohne je die
Notwendigkeit zu verspüren, sich oder seine Adresse zu verbergen. Die
Festnahme Mehmet Tarhans, der seinen unbedingten Widerstand gegen den
Militärapparat und der Wehrpflicht verkündet hat, gibt gerade in einer
Phase intensivierten rassistischen und nationalistischen Ressentiments
Anlass zur Sorge.
Militärdienst in der Türkei:
In der Türkei herrscht Wehrpflicht.
Ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung wird nicht anerkannt.
Kriegsdienstverweigerer kommen Aufforderungen zum Einzug in die Armee
nicht nach und leisten zivilen Widerstand, was mit Inhaftnahme und
Gefängnis beantwortet wird.Die Türkischen Streitkräfte sehen Homosexualität als
Krankheit an,
kündigen homosexuellen Offizieren den Dienst und stempeln homosexuelle
Rekruten mit Attesten ab.Homosexuelle, die mit einem Attest („Psycho-sexuelle Störung:
Homosexualität“) abgestempelt werden, sind in ihrem künftigen sozialen und
Arbeitsleben materieller und moralischer Diskriminierung und
Rechtsüberschreitungen ausgesetzt.Die Türkei ist unter den Nato- Staaten das einzige
Land, dessen
Streitkräfte die Homosexualität als Krankheit verstehen.Anarchisten und Zeugen
Jehovas verweigern aus Gewissensgründen den
Militärdienst in der Türkei.
Militaristische Kultur in der Türkei:
An Sexismus und Homophobie hat es in der Türkischen Gesellschaft, die von
einer Spirale aus „Männlichkeit“ und „Soldatentum“ umfasst ist, nie
gemangelt.Militärinstitutionen haben Homosexuelle, besonders im Zusammenhang mit dem
Militärdienst, zügellos erniedrigt, gebrandmarkt und ihnen das Leben
erschwert. Die Aufnahme in die Armee wurde Homosexuellen als eine
unerreichbare Gunst präsentiert. Dass die Armee als Hochburg der
„Männlichkeit“ und des institutionalisierten Militarismus, Frauen und
homosexuelle Männer ausschließt, bedeutet natürlich nicht dass sie für
Militärdienst und Kriegsführung nicht geeignet sind. Diese Ausgrenzung ist
ein Resultat der patriarchalen Ideologie. Diese Ideologie und die Armee
als eine der führenden Institutionen in denen sie zu Ausdruck gelangt,
reduzieren Homosexualität auf „Schwulheit“ und erkennen das homosexuelle
Individuum nicht als vollwertigen Menschen an, was in Erniedrigungen und
Angriffen auf Psyche und Persönlichkeit ausartet. Es wird beleidigt,
entwertet.
Die Militärpsychiatrie in der Türkei stellt die wissenschaftliche Basis
für die ideologische Herangehensweise des Militarismus bereit. Die hiesige
Militärpsychiatrie beruft sich immer noch auf DSM II der American
Psychiatric Association. Die Militärpsychiatrie geht also davon aus, dass
entgegen aktueller Psychiatrieliteratur, Homosexualität eine
psychosexuelle Pathologie ist. Wer einer psychosexuellen Störung
unterliegt wird, selbst wenn er will, nicht rekrutiert. Die gleiche
Herangehensweise wird fortgesetzt, falls die Situation sich im Nachhinein
klärt. Der Soldat wird hierauf auf Basis der rechtlich definierten
„unnatürlichen Beziehung“ frühzeitig aus den Streitkräften entlassen und
somit auch seine Homosexualität von vornherein als unnatürlich
festgesetzt!Doch der tatsächliche Sachverhalt ist nicht immer so simpel. Es ist gut
bekannt, dass viele Homosexuelle ihre Identität verheimlichen und die
Wehrpflicht ableisten, während viele nicht homosexuelle Männer in der
Kaserne sexuelle Beziehungen mit anderen Männern eingehen. Falls diese
Fälle aufgedeckt werden, wird in einer von drei Formen reagiert:a) Geflissentliches
Übersehen um den Namen der Einheit nicht zu gefährden.
b) Versetzung der involvierten Personen in andere Einheiten.
c) Bekennende Homosexuelle attestieren und frühzeitig entlassen.
Wie in einzelnen Fällen gehandelt wird, hängt von der konkreten Situation
und den übergeordneten Offizieren ab.
Freiheit für Mehmet Tarhan!
Der schwule Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan hat in seiner
öffentlichen Verweigerungsdeklaration ausdrücklich dargelegt, er werde als
bekennender Schwuler die Möglichkeit nicht nutzen, die Wehrpflicht mit
einem Attest eines Militärpsychiaters abzustreifen.
Die Kriegsdienstverweigerung muss als Menschenrecht anerkannt werden!
Den Inhaftierungen von Kriegsdienstverweigerern muss ein Ende gesetzt und
die inhaftierten Verweigerer müssen freigelassen werden!
KAOS GL


(1) “Mehmet liebt Barýþ” ist ein auf einer Anti-Kriegsdemo spontan
entstandener Slogan. Er wird von antimilitaristischen Heterosexuellen und
Homosexuellen gleichermaßen genutzt. „Barýþ“ bedeutet „Frieden“, ist aber
auch ein Männername. „Mehmet“ ist ein weit verbreiteter Männername, der
aber auch anonymer Name für den einfachen Soldaten gebraucht wird! (Anm.
Kaos GL)

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Anm. des Editors: KAOS GL ist ein antihirarchische, antikapitalistische
Schwulen- und Lesbenorganisation

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http://www.ainfos.ca/05/apr/ainfos00250.html
(en) Turkey, Mehmet Loves Peace/Baris* Freedom
for Conscientious/Total Objector Mehmet Tarhan..! (tr)
Worker <a-infos-en@ainfos.ca>
Fri Apr 15 05:43:24 GMT 2005

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