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(de) Massenabschiebungen - Mitteilung des Sizilianischen Antirassistischen Netzes (it)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Fri, 22 Oct 2004 10:44:04 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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MASSENABSCHIEBUNGEN
Auf Lampedusa ist in den vergangenen Tagen das Schlimmste passiert. Die
italienische Regierung hat eine Serie von Massenabschiebungen geplant,
organisiert und durchgeführt, um schnell das "Temporäre
Aufenthaltszentrum" der Insel zu "entleeren". Hunderte und aberhunderte
von ImmigrantInnen wurden buchstäblich nach Libyen deportiert, mit
Praktiken und Methoden, die an die finstersten Perioden der europäischen
Geschichte erinnern. Wir sind in eine Situation zurückgekehrt, in der
der Staat denen den Krieg erklärt, die anders, unerwünscht, wehrlos
sind.

In der betäubenden Ruhe der Fernsehsender und Zeitungen – zu sehr daran
gewöhnt, die Papierchen der Polizeipräsidien oder die heuchlerischen
Erklärungen von [Innen-, Üs.] Minister Pisanu zu veröffentlichen – hat
sich ein kollektives Drama mit systematischen und fortgesetzten
Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen abgespielt. Einige AktivistInnen
des Sizilianischen Antirassistischen Netzwerks haben sich persönlich
nach Lampedusa begeben, um den Horror aus der Nähe zu beobachten und
nach außen mitzuteilen. Das "Temporäre Aufenthaltszentrum" (CPT) von
Lampedusa ist ein Lager [im Original deutsch, Üs] in jeder Hinsicht: Die
ImmigrantInnen werden in großer Zahl im Inneren ungastlicher Container
zusammengepfercht. Sie schlafen auf dem Boden, im Dreck, ohne jegliche
Ausstattung. Die hygienischen Verhältnisse der äußeren Höfe sind
irrsinnig: Stapel von Müll, brechreizerregender Geruch und Gestank,
Bäder ohne Türen, überall Exkremente und Urin.

Die ImmigrantInnen werden in unmenschlichen Bedingungen festgehalten,
und auch vom juristischen Gesichtspunkt wird keines der Verfahren
eingehalten, die für Neuankömmlinge in unserem Land vorgeschrieben sind.
Niemand wird gefragt, ob er/sie politisches Asyl beantragen will,
niemand bekommt ärztliche oder anwaltliche Hilfe. Die Delegationen von
AktivistInnen und ParlamentarierInnen, die sich Zugang zum CPT
verschafft haben, haben festgestellt, daß sich unter den Festgehaltenen
dort auch Minderjährige befinden, und Minderjährige können – laut Gesetz
– dort nicht festgehalten werden.

Die Abschiebungen wurden in erschreckender Weise durchgeführt: Gruppen
von dreißig, vierzig Menschen mit dem Gesicht an der Wand, gefesselt mit
Plastikbändern, warten unter der brennenden Sonne, ohne daß sie jemand
informiert, wo sie hingebracht werden. Schließlich kommen vier oder mehr
militärische C-130-Frachtflugzeuge, in die die Personen unter strenger
Bewachung von Carabinieri, Polizei und Personal des Vereins
"Misericordia" [Barmherzigkeit, Üs] aus Palermo gebracht werden.

Die "Misericordia" aus Palermo verwaltet das Lager von Lampedusa:
Verantwortliche und Angestellte dieses Vereins sind in allem und durch
alles ExekutorInnen und KomplizInnen dieses Gemetzels. Im CPT von
Lampedusa gibt es weder Aufnahme noch Hilfe. Die "Misericordia" aus
Palermo beteiligt sich aktiv an der Verladung und Deportation hunderter
von Menschen. Es ist eine Schande, die in deutlichen Worten angeprangert
wird: Es ist unerträglich, daß gewisse Subjekte sich weiterhin als
freiwillige HelferInnen der praktischen Nächstenliebe ausgeben. Alle
Internierungszentren für ImmigrantInnen sind Lager, weil sie der
Anforderung nachkommen, BürgerInnen anderer Länder festzuhalten und
einzusperren, die nicht die geforderten Papiere haben. Und auf Lampedusa
haben wir mit eigenen Augen Sachen gesehen, die nicht verschwiegen
werden können. Die Abkommen, die die italienische Regierung mit der
libyschen Regierung geschlossen hat, dienen dazu: Im Austausch für Geld,
Waffen und Ausbildung für die libysche Polizei wird sich Gaddafi darum
kümmern, die ImmigrantInnen, die nach Italien kommen, "angemessen"
aufzunehmen. Deswegen werden die Leute nach Libyen abgeschoben, und so
werden die Geschäfte der Mächtigen auf dem Rücken derer ausgetragen, die
keine Stimme haben.

WIR WERDEN DIESE VERBRECHEN WEITER ANPRANGERN,
SOLANGE ALL DAS NICHT AUFHÖRT!

FREIHEIT FÜR ALLE MIGRANTiNNEN!


Von: FdCA Palermo <fdcapalermo auf fdca punkt it>
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http://www.ainfos.org/04/oct/ainfos00285.html
(it) Comunicato della Rete Antirazzista Siciliana sulle deportazioni di massa
worker-a-infos-it@ainfos.org (Flow System)
Wed Oct 20 10:18:56 GMT 2004

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