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(de) SchNEWS 474 vom 19. November 2004: Knast (en)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Tue, 23 Nov 2004 22:34:33 +0100 (CET)


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http://ainfos.ca/index24.html
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SchNEWS von drinnen
"An diesen Tag wirst du dich den Rest deines beschissenen Lebens
erinnern. Verstehst du mich, du Scheißbastard?" – festnehmender Beamter,
während er Babar Ahmad seine Rechte vorlas.
Babar Ahmad ist ein britischer Staatsbürger aus Tooting im Süden
Londons. Im Dezember 2003 wurde er von Anti-Terror-Polizei verhaftet,
die bei einer frühmorgendlichen Razzia in sein Haus eindrang. Er wurde
vor seiner Frau brutal angegriffen und erlitt über 50 Verletzungen am
Körper, zwei davon lebensbedrohlich. Während dieses Überfalls wurde er
in moslemische Gebetshaltung gebracht und gefragt: "Wo ist dein Gott
jetzt?" Nach sechs Tagen intensiver Verhöre wurde er ohne Anklage
freigelassen. Babar versuchte dann, die Polizei für seine Verletzungen
zu belangen, aus der Überzeugung heraus, daß das, was er und seine
Familie durchgemacht hatten, niemandem sonst passieren sollte. Ein
unabhängiger Chirurg führte eine umfassende Untersuchung durch, listete
die 50 Verletzungen auf, belegt mit Fotos und den Videos der Bullen
selbst. "Es gibt offensichtlich unzweifelhafte Beweise, daß er [Babar]
einem quälenden physischen und psychischen Angriff durch Polizeibeamte
ausgesetzt war", steht im Bericht des Chirurgen. "Er wurde
offensichtlich schwer verprügelt, jedoch in berechneter, kontrollierter
Weise... die darauf angelegt war, signifikante, schmerzhafte
Verletzungen des weichen Gewebes hervorzurufen, aber keine
lebensbedrohenden Verletzungen zu verursachen." Babar konnte auch die
Namen und Nummern der beteiligten Beamten angeben. Die Unabhängige
Polizei-Beschwerdekommission begann, sich um den Fall zu kümmern,
zusammen mit dem königlichen Staatsanwaltschaftsdienst (CPS). Aber
Babars Einsatz für Gerechtigkeit reizte offensichtlich jemanden, denn
der Ärger ging dann erst richtig los...

Urplötzlich kamen die Bullen drauf, daß sie genug Beweise hätten, um
Babar erneut zu verhaften. Am 5. August 2004 wurde er vor seiner
Arbeitsstelle ohne großes Theater abgegriffen, und die Wohnungen seiner
Schwester und seiner Mutter wurden von den Jungs in Blau auf den Kopf
gestellt. Babar ist schon wieder hinter Gittern wegen eines
Auslieferungsersuchens der USA, die vermuten, daß er das Internet
benutzt habe, um Geld für terroristische Aktivitäten zu beschaffen. Es
wurde auch behauptet, im Dezember 2003 sei eine Diskette mit Plänen von
US-Kriegsschiffen gefunden worden. Aber wie schon Dr. Adnan Siddiqui von
der Kampagne "stoppt politischen Terror" sagte: "Sollen wir glauben, daß
die Polizei im Dezember so massiv aufgefahren ist und den
Marine-Kommandanten der El Kaida dann trotzdem wieder auf die Straßen
von Tooting entlassen hat? Babars Haus war im Dezember schon von oben
bis unten durchsucht worden. Seine DNA-Proben wurden um die ganze Welt
geschickt. Wenn es auch nur ein Fitzelchen eines Verdachts wegen seiner
Aktivitäten gegeben hätte, wäre das sicher damals ans Licht gekommen.
Das Vereinigte Königreich hat neun Monate gebraucht, um eine Geschichte
mit den USA zurechtzubasteln und ihn ein für allemal zum Schweigen zu
bringen." Es wird auch behauptet, daß Babar irgendwas gegen das Empire
State Building im Schilde geführt habe. Der "Beweis"? Ääähm... ein
Reiseprospekt aus den 70ern über das Gebäude, das sein Vater 1973
besucht hatte.

Im September verkündete der CPS, es gebe "nicht genügend Beweise", um
irgendwelche Schritte gegen irgendwelche der Beamten einzuleiten, die
Babar verprügelt hatten (na sowas).

Obwohl er formal gar nicht angeklagt wurde, wurden Babars Daten von den
Bullen an die Presse verfüttert, die immer hungrig nach einer "Terrorist
geschnappt"-Geschichte ist; passenderweise nur drei Tage, bevor eine
Konferenz stattfinden sollte, die Babars Fall und die Weigerung der
Behörden, irgendwas wegen der Prügelbullen zu unternehmen, beleuchten
sollte.

Gemäß dem Auslieferungsabkommen von 2003 ist alles, was die USA
brauchen, um jemanden ausgeliefert zu bekommen, eine Erklärung der
Anklage, ohne daß sie dafür einem Gericht irgendwelche Beweise vorlegen
müßten. Obwohl Babar also vielleicht vor einem britischen Gericht
erscheinen könnte, um die Vorwürfe gegen sich zu hören, wird er keine
Gelegenheit erhalten, sich zu verteidigen und könnte in die USA
geschickt werden, um dort angeklagt zu werden. Andere europäische Länder
haben sich geweigert, dieses Abkommen zu unterzeichnen (und
US-BürgerInnen können unter diesem neuen Vertrag nicht nach GB
ausgeliefert werden!).

"Jemand, der die ganze Nation über Massenvernichtungswaffen belügen
kann, kann auch über mich Lügen verbreiten." – Gefangener "Terrorist" in
Belmarsh

Zusammen mit Belmarsh hält auch das Gefängnis Woodhill Leute nach dem
Antiterror-"Crime and Security"-Gesetz von 2001 fest. Dort werden seit
drei Jahren neun ausländische Staatsbürger [soweit ich weiß, keine
-innen, Üs] festgehalten, die nie angeklagt, vor Gericht gestellt oder
auch nur verhört wurden.

Beteiligt Euch an der Demonstration am 28. November vor dem
Woodhill-Gefängnis, Milton Keynes, um 12:30 Uhr.

www.freebabarahmad.com

* Schickt Unterstützungsbriefe an Babar Ahmad MX5383, HMP Woodhill,
Tattenhoe Street, Milton Keynes, MK4 4DA, Großbritannien

[OK, es steht noch einiges mehr in dieser Nummer drin, aber das verrat
ich Euch nicht, checkt das Original, wenn Ihr's wissen wollt!]


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http://www.ainfos.ca/04/nov/ainfos00276.html
(en) SchNEWS 474, Friday 19th November, 2004
>From Jo Makepeace <webmaster@schnews.org.uk>
Date Sat, 20 Nov 2004 08:20:36 +0100 (CET)
[englisches Original als PDF unter:
http://www.schnews.org.uk/archive/pdf/news474.pdf - Üs]

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