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(de) Schweiz, Rebellion Nr. 30, Gewerkschaftliche Einheit oder ArbeiterInnen-Autonomie?

From Rebellion <www.rebellion.ch@ainfos.ca>
Date Sun, 14 Nov 2004 19:22:29 +0100 (CET)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Aus Rebellion Nr. 30, verteilt an der UNIA-Demo in Bern am 30. Oktober:
Gewerkschaftliche Einheit oder ArbeiterInnen-Autonomie?
Wir sind heute hier versammelt, um die Gründung von UNIA zu feiern. UNIA
ist das Fusionsprodukt aus der Gewerkschaft Bau und Industrie GBI, dem
SMUV, dem VHTL und der ‘kleinen’ Unia, Dienstleistungsgewerkschaft. Die
neue UNIA sieht sich als Erneuerung der Gewerkschafts- und
ArbeiterInnen-Kultur in diesem Land. Sie ruft zur heutigen Demonstration
auf, um der (berechtigte) Forderung nach Aufteilung der
Produktivitätsgewinne zwischen Unternehmen und Lohnabhängigen Nachdruck
zu verleihen.
Als AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen kommen wir nicht um
gewisse Fragen herum. Die GBI war gewissermassen fähig, Konfrontationen
zu führen und - zumindest regional - die Basis zu mobilisieren (darum
haben wir diese Bestrebungen auch mit unseren eher bescheidenen Mitteln
unterstützt). Der SMUV und die VHTL sind in einer klassischen
Arbeitsfriedenpolitik gefangen geblieben. Sie waren vor allem
Dienstleistungs- und Verhandlungsgewerkschaften und unfähig, ein
Kräfteverhältnis aufzubauen. Zur Erinnerung: Die Gründung der ‘kleinen’
Unia war eine Antwort auf das Unvermögen des VHTLs, eine offensive
Mitgliederwerbung zu betreiben.
Wir erinnern uns auch an die Gründung der GBI als Fusionsprodukt aus den
Branchengewerkschaften des Bau- und Holzsektors einerseits, der Chemie
andererseits. Schon damals war der Wille da, offensiv vorzugehen, ‘Die
Gewerkschaftswüste zu begrünen’ und eine kämpferische Organisation als
Alternative zur Dienstleistungs- und Klassenversöhnungspraxis des SMUV
und des VHTLs aufzubauen. Heute ist Einheit angesagt, eine Einheit
ausgerechnet mit diesen Organisationen. Welche Einheit und wozu?
Wir lehnen die Idee der Einheitsgewerkschaft nicht grundsätzlich ab. Sie
kann sich auch positiv auswirken (‘Zusammen sind wir stark!’), dann zum
Beispiel, wenn sie eine wirkliche interprofessionelle Gewerkschaft
darstellt.
Bei UNIA muss die Frage gestellt werden, ob es sich nicht einfach um die
gleiche Rationalisierungs- und Synergienlogik handelt, wie sie schon
lange von den Unternehmen praktiziert. Wie will UNIA aus
Gewerkschaftsfunktionären, die es seit Jahren nicht mehr aus ihren Büros
geschafft haben, AktivistInnen machen, welche zu den Leuten gehen, dort
wo sie sind: im Büro, in der Fabrik, in den Läden und im öffentlichen
Raum? Werden die neuen Gewerkschaftsstrukturen mehr interne Demokratie,
mehr Teilnahme der Basis an den Entscheidungen und am Leben der
Organisation zulassen? In welchem Verhältnis steht die UNIA zur SPS, die
es immer noch vorzieht, die neoliberale Offensive sozial-liberal zu
begleiten und mitzugestalten, statt sie zu bekämpfen (siehe jüngeren
Appell an den Freisinn, ‘zusammen Reformen durchzuziehen’).
Wir erwarten von der UNIA, dass sie schnell zeigt, was für eine
Gewerkschaft sie will: Ist der Kampf nur ein Mittel, die
UnternehmerInnen zurück an den Verhandlungstisch zu holen oder geht es
darum, ein effektives Kräfteverhältnis aufzubauen? UNIA muss der
Eigenaktivität ihrer Mitglieder mehr Raum bieten und sie stärken. Wir
sind davon überzeugt, dass die zentrale Frage mehr denn je ist, ob die
Gewerkschaftsbasis ihre Autonomie aufbaut. In der Tat wird die
Mobilisierung der Lohabhängigen in diesem Land für Sieg oder Niederlage
der ArbeiterInnenklasse massgebend sein und nicht ein Deal der
Gewerkschaftsbürokratie, um Arbeitsplätze in der Zentrale zu erhalten.

Für welche Gewerkschaft kämpfen wir?
Die einzige Gewerkschaft, die sich lohnt, ist eine Gewerkschaft, die
kämpft, die den Leuten an der Basis ermöglicht, sich zu organisieren und
direkte Aktionen betreibt! Egal ob in den Mehrheitsgewerkschaften (UNIA,
SIT, VPOD usw.), in Basisgewerkschaften (SUD, IGA) oder innerhalb
eigener Gruppen (FAU), fördern wir das eigene Handeln und die Autonomie
der Lohnabhängigen. Aus diesem Grund bekämpfen wir das
Delegationsprinzip, welches in den Köpfen der Leute leider als Tendenz
stark vorhanden ist und dazu führt, dass die Verteidigung ihrer
Interessen Anderen anvertraut wird, sei es an PolitikerInnen, Experten,
Gewerkschaftsfunktionäre... oder an revolutionäre AktivistInnen! Das
‘selber in die Hand nehmen’ eigener Anliegen kann nur an der Basis
entstehen und bedeutet, wo immer möglich Basisstrukturen aufzubauen: Im
Atelier, im Büro, im Laden, im Unternehmen.
Es muss eine Kampf-, Widerstands- und effektiv interprofessionelle
Kultur entstehen, die nicht vor gemeinsamen Aktionen und
Solidaritätsstreiks Halt macht. Diese Solidarität ist nicht nur
branchen- und berufsübergreifend, sondern schliesst die besonders
diskriminierten Lohnabhängigen wie Frauen, MigrantInnen, Behinderte,
Jugendliche und ältere ArbeiterInnen ein!
Eine solche Gewerkschaft muss logischerweise mit der Tradition des
Arbeitsfriedens brechen, der jetzt sogar von den UnternehmerInnen in
Frage gestellt wird.
Für uns ist die Selbstverwaltung der Kämpfe nicht nur Bedingung für den
Aufbau der ArbeiterInnen-Autonomie, sondern für eine zukünftige
Selbstverwaltung der ganzen Gesellschaft!

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