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(de) Russland: Alexej Tscherepanow wieder verhaftet (en)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Thu, 27 May 2004 21:59:25 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Am Montag, 24. Mai, wurde Alexej Tscherepanow zum Verhör durch die
Gosnarkokontrol (kürzlich eingeführte russische Drogenpolizei)
vorgeladen. Unmittelbar danach wurde er verhaftet – diesmal wurde er
nicht ins normale Gefängnis gebracht, sondern direkt ins FSB
(Ex-KGB)-Untersuchungsgefängnis in Krasnodar. Während der drei kurzen
Tage nach seiner letzten Haft (12.-21. Mai) konnte Alexej einige Details
über seine Verfolgung mitteilen. Ursprünglich wurde ihm am 12. Mai nur
ein Gramm Gras untergeschoben, aber nachdem er sich weigerte,
irgendwelche Dokumente zu unterschreiben, bekam er seinen letzten
9tägigen Arrest schließlich für "auf die Straße pissen" und "auf die
Polizei fluchen". Diese Provokation, ermöglicht durch eine
offensichtlich inszenierte Vorladung des Einberufungszentrums des
Militärs, war zeitlich gut abgestimmt – genau am 12. Mai trat eine neue
Regierungsverordnung in Kraft, wonach der Besitz von bis zu 20 Gramm
Marihuana nicht mehr strafbar ist.

Am Montag hat die Gosnarkokontrol sich auch endlich dazu durchgerungen,
den Einbruch in Alexejs Haus zuzugeben. Sie behauptet, bei der illegalen
Durchsuchung am Mittwoch, 19. Mai, während Alexejs Arrest, 24 [aha, Üs]
Gramm Gras und zwei Gramm Heroin gefunden zu haben. Das ist der Vorwand,
gegen Alexej ein Strafverfahren zu eröffnen, das es zunächst ermöglicht,
ihn wieder neun Tage lang festzuhalten, und noch länger, wenn das
Gericht es anordnet – was ziemlich wahrscheinlich passieren wird.

Während der Durchsuchung stahlen Gosnarkokontrol-Beamte 600 Rubel [20
Euro, Üs] und mindestens 15 Ausgaben der Zeitschrift "Awtonom".
Gosnarkokontrol könnte es schaffen, diese Durchsuchung zu legalisieren,
weil es in Rußland eine Gesetzeslücke gibt, die es erlaubt, ohne
Durchsuchungserlaubnis "in das Haus eines Verdächtigen einzudringen",
falls dort keine Durchsuchung durchgeführt werden soll. Es ist denkbar,
daß die Krasnodarer Gerichte sich wenig um die Tatsache scheren, daß die
Bullen die Tür aufbrachen und das Haus bei dieser "kleineren
Inaugenscheinnahme" komplett auf den Kopf stellten.

Momentan werden alle Verdächtigen der Gosnarkokontrol im
FSB-Untersuchungsgefängnis festgehalten, weil die Knäste in Krasnodar
gesteckt voll sind, so daß der FSB rein formal immer noch gar nichts mit
Alexejs Fall zu tun hat. Tatsächlich wurde die Verbindung zum FSB schon
am ersten Tag von Alexejs letztem Arrest deutlich, als er hörte, wie
Gosnarkokontrol-Beamte während seiner Befragung auf dem Korridor
plauderten: "... und der KGB will irgendwas von diesem Schwachkopf."
Alexejs Frau wurde ebenfalls am Montag, 24., vorgeladen (früher als er),
und sie wurde genau wie er über ihre politischen Aktivitäten befragt.
Alexej im FSB-Knast zu haben, wird sehr angenehm für die sein, die seine
Verfolgung ursprünglich befohlen haben.

Man kann daraus eigentlich nur den Schluß ziehen, daß der FSB von
Krasnodar glaubt, daß der jüngste Erdrutsch-Wahlsieg eines früheren
KGB-Agenten heißt, daß die "guten alten Zeiten" wieder da sind. Der
Versuch, die anarchistische Bewegung von Krasnodar, die für sie nie mehr
war als eine Quelle geringer Irritation, mit eiserner Hand zu zerstören,
wird wohl nicht ihr letzter Versuch sein, sich für die Erniedrigungen
der letzten 13 Jahre zu rächen.

Entgegen den Informationen in der letzten englischen Ausgabe des
Moskauer Anarchist Black Cross Bulletin (Nr. 2) wurde Dimitri Rjabinin
noch nicht freigelassen – nach seinem Freigang Anfang Mai mußte er
wieder zurück ins Niedersicherheitsgefängnis, wo er seine Strafe
absitzt. Tut uns leid, daß wir gute Nachrichten zu schnell verbreitet
haben.

Anfang dieses Monats wurde Rjabinin erlaubt, am Wochenende nach Hause zu
gehen, aber letztes Wochenende wurde ihm dieser Urlaub überraschend
gestrichen – er erfuhr auch, daß der FSB ihm einen Spitzel auf die Zelle
geschickt hatte, der dafür bezahlt wurde, Infos über ihn zu sammeln.
Alexej Tscherepanow vermutet, daß seine Verfolgung mit weiteren
Planungen des FSB gegen Rjabinin zu tun haben könnte, mit dem zusammen
er an der Veröffentlichung der anarchistischen Quartalsschrift Awtonom
beteiligt war, bis deren Produktion letzten Sommer nach Moskau verlegt
werden mußte – wegen der Schwierigkeiten in Krasnodar, die letztlich
dazu führten, daß Rjabinin im Januar für sechs Monate inhaftiert wurde.

Es muß nicht eigens erwähnt werden, daß die AnarchistInnen in Rußland
sich diese Provokationen nicht gefallen lassen werden. Am Freitag (28.
Mai) werden Moskauer AnarchistInnen eine nicht legalisierte Aktion gegen
Gosnarkokontrol (von uns jetzt in Gosnarkokartell umbenannt) und FSB
durchführen, wir haben AnarchistInnen aus anderen Städten eingeladen, an
den Aktionen teilzunehmen. Der Fall Tscherepanow hat in der russischen
anarchistischen Gemeinschaft jetzt schon Empörung ausgelöst, und
Indymedia Rußland hat bereits ein Feature über den Fall gebracht.
AnarchistInnen in vielen Ländern haben uns unterstützt, die Polizeiwache
von Krasnodar und die Gosnarkokontrol-Büros haben aus der ganzen Welt
möglicherweise mehr besorgte Telefonanrufe bekommen als jemals zuvor in
ihrer Geschichte. Trotzdem sind in der gegenwärtigen politischen
Situation Erfolge nicht leicht zu erreichen, und wir brauchen weiterhin
jegliche Unterstützung, die Ihr uns bieten könnt.

Im Kampf,

A/ABC-Moskau/Persönliche Kapazität


Ruf doch mal an in Krasnodar:

Gosnarkokontrol der russischen Föderation, Verwaltung für das Gebiet
Krasnodar:
+7-8612-62-08-90
Büro des Staatsanwalts der Zentralverwaltung des Gebietes Krasnodar:
+7-8612-68-41-44


Über Alexej:

Alexej Tscherepanow, geboren 1979, absolvierte im Januar 2004 die
Journalistische Fakultät des K.W. Rossinskij-Instituts in Krasnodar. Er
schrieb für die Tageszeitungen und Zeitschriften Tschelowek Truda (der
offiziellen Gewerkschaften in Kuban), Otkrytij Mir, Nascha Kuban, MK na
Kubany und andere regionale Zeitungen. In einigen seiner Artikel griff
er die Verfolgung illegaler EinwandererInnen in der Region Krasnodar an.
1998 war Alexej Vorsitzender der Ortsgruppe der antifaschistischen
Jugendaktion (AMD) in der Stadt Primorsko-Axtarsk, Gebiet Krasnodar.
Damals initiierte er eine Kampagne gegen die Aktivitäten der
faschistischen Partei RNE (Russische Nationale Einheit) in seiner Stadt.
Seit 1999 hat Alexej an Aktivitäten der anarchistischen Bewegung
teilgenommen, und derzeit ist er Mitglied der Autonomen Aktion. Er
wirkte bei der Veröffentlichung der Zeitschrift Awtonom mit und
beteiligte sich an der Organisation vieler Aktionen und Kampagnen.

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http://ainfos.ca/04/may/ainfos00477.html
(en) Russia, Aleksei Cherepanov arrested again
>From Worker <a-infos-en@ainfos.ca>
Date Thu, 27 May 2004 07:17:26 +0200 (CEST)

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