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(de) Permanente autonome Zonen (fr)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Fri, 21 May 2004 21:27:53 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
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http://ainfos.ca/index24.html
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Hallo, ein Genosse vom Syndicat Intercorporatif Anarchosyndicaliste aus
Caen ist vor einiger Zeit im Internet auf einen ins Spanische
übersetzten Text von Hakim Bey (dem Autor des berühmten Textes über die
TAZ, die "temporären autonomen Zonen") gestoßen, der den Titel trägt:
"Permanente autonome Zonen". Er hat anschließend noch eine englische
Version gefunden, aber keine französische. Also hat er, ausgehend von
diesen zwei Versionen, über die er verfügte, eine Übersetzung
angefertigt. Die Anmerkungen im spanischen Text hat er dringelassen und
anläßlich seiner eigenen Übersetzung weitere hinzugefügt. Hier ist also
der übersetzte Text [bzw. das, was ich draus gemacht hab, Üs]. Wir
stellen ihn der gesamten libertären Bewegung zum Lesen und
Weiterverbreiten zur Verfügung.

PERMANENTE AUTONOME ZONEN
Hakim Bey

Die Frage der Öffentlichkeit
Zugang
Die Notwendigkeit einer wirklich alternativen Wirtschaft
Die "Welt" endete 1972
Festivals
Die lebendige Erde
Typologie der PAZ

Die Theorie der TAZ (1) (I) versucht, sich mehr mit be- oder
entstehenden Situationen zu befassen als mit reinem Utopismus. Überall
auf der Welt gibt es Leute, die dabei sind, den Grill der Entfremdung zu
verlassen oder von ihm zu "verschwinden", die dabei sind, Wege zu
suchen, um den menschlichen Kontakt wiederherzustellen. Ein
interessantes Beispiel dafür – auf der Ebene der "städtischen
Volkskultur" – kann in der Verbreitung von Netzwerken und Konferenzen
über Hobbies gefunden werden. Ich habe kürzlich die Zines von zwei
solchen Gruppen entdeckt, die Kronjuwelen des höchsten elektrischen
Drahtes (die sich mit der Sammlung gläserner Elektro-Isolatoren
befassen) und eine Revue der Cucurbitologie (Flaschenkürbiskunde). Eine
enorme Menge Kreativität wird diesen Besessenheiten gewidmet. Die
verschiedenen regelmäßigen Treffen gleichgesinnter Verrückter führen zu
wahren Festivals der Exzentrizität von Mensch zu Mensch (ohne
Vermittlung). Es ist nicht nur die "Gegen-Kultur", die ihre TAZn sucht,
ihre reisenden Camps und ihre Befreiung vom Konsens. Selbstorganisierte
und autonome Gruppen sind dabei, unter allen "Klassen" und
"Sub-Kulturen" aufzutauchen. Weite Gebiete des babylonischen Imperiums
sind derzeit leer, bevölkert nur von Geheimagenten der Massenmedien und
ein paar psychotischen Polizisten. Die Theorie der TAZ ist sich bewußt,
daß DAS GERADE JETZT PASSIERT – wir sagen nicht "passieren müßte" oder
"passieren wird" – wir sprechen gerade von einer Bewegung, die bereits
existiert. Unser Gebrauch verschiedener Denkerfahrungen, utopischer
Dichtung, paranoider Kritik usw. soll helfen, diese komplexe und
großteils noch nicht dokumentierte Bewegung zu klären, ihr ein gewisses
theoretisches Forum und Selbstbewußtsein zu geben, Taktiken auf der
Basis integraler, kohärenter Strategien vorzuschlagen – zu handeln wie
eine Hebamme oder ein Lobredner, nicht wie eine "Avantgarde"! Und so
müssen wir die Tatsache betrachten, daß all diese bestehenden autonomen
Zonen nicht "temporär" sind. Einige sind mehr oder weniger "permanent"
(zumindest sind sie so beabsichtigt). Einige Risse im babylonischen
Monolith erscheinen so leer, daß ganze Gruppen sich zu ihnen begeben und
sich dort festsetzen können. Gewisse Theorien, wie die "Permakultur"
(II) sind angesichts dieser Situation entwickelt worden, um daraus
möglichst viel herauszuholen. "Dörfer", "Kommunen", "Gemeinschaften" bis
zu "Arkologien" und "Biosphären" (oder andere Formen utopischer Städte
werden ausprobiert und zum Erfolg gebracht. Dennoch kann selbst hier die
Theorie der TAZ einige Denkwerkzeuge und nützliche Klärungen liefern.
Was ist dran an einer Poesie (einer "Art zu machen") und einer Politik
(einer "Art, zusammen zu leben") für die permanente TAZ (oder "PAZ")?
Was ist die Beziehung zwischen der Befristung und der Dauerhaftigkeit?
Und wie kann die PAZ sich erneuern und periodisch erfrischen mit dem
"festlichen" Aspekt der TAZ?

Die Frage der Öffentlichkeit

Jüngste Erfolge in den USA und Europa haben gezeigt, daß
selbstorganisierte/autonome Gruppen die Angst ins Herz des Staates
tragen. MOVE in Philadelphia (III), die KoreshitInnen von Waco (IV), die
Deadheads, die Stämme des Regenbogens, die InformationspiratInnen, die
besetzten Häuser, usw. waren Zielscheibe unterschiedlich intensiver
Vernichtung. Und dennoch werden gleichzeitig andere Gruppen nicht
wahrgenommen, oder wenigstens nicht verfolgt. Was bewirkt diesen
Unterschied? Ein Faktor kann der perverse Effekt der Öffentlichkeit oder
der Veröffentlichung sein. Die Medien verspüren einen vampirmäßigen
Durst für das Werk des Schattens und eine Leidenschaft für den
"Terrorismus", das öffentliche Sühneritual, die Sündenböcke und die
blutigen Opfergaben Babylons. Sobald irgendeine autonome Gruppe es
zuläßt, daß diese besondere "Aufmerksamkeit" auf sie fällt, ist die
Kacke am Dampfen: Die Medien werden versuchen, ein Mini-Harmageddon zu
organisieren, um ihr schmutziges Verlangen nach Spektakel und Tod zu
befriedigen.

Jetzt stellt die PAZ ein gutes, unbewegliches Ziel für eine solche
intelligente Medienbombe dar. Belagert im Inneren ihrer
"Zusammensetzung" kann die selbstorganisierte Gruppe nur einer Art
vorbestimmten, billigen Märtyrertums unterliegen. Wahrscheinlich kann
diese Rolle neurotische MasochistInnen anziehen??? Auf jeden Fall würde
der größte Teil der Gruppen ihre Lebensdauer oder ihren natürlichen
Verlauf in Ruhe und Frieden verbringen wollen. Eine gute Taktik hier
kann es sein, die Öffentlichkeit der Massenmedien zu meiden wie die
Pest. Ein bißchen natürliche Paranoia ist nützlich, solange sie nicht
zum Selbstzweck wird. Man muß schlau sein, um etwas zu wagen und
trotzdem davonzukommen. Ein bißchen Tarnung, die Fähigkeit, unsichtbar
zu sein, Taktgefühl als Taktik könnten für eine PAZ genauso nützlich
sein wie für eine TAZ. Kleine Vorschläge: nur "intime" Medien benutzen
(Zines, Telefonnetze, BBSs (V), Freie Radios und Kleinsender,
Kabelfernsehen etc.); konfrontative Haltungen und Machoauftritte
vermeiden – Ihr braucht die fünf Sekunden in der Tagesschau nicht
("Polizei stürmt Sektenlokal"), um Eurer Existenz Sinn zu verleihen.
Unsere Parole könnte sein: "Suche das Leben, keinen Lebensstil." (2)

Zugang

Die Menschen müßten wahrscheinlich auswählen, mit welchen Personen sie
zusammenleben wollen. Die Kommunen mit "offener Teilnahme" enden
unterschiedslos überflutet von Parasiten und pathetischen sexhungrigen
Hanswursten. Die PAZ müssen gegenseitig ihre eigenen Mitglieder
auswählen – das hat nichts zu tun mit "Elitismus". Die PAZ kann
zeitweise eine offene Funktion ausüben – wie Festivals zu beherbergen
oder gratis Essen auszugeben –, aber sie muß nicht ständig für jeden
dahergelaufenen selbsternannten Sympathisanten offen sein.

Die Notwendigkeit einer wirklich alternativen Wirtschaft

Einmal mehr geschieht das bereits, benötigt aber noch eine enorme Menge
Arbeit, bevor es ans Licht kommt. Die Subökonomien der "Schwarzarbeit",
steuerfreie Transaktionen, der Tauschhandel usw. neigen dazu, streng
begrenzt und lokalisiert zu bleiben. Die BBSs und andere Netzwerksysteme
können verwendet werden, um diese regionalen/marginalen Wirtschaften
("häusliche Unternehmen") in eine tragfähige Alternativökonomie von
einer gewissen Bedeutung zusammenzuführen. "P.M." hat so etwas schon in
"bolo'bolo" (VI) skizziert – tatsächlich gibt es schon zahlreiche
mögliche Systeme, zumindest in der Theorie. Das Problem ist: Wie kann
man eine wirkliche alternative Wirtschaft aufbauen, d. h. eine
vollständige Wirtschaft, ohne das Finanzministerium und andere
kapitalistische Jagdhunde anzuziehen? Wie kann ich meine Fähigkeiten
als, sagen wir mal, Klempner oder Alkoholdestillateur eintauschen für
die Nahrung, Bücher, das Dach überm Kopf und die psychoaktiven Pflanzen,
die ich will – ohne Steuern zu zahlen oder, klar, ohne irgendwelches vom
Staat geprägtes Geld zu benutzen? Wie kann ich ein komfortables (und
sogar luxuriöses) Leben führen, frei von jeder Interaktion und
Transaktion mit der Welt des Kommerzes? Wenn wir all die Energie nehmen
würden, die die Linksparteien in ihre Demos stecken und all die Energie,
die die Liberalen (3) dafür einsetzen, nichtige kleine Spiele als dritte
Partei zu spielen, und wenn wir all diese Kraft umleiten würden in den
Aufbau einer echten unterirdischen Ökonomie, hätten wir "die Revolution"
schon längst erreicht.

Die "Welt" endete 1972

Das Götzenbild des absoluten Staates ist "1989" endgültig gestürzt. Die
letzte Ideologie, der Kapitalismus, ist nichts weiter als eine
Hautkrankheit der sehr verspäteten Jungsteinzeit. Es ist eine
Wunschmaschine im Leerlauf. Ich habe die Hoffnung, sie in meiner
Lebenszeit zerfallen zu sehen, wie eine der mentalen Landschaften von
Dalí. Und ich möchte mich irgendwo "unterstellen" können, wenn die ganze
Scheiße zusammenbricht. Offensichtlich beinhaltet der Tod des
Kapitalismus nicht nötigerweise eine Godzilla-mäßige Zerstörung
jeglicher menschlicher Kultur; das ist schlicht ein Horrorszenario, das
der Kapitalismus selber propagiert. Trotzdem ist klar, daß der träumende
Kadaver gewaltige Zuckungen haben wird, bevor der rigor mortis (VII)
eintritt – und New York oder Los Angeles können nicht die
intelligentesten Aufenthaltsorte sein, um abzuwarten, bis das Unwetter
vorbei ist. (Und das Unwetter kann schon begonnen haben.) [Andererseits
könnten NYC und LA auch nicht die schlechtesten Plätze sein, um die neue
Welt zu schaffen; man könnte sich ganze besetzte Viertel vorstellen,
Gangs, die in Volksmilizen umgewandelt werden usw.] Jetzt kann die
nomadische Lebensweise oder die virtuelle Realität eine Methode sein, um
der laufenden Auflösung des verspäteten Kapitalismus zu begegnen – aber
was mich betrifft, würde ich ein schönes anarchistisches Kloster
irgendwo vorziehen, einen typischen Ort, damit die "Gebildeten" das
"dunkle Zeitalter" unterstützen (4). Je mehr wir das JETZT organisieren,
desto weniger Problemen werden wir nachher gegenüberstehen. Ich rede
nicht vom "Überleben" – ich bin nicht am einfachen Überleben
interessiert. Ich will aufblühen. ABER ZURÜCK ZUR UTOPIE.

Festivals

Die PAZ hat eine lebenswichtige Funktion, wie ein Knoten im Netz der
TAZn, ein Treffpunkt für einen breiten Kreis von FreundInnen und
Verbündeten, die tatsächlich nicht die ganze Zeit in der
"Abgeschiedenheit" oder dem "Dorf" leben können. Die alten Dörfer
feierten Jahrmärkte, die der Gemeinschaft Reichtum brachten, den
Reisenden Märkte zur Verfügung stellten und für alle TeilnehmerInnen
eine festliche Zeit und einen festlichen Raum schufen. Heute ist das
Festival dabei, als eine der wichtigsten Formen der TAZ selbst
aufzukommen, aber es kann auch eine Erneuerung und frische Energie für
die PAZ bringen. Ich erinnere mich, irgendwo gelesen zu haben, daß es im
Mittelalter 111 Feiertage pro Jahr gab; das müßten wir als unser
"utopisches Minimum" nehmen und uns bemühen, es noch besser zu machen.
[Anm.: Die utopischen Minima, die C. Fourier (VIII) vorschlug, bestanden
in mehr Nahrung und Sex, als der durchschnittliche französische
Aristokrat des 18. Jahrhunderts hatte; B. Fuller schlug für ein
ähnliches Konzept den Ausdruck "bloßes Minimum" vor]

Die lebendige Erde

Ich glaube, daß es eine Menge guter egoistischer Gründe gibt, sich das
"Organische" (ist sexy), das "Natürliche" (schmeckt besser), das "Grüne"
(ist schöner), das "Wilde" (5) (ist aufregender) zu wünschen. Die
Gemeinschaft (communitas, wie Paul Goodman (IX) es nannte (6)) und die
Gastfreundschaft (wie Ivan Illich (X) sagte) sind angenehmer als ihre
Gegenteile. Die lebende Erde muß die organische Stadt nicht ausschließen
– die kleine, aber intensive Ansammlung von Menschheit, gewidmet den
Künsten und den locker-dekadenten Genüssen einer von allem Gigantismus
und erzwungener Einsamkeit gereinigten Zivilisation – aber selbst
diejenigen unter uns, die Städte mögen, können unmittelbare und
hedonistische Gründe sehen, für "die Umwelt" zu kämpfen. Wir sind
militante Biophile. Tiefenökologie, soziale Ökologie, Permakultur,
angepaßte Technologie... wir sind gegenüber Ideologien nicht allzu
kleinlich. Laßt 1000 Blumen blühen!

Typologie der PAZ

Eine "seltsame Religion" oder eine rebellische Kunstbewegung kann sich
in eine nicht lokal begrenzte Art PAZ umwandeln, wie ein intensiveres,
um sich greifendes Hobby-Netzwerk. Die Geheimgesellschaft (wie der
chinesische Tong (XI)) liefert auch ein Modell für eine PAZ ohne
geographische Begrenzungen. Aber das "Best-case-Szenario" umfaßt einen
Freiraum, der sich in einer freien Zeit ausbreiten kann. Das Wesentliche
an der PAZ muß sein, daß sie die Freuden – und Risiken – der TAZ auf
Dauer intensiviert. Und die Intensivierung der PAZ wäre dann... Utopia
Jetzt.

Hakim Bey
Dreamtime, August 1993

Anmerkungen:

Es handelt sich um die Anmerkungen zur spanischen Version, wie sie im
Internet vorgefunden wurden.

1) TAZ: Abkürzung für "Temporär autonome Zone". Von Bey entwickelte
Theorie, die dieser Text erweitert.
2) Im Original "lifestyle", Bezeichnung für bestimmte Tendenzen (wie den
"Lifestyle-Anarchismus"), die sich mehr um den Alltag und das
Individuelle kümmern als um das Soziale – zumindest laut ihren
KritikerInnen wie Murray Bookchin.
3) [Mit "liberal" übersetze ich hier "libertaire", Üs] "Liberal" hier in
dem Sinne, wie es im allgemeinen in den USA verwendet wird [also
"libertarian", Üs], nämlich anarcho-kapitalistisch, was eigentlich (bis
auf die Abneigung gegen den Staat, den sie als zu interventionistisch,
gegen die Freiheit des Marktes, ansehen) sehr wenig mit dem zu tun hat,
was wir hier unter libertär verstehen. Während der 80er Jahre erlangte
die Libertarian Party eine gewisse Bedeutung und wurde bei Wahlen
drittstärkste Kraft, wenn auch weit hinter den Demokraten und
Republikanern.
4) Auf Englisch wird damit oft das Mittelalter bezeichnet ("Dark Ages").
5) Im Original "wild(er)ness", was gleichzeitig an Wildheit und an Natur
im reinen Zustand erinnert.
6) In dem Buch, das diesen Titel trägt, geschrieben gemeinsam mit seinem
Bruder Percival und 1947 veröffentlicht.

Und hier noch die mit römischen Zahlen gekennzeichneten Anmerkungen der
Person, die diese Übersetzung ins Französische angefertigt hat:

I) TAZ wurde 1997 in Frankreich von Editions de l'éclat veröffentlicht
und kann im Internet gratis heruntergeladen werden.
II) Permakultur ist eine biologische Anbaumethode, die darauf
verzichtet, die Erde zu pflügen oder umzugraben, um zu vermeiden, daß
zahlreiche Mikroorganismen verschwinden, die dort leben und im
allgemeinen gut für die Bodenkultur sind. Die Anbauflächen werden vor
der Aussaat mit Mulch bedeckt, einer Schicht aus abgestorbenen
pflanzlichen Materialien.
III) MOVE war eine afro-amerikanische Bewegung mit Zentrum in
Philadelphia. Diese subversiv-spirituelle Bewegung zog sich schnell den
Haß der örtlichen Polizei zu. Ihre erste militante Kommune wurde am 8.
August 1978 von der Polizei belagert. Diese warf von einem Hubschrauber
aus eine Brandbombe auf das von MOVE besetzte Haus und löste damit einen
Großbrand aus, der an die 60 Häuser verwüstete und 11 Tote (darunter
mehrere Kinder) unter den Mitgliedern von MOVE forderte.
IV) Eine apokalyptische Sekte, die Koreshiten (oder Davidianer), geführt
von einem Guru namens David Koresh, der sich für einen neuen Messias
hielt, hatte sich auf einer Farm in Waco (Texas) eingerichtet. Da die
Sekte große Mengen von Waffen hatte, umzingelte die Polizei die Farm und
griff an, als die Koreshiten sich weigerten, sich durchsuchen zu lassen.
Beim ersten Angriff wurden sechs Koreshiten und vier Polizisten getötet.
Ein zweiter Angriff, der am 19. April 1993 geführt wurde, löste einen
Brand auf der Farm aus, bei dem 80 Personen ums Leben kamen.
V) BBSs (Bulletin Board Systems) sind Server, über die AbonnentInnen
oder Mitglieder einer Vereinigung sich verbinden und untereinander
Informationen austauschen können. Man findet solche Server zum Beispiel
im Internet.
VI) Bolo'bolo ist ein Buch, geschrieben Anfang der 80er Jahre von einem
mysteriösen P.M., der ein utopisches Projekt einer sozialen
Neuorganisation in Kommunen in großem Maßstap entwickelt. Es kann über
Editions de l'Eclat bezogen werden.
VII) Diesen lateinischen Ausdruck könnte man mit "Totenstarre"
übersetzen.
VIII) Charles Fourier (1772-1837) war ein französischer Philosoph und
sozialer Denker, der die Neuorganisation der Gesellschaft in
"Phalanstères" genannten Arbeitersiedlungen vorschlug, kleinen autonomen
menschlichen Kommunen, die Produktions- und Konsumkooperativen
beherbergen sollten.
IX) Paul Goodman (1911-1972) war ein amerikanischer Libertärer,
Schriftsteller und Sozialkritiker voll Begeisterung für die
antiautoritäre Pädagogik.
X) Ivan Illich (1926-2002), Priester (1969 seines Amtes enthoben) und
sozialer Denker, Autor zahlreicher sehr kritischer Werke über Schule,
Gesundheit, Gastfreundschaft, Energie... Er inspirierte während der 60er
und 70er Jahre das Internationale Dokumentationszentrum (CIDOC) in
Mexiko, einen intellektuellen Knotenpunkt für zahlreiche kritische
ForscherInnen und PädagogInnen.
XI) Tongs sind Geheimgesellschaften chinesischen Ursprungs, in denen
gegenseitige Hilfe rund um gemeinsame Ziele praktiziert wird: subversive
oder religiöse Aktivitäten, Schmuggel und Handel... Hakim Bey hat
übrigens einen kleinen Text geschrieben, der auch auf Französisch
übersetzt wurde (und im Internet gratis heruntergeladen werden kann,
wenn man ein bißchen sucht [auf Deutsch habt Ihr da wahrscheinlich
wieder mal Pech, Üs]), wo es um dieses Thema geht und darum, was diese
Form heimlicher solidarischer Organisation für Minderheiten am Rande des
Systems bedeuten kann.

[Und was mir bei der Übersetzung ins Deutsche noch so eingefallen ist,
steht einfach mit "Üs" gekennzeichnet mitten im Text.]

>From SIA <s.ia@laposte.net> (Worker <a-infos-fr@ainfos.ca>)
Date Tue, 6 Apr 2004 16:27:31 +0200 (CEST)


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