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(de) IAA: Kein Krieg zwischen den Menschen - kein Friede zwischen den Klasse Erster Mai 2004)

From Fritz Wuehler <fritz@spamexpire-200405.rodent.frell.eu.org>
Date Sat, 1 May 2004 11:11:27 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Von der Stadt Fallujah westlich Bagdads bis zu verschiedenen
schiitischen Städten überall im Süd-Irak sieht sich die
US-Armee dem heftigsten Widerstand seit dem Beginn der
Besatzung des Irak vor einem Jahr gegenüber. Den US-Truppen,
die zunehmend verbittert und demoralisiert sind, wird befohlen sich
weiter auszubreiten. Es gibt bewaffnete Aufstände,
Entführungen, Angriffe auf Öl-Pipelines und Transporte, und
die verzweifelten USA bitten nun die Vereinten Nationen (UN) eine
größere Rolle zu übernehmen.

Während diese Zeilen geschrieben werden ist das Ergebnis der
Situation in Fallujah und Najaf noch unklar, aber - nach Angaben
der Föderation der Arbeiterräte und Gewerkschaften im Irak
(FWCUI) - hat in der Stadt Nasiriyah eine zu Muktada Al Sadr
gehörende, bewaffnete Gruppe versucht Fabriken und Werkhallen
zu räumen, um diese in befestigte Militärposten zu verwandeln
und von dort die amerikanischen und italienischen Truppen zu
bekämpfen.

Als Antwort haben die ArbeiterInnen sowohl in der
Aluminiumfabrik als auch in der Sanitäranlagenproduktion sich
trotz zahlreicher Todesdrohungen geweigert ihre Arbeitsplätze zu
verlassen. Sie lehnten es ab, dass de Arbeitsplätze in
Schlachtfelder verwandelt werden, was entweder deren Zerstörung
oder mögliche Diebstähle und Plünderung zu Folge gehabt
hätte. Also bestanden sie darauf in den Fabriken zu bleiben, um
diese zu verteidigen. Eine Stellungnahme der FWCUI besagt:

"Wir weisen die Umwandlung von Arbeitsplätzen und zivilen
Wohnräumen in reaktionäre Frontlinien zwischen den beiden
Polen des Terrorismus im Irak gänzlich zurück. Die USA und
ihre Verbündeten auf der einen Seite und die bewaffneten Milizen
auf der anderen Seite sind bekannt für ihre Feindschaft
gegenüber den Interessen der irakischen Leute. Wir werden uns
den Versuchen dieser Milizen, die auf die Störung der Sicherheit
und Stabilität der Bevölkerung abzielen, entgegen setzen. Und
wir werden ihre Versuche bekämpfen, die Gesellschaft in einen
Bürgerkrieg und somit in Zerstörung und Leid zu stürzen."

Im Irak, wie auf der ganzen Welt, wird ein Klassenkampf geführt.
Was die Klasse der ArbeiterInnen von den KapitalistInnen
unterscheidet, ist daß wir keine KapitalistInnen brauchen. Aber
sie brauchen uns dringend für ihre Todesmaschine namens
Kapitalismus. Sie brauchen uns, um ihre Waren und
Dienstleistungen herzustellen, damit sie ihre Gewinne machen
können. Sie brauchen uns als SoldatInnen, damit wir unsere
Arbeits-GenossInnen töten und sie brauchen uns, um ihre
Waffenindustrie am Laufen zu halten. Sie brauchen uns, damit wir
ihre Ausrüstung und Truppen transportieren, um sie mit Nahrung
zu versorgen und um das Herzblut des Kapitalismus zu produzieren:
das Öl.

Die kapitalistischen Mächte handelnm wie verzweifelte
Öl-Junkies, die einen "Schuss" brauchen - besonders je näher
wir dem Jahr 2010 kommen. Die Zeit ab 2010 wird als "Öl-Spitze"
bezeichnet, weil dann der Verbrauch stärker ansteigen wird als die
Produktion. Diese Entwicklung wird besonders durch den
dringenden Energiebedarf von Staaten wie China oder Indien
verstärkt. Der imperialistische Kampf wird - wie im Irak - nicht
nur um die heutigen Rohstoffe geführt, sondern noch viel mehr
um die zukünftigen Energiereserven. Auch um die Kontrolle der
Marktanbieter, Öl-Handelswährungen, Öl-Preismechanismen
und Einflussgebiete wird gekämpft.

Das erinnert an den umstrittenen Entwurf einer Studie, die 1992 von
dem damals stellvertretenden US-Verteidigungsminister Wolfowitz
angefertigt wurde. Diese Studie ging davon aus, dass das Hauptziel
der US-Strategie sein sollte "jede feindliche Macht davon abzuhalten
eine Region zu dominieren, deren Rohstoffe ausreichen würden
unter vereinter Kontrolle die weltweite Energieversorgung zu
ermöglichen".

Heute sprechen die US-PlanerInnen davon halb-dauerhafte oder
ständige Militärstützpunkte entlang eines gigantischen Bandes
einzurichten. Dieser "Bogen der Unbeständigkeit" verläuft vom
Karibischen Meer über die Andenregion durch Afrika, den
Mittleren Osten bis nach Zentralasien und endet in Südostasien.
Dem aufmerksamen Auge wird nicht entgangen sein, dass dieser
"Bogen" den Hauptgebieten mit großen Vorräten an Öl, Gas
und Mineralien entspricht.

Es ist auch kein Zufall, dass Kolumbien hochgradig militarisiert
wurde, um den blutigen Krieg fortzuführen. Kolumbien hat
nämlich riesige Naturvorräte und eine Grenze zu dem
Ölförderland Venezuela. Es ist ausserdem eine strategische
Einfallstür zu der genetischen Vielfalt des Amazonas und zu den
Märkten in Südamerika. Der Plan Colombia und dessen
Ausweitung, die Regionale Anden-Initiative, ist für die USA der
militärische Bestandteil der Amerikanischen Freihandelszone
(FTAA).

Wenn wir die Linie nach Afrika verfolgen, so sehen wir die Pläne
der USA ihre Militärpräsenz zu erweitern, indem sie ständige
oder halb-dauerhafte Stützpunkte in Dschibuti, Algerien,
Marokko, Tunesien, Senegal, Mali, Ghana und Kenia einrichten.
Eine Schlüsselrolle für die USA in Afrika kommt dabei - nach
Angaben von US-VertreterInnen - der Absicherung der Ölfelder in
Nigeria zu.

Der "Bogen der Unbeständigkeit" geht weiter in den Mittleren
Osten und wir sehen, dass der "Fahrplan für Frieden" sich als
"Fahrplan" für Besatzung und Krieg offenbart hat. Die Opfer in
diesem Konflikt, wie auch in den kapitalistischen Kriegen in
Kolumbien, Afghanistan und Tschetschenien, sind die einfachen
Leute. Dieses "Große Spiel" und die Rivalitäten der
kapitalistischen Mächte verwandeln auch Zentralasien in ein
Gebiet anhaltender Hochspannung. Und die Kontrolle
Südostasiens ist für die USA lebenswichtig, um Japans Treue
zu erhalten und das aufstrebende China zu untergraben.

Aber auch die historischen Zeiten, in denen wir leben, werden
untergraben: Die Bedeutung der grausamen
Eisenbahn-Bombenanschläge vom 11. März 2004 in Madrid ist,
dass sie benutzt werden, um die fortgesetzte Eingliederung und
Militarisierung der Außen- und Innenpolitik der Europäischen
Union (EU) voranzutreiben. So wie die Anschläge des 11.
September 2001 für die geo-politischen Interessen der USA und
für einen dramatischen Angriff auf die Arbeitsbedingungen und
Arbeitsrechte benutzt wurden.

Auch die neuen Mitgliedsstaaten der EU und der NATO werden
von den USA benutzt, als eine Pufferzone um die russischen und die
deutsch-französischen Interessen zu untergraben. Und wir
können davon ausgehen, dass es zu erhöhten Spannungen
zwischen den kapitalistischen Mächten kommen wird.

Die EU baut nun eine Schnelle Eingreiftruppe auf, die innerhalb von
60 Tagen mit flexiblen und beweglichen Einheiten weltweit
einsatzbereit sein soll. Und gleichzeitig schließt sich die Festung
Europa zusammen gegen Asylsuchende und ImmigrantInnen. Der
neue Vorschlag der Europäischen Kommission zur Liberalisierung
der "Dienstleistungen im Binnenmarkt" wird einen lebenswichtigen
Teil der kapitalistischen Erweiterung gegen die Bedingungen der
ArbeiterInnen-Klasse spielen, ebenso wie die Kampagne gegen
Renten und öffentliche "Wohlfahrt".

Der weltweite Kapitalismus enthüllt offensichtlich, dass die
reformistischen Gewerkschaften nicht dazu geschaffen sind, um
diesen Angriffen etwas entgegen zu setzen. Diese bürokratischen,
zentralistischen "Dienstleister" sind von der Unterstützung und
der rechtlichen Hilfe der kapitalistischen Staaten abhängig. Diese
lenken den sogenannten "Krieg gegen den Terror" um in einen
dauernden Krieg gegen die ArbeiterInnen-Klasse und ihre Rechte.
Auf der ganzen Welt sehen wir die Entwicklung von repressiven
Sicherheitsstaaten, die Privatisierung der "Wohlfahrt", aber auch
Massenentlassungen, Terror gegen Gewerkschaften,
Maßnahmen gegen Arbeitslose und Arme, und sowohl die
Verschärfung der Anti-Einwanderungs-Gesetze, wie auch die
Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, und so weiter.

Als anarchosyndikalistische Internationale unterstützt die
Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA) weder
KapitalistInnen, noch imperialistische Mächte oder Diktaturen.
Die IAA baut auf die antimilitaristische Tradition der Ersten
Internationale auf, indem sie Vorschläge für den Boykott der
Waffenproduktion und für den Generalstreik gegen den Krieg
macht. Seit die Kriegsführung mehr und mehr an private Firmen
ausgelagert wird, ist es wichtig den Schwerpunkt auf den
militärisch-industriellen Zusammenhang zu legen und auf die
Firmen, die aus Kriegen Gewinn machen.

Die KapitalistInnen und Staaten brauchen vorhersehbare
GegnerInnen, die vom rechtlichen Rahmen und von Zuschüssen
abhängig sind. Sie wollen dadurch diese Organisationen leiten,
kontrollieren, kürzen, spalten und nötigenfalls zerschlagen. Die
Antwort der AnarchistInnen und AnarchosyndikalistInnen muss
deshalb eine dauerhafte Aktivität in den Kämpfen und direkten
Aktionen sein, in denen wir als ArbeiterInnen ein Bestandteil sind.
Und wir müssen die Einbindung unserer freien Vereinigungen in
das kapitalistische System verweigern.

Direkte Aktionen, Propaganda und Solidarität müssen auf
unserer eigenen Stärke aufbauen, nicht auf Klassenbündnissen
(wie zum Beispiel Betriebsratswahlen). Eine wirtschaftliche
Unabhängigkeit kann nur durch Mitgliedsbeiträge gesichert
werden, nicht durch staatliche Unterstützung. Föderalismus
bedeutet, dass wir keine zentralistischen Strukturen aufbauen oder
Gelder von bezahlten Gewerkschaftsprofis verwalten lassen. Im
Gegensatz zu den reformistischen Gewerkschaften kämpft die
IAA auf wirtschaftlichem, gesellschaftlichem, kulturellem und
antimilitaristischem Gebiet für die Abschaffung von Kapitalismus
und Staat. Diese sollen ersetzt werden durch die freie Föderation
freier Vereinigungen von ArbeiterInnen - den libertären
Kommunismus.

Die beste Art den Märtyrern des Haymarket-Bombenanschlags
[vom 1. Mai 1889 in Chicago/USA] zu gedenken, ist es, verstärkt
für ihre Ideen zu kämpfen. Die Sektionen und Freunde der IAA
waren und sind aktiv gegen die kapitalistischen Kriege im Irak, in
Kolumbien, Afghanistan und Tschetschenien. Und sie waren und
sind im Kampf gegen die gesellschaftliche und wirtschaftliche
Ausbeutung in Lateinamerika, sowie im Widerstand gegen
Repression (wie gegen die "Thessaloniki 7"). Sie unterstützen
direkte Aktionen, wie die der streikenden ArbeiterInnen der
CNT-IAA in Spanien, und sie haben Generalstreiks, wie den der
USI-IAA in Italien unterstützt - um nur einige Beispiel zu nennen.
Die Internationale ArbeiterInnen-Assoziation ist auf einem klaren
Weg im Kampf für die Selbstbefreiung der ArbeiterInnen!

Kein Krieg zwischen den Menschen -
kein Friede zwischen den Klassen.

Lang lebe die IAA!

Oslo, den 26. April 2004

Sekretariat der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (IAA)

--

Übersetzung:
Anarchosyndikat "eduCat", Bonn (Germany)
http://anarchosyndikalismus.org


Mehr Infos über die IAA:
http://www.iwa-ait.org (englisch/spanisch)


Einige andere deutschsprachige Texte der IAA zu folgenden
Themen:

Deutschland (Sozialabbau):
http://anarchosyndikalismus.org/solfed01.htm

Irak (Krieg):
"Irak, Öl und US-Welthegemonie" (I und II)
http://anarchosyndikalismus.org/oel1.htm

Kolumbien (Plan Colombia):
"Auch wenn es im Irak regnet, klärt es in Kolumbien nicht auf"
http://anarchosyndikalismus.org/kolumbien1.htm

Spanien (Streik):
"HafenarbeiterInnen im Kampf"
http://anarchosyndikalismus.org/hafen.htm

1. Mai 2002:
"Selbstbefreiung der ArbeiterInnen statt 'Neue
Welt-Kriegs-Ordnung'!"
http://anarchosyndikalismus.org/1mai02.htm


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