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(de) Moskau: Aktion fuer den anarchistischen politischen Gefangenen Alexej Tscherepanow – Naeht Eure Taschen zu! (en)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Tue, 1 Jun 2004 15:52:01 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Die Autonome Aktion, die RegenbogenschützerInnen und ihre
UnterstützerInnen demonstrierten am 28. Mai am Hauptquartier der
Gosnarkokontrol-Verwaltung in Moskau (Ul. Marosejka 12), um Freiheit für
Alexej Tscherepanow zu fordern, einen anarchistischen Journalisten, der
seit dem 12. Mai in Krasnodar illegal festgehalten wird und nur letztes
Wochenende für drei Tage auf freiem Fuß war.
Um 17:10 Uhr sammelten sich ungefähr 25 AktivistInnen rund um das
Gebäude, blockierten das Tor mit einem Fahrradschloß und hängten ein
Plakat "Gosnarkokontrol geschlossen" über das Türschild. Die
DemonstrantInnen trugen Transparente und Plakate mit Aufschriften wie
"Befreit Alexej Tscherepanow", "Gosnarkokartell", "FSB-Komplott gegen
Tscherepanow" und auch ein Plakat, auf dem eine zugenähte Tasche
abgebildet war, um alle an eine Methode zu erinnern, wie man sich davor
schützen kann, Drogen untergeschoben zu bekommen. [Sich die Taschen
zuzunähen, ist genau aus diesem Grund vor allem unter tschetschenischen
Flüchtlingen in Moskau durchaus üblich – Üs.]

Alle TeilnehmerInnen hatten jede Menge frisches Gras in ihren Taschen.
Das wurde beschlagnahmt und in eine große Tasche gesteckt, die dann über
das Tor der Gosnarkokontrol geworfen wurde. Für die BeamtInnen, damit
sie es kriminologisch untersuchen können oder rauchen (daß ihnen schön
schlecht wird) oder was auch immer. So bekam das Gosnarkokartell
symbolisch das Dope zurück, das es in den Taschen und Wohnungen von
Leuten verteilt.

Nach etwa fünf Minuten griffen mit Maschinenpistolen bewaffnete
Wachleute die TeilnehmerInnen der Aktion an (ohne zu schießen). Bald
darauf erschienen sowohl uniformierte als auch zivile Bullen und
organisierten eine Gegendemo, die der ursprünglichen Demo an
Lebhaftigkeit in nichts nachstand. Plakate wurden beschlagnahmt, vier
TeilnehmerInnen überwältigt (von denen zwei später flüchten konnten) und
der Rest der Menge auf die andere Straßenseite abgedrängt.

Sieben Personen wurden verhaftet, darunter vier Presseleute. Verprügelt
wurde nur einer, der Fotograf der "Solidarität" (Zeitung der
regierungstreuen Gewerkschaft FNPR). Die Moskauer Polizei betreibt
gegenüber JournalistInnen, die über nicht legalisierte Aktionen
berichten, eine Strategie der harten Hand. So wurde letzten Dezember bei
einer radikalen Umweltschutzaktion der gesamten anwesenden Presse die
Ausrüstung abgenommen, und einige JournalistInnen wurden
zusammengeschlagen. Damals erklärte die Polizei offen, daß nur über von
der Regierung genehmigte Aktionen berichtet werden solle.

Die meisten Kameras wurden zerstört, die Fotos auf Indymedia sind so
ziemlich die einzigen, die übrig sind. Eine digitale Videokamera wurde
zweimal "enthaftet"; zwei Leute, die sie mal kurz gehalten hatten,
hatten weniger Glück und landeten auf der Wache.

Die vier verhafteten JournalistInnen wurden am gleichen Abend
freigelassen, die drei anderen wurden am nächsten Tag vor Gericht
gestellt, aber der Prozeß wurde auf Dienstag vertagt. Sie sind mit
Anklagen wegen Ordnungswidrigkeiten wie "Teilnahme an illegaler
Versammlung" und "minderschwerer Hooliganismus" konfrontiert, wofür es
entweder eine Geldstrafe oder ein paar Tage Knast gibt. Die geringen
Anklagen und die Vertagung des Gerichtstermins waren eine große
Erniedrigung für Gosnarkokontrol, deren Leute den ganzen Abend lang
wutschnaubend bei der Polizeiwache von Basmannoje angerufen hatten und
für die Verhafteten Anzeigen wegen "aller Straftaten, die ihr ihnen
irgendwie anhängen könnt", verlangten.

Text des Flugblatts, das bei der Aktion verteilt wurde:

FSB-KOMPLOTT GEGEN TSCHEREPANOW?

GOSNARKOKONTROL SCHIEBT DROGEN UNTER. KRASNODARER JOURNALIST ALEXEJ
TSCHEREPANOW IN U-HAFT.

Am 24. Mai nahm die Krasnodarer Gosnarkokontrol-Verwaltung Alexej
Tscherepanow fest, einen Journalisten und Antifaschisten, der zu einer
Vernehmung erschienen war. Er wird wegen Paragraph 228 Abs. 1 des
Strafgesetzbuchs der russischen Föderation angeklagt ("Illegaler Erwerb
oder Lagerung großer Mengen von Drogen ohne Verkaufsabsicht"). Befragt
wurden Alexej und seine Frau von den Vernehmungsbeamten der
Gosnarkokontrol jedoch wiederholt über die anarchistischen
Zeitschriften, die bei einer Durchsuchung in ihrem Zimmer gefunden
worden waren. Weder Alexej noch seine Frau haben jemals Drogen genommen
und auch nie welche in ihrem Zimmer gelagert. Es besteht kein Zweifel,
daß das Unterschieben von Drogen und der neuntägige Arrest im
Untersuchungsgefängnis mit Tscherepanows politischen Aktivitäten zu tun
haben.


Features über Alexej Tscherepanow gibt's auf:
russia.indymedia.org
www.avtonom.org

Wen Ihr in Krasnodar anrufen könnt:

Gosnarkokontrol der russischen Föderation, Gebietsverwaltung Krasnodar:
+7-8612-62-08-90

Büro der Staatsanwaltschaft der zentralen Gebietsverwaltung von
Krasnodar:
+7-8612-68-41-44

Kontaktiert die Bundeszentrale von Gosnarkokontrol:
info@gnk.gov.ru Rufbereitschaft:
+7 095 921-02-35, +7 095 928-79-91 (24 h)

Rezeption: +7 095 921-43-09, Fax: +7 095 928-02-08

Hotline (Fon/Fax): +7 095 921-43-91

Öffentlichkeitsarbeit:
+7 095 206-90-61
fax: +7 095 921-28-22
E-mail: pr@gnk.gov.ru

[Billigvorwahl für Gespräche von Deutschland nach Rußland ist 0190054,
das kostet nach Moskau 2ct/min und nach Krasnodar 4,4ct/min, abgerechnet
im Minutentakt – Üs]

Über Alexej:

Alexej Tscherepanow, geboren 1979, absolvierte im Januar 2004 die
Journalistische Fakultät des K.W. Rossinskij-Instituts in Krasnodar. Er
schrieb für die Tageszeitungen und Zeitschriften Tschelowek Truda (der
offiziellen Gewerkschaften in Kuban), Otkrytij Mir, Nascha Kuban, MK na
Kubany und andere regionale Zeitungen. In einigen seiner Artikel griff
er die Verfolgung illegaler EinwandererInnen in der Region Krasnodar an.
1998 war Alexej Vorsitzender der Ortsgruppe der antifaschistischen
Jugendaktion (AMD) in der Stadt Primorsko-Axtarsk, Gebiet Krasnodar.
Damals initiierte er eine Kampagne gegen die Aktivitäten der
faschistischen Partei RNE (Russische Nationale Einheit) in seiner Stadt.
Seit 1999 hat Alexej an Aktivitäten der anarchistischen Bewegung
teilgenommen, und derzeit ist er Mitglied der Autonomen Aktion. Er
wirkte bei der Veröffentlichung der Zeitschrift Awtonom mit und
beteiligte sich an der Organisation vieler Aktionen und Kampagnen.

Bilder:
http://russia.indymedia.org/front.php?article_id=9174&group=webcast
Video:
http://russia.indymedia.org/front.php?article_id=9191&group=webcast

Link: russia.indymedia.org
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Versandt vom Anarchist Black Cross Moskau am Samstag, 29. Mai

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http://www.ainfos.ca/04/may/ainfos00524.html
(en) Russia, Moscow, action for anarchist political prisoner Aleksei Cherepanov
- Time to sew your pockets!
>From Worker <a-infos-en@ainfos.ca>
Date Sun, 30 May 2004 12:27:59 +0200 (CEST)

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