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(de) Guerrero, Mexico: Autonomie soll demontiert werden [LPA]

From Ralf Landmesser <ralf@anarch.free.de>
Date Tue, 27 Jul 2004 11:28:37 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Autonomie soll demontiert werden
Im mexikanischen Bundesstaat Guerrero bekämpfen Staat und Kaziken die
Selbstverwaltung der indigenen Bevölkerung
"Schluss mit der Repression der Regierung gegen den autonomen
Landkreis!" So lautet die Forderung der Einwohnerinnen und Einwohner von
Xochistlahuaca im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero. Vor knapp zwei
Jahren hatte die Mehrheit der dort lebenden Amuzgo-Indígenas genug vom
Terror und der Vetternwirtschaft der lokalen politischen Klasse und der
bundesstaatlichen Regierung. Sie gründeten einen autonomen Landkreis -
ähnlich den selbstverwalteten Gemeinden der zapatistischen Bewegung in
Chiapas - und setzten eigene Autoritäten ein, die in Vollversammlungen
ernannt werden. Die Unterstützung für die Selbstverwaltung wuchs daraufhin
so stark an, dass die "traditionellen Autoritäten" - so nennen die
Aktivisten ihre Funktionsträger - nun im ehemaligen Regierungspalast ihre
Arbeit leisten.

Seit Beginn der De-facto-Autonomie im Landkreis versucht die lokale
Oberschicht, mit verschiedensten Mitteln wieder das Heft in die Hand
zu bekommen. Hier ist besonders die Familie Rocha zu nennen, die der
Institutionellen Revolutionären Partei PRI angehört, die Mexiko von
1929 bis 2000 regierte und in vielen Regionen bis heute tonangebend ist.
Neben gewalttätiger Repression durch Polizei und Banden wird dazu auch auf
juristische Tricks zurückgegriffen: Unter dem Vorwand der "schweren
Freiheitsberaubung" wurde am 15. Juli Genaro Cruz Apóstol,
Angehöriger der autonomen Verwaltung von Suljaa', - wie die Rebellen
Xochistlahuaca heute nennen - festgenommen. Auf dem Weg zum Gefängnis
wurde ihm von der Polizei damit gedroht, dass er "verschwinden" würde.
Eine gängige Praxis in Guerrero, einem Bundesstaat, der seit über 30
Jahren militarisiert ist, da Anfang der 70er Jahre die bedeutende
Guerillabewegung der "Partei der Armen" um den Lehrer Lucio Cabañas
Widerstand gegen den Terror der Großgrundbesitzer leistete. Heute ist
Guerrero "berühmt-berüchtigt" dafür, dass das Militär den Drogenhandel
mitorganisiert und die Kriminalität dort höher ist, wo die staatliche
Polizei operiert.

Im aktuellen Fall gibt es darüber hinaus Haftbefehle gegen weitere 12
Angehörige der autonomen Administration. Die Tatsache, dass die
Bevölkerung sich immer stärker den "traditionellen Autoritäten" zuwendet,
die inzwischen die Ländereien, den Friedhof, die Bibliothek, den Markt und
die kommunalen Immobilien verwalten, scheint den Staat enorm
herauszufordern. Dabei bricht die Regierung die Konvention 169 der ILO
(Internationale Arbeitsorganisation) über indigene Selbstverwaltung, die
Mexiko bereits 1990 unterzeichnet hatte.

Der lokale Vertreter der offiziellen Regierung, Victor Hugo Torres,
war am 16. Juli nicht bereit, mit den Vertretern der autonomen Verwaltung
zu verhandeln und drohte unverhohlen mit weiteren Repressalien. Die
Situation ist äußerst gespannt.

David Valtierra, Berater der "traditionellen Autoritäten", betonte,
dass die internationale Aufmerksamkeit in starkem Maße dazu beitragen
kann, erneute Gewalttaten gegen die autonome Verwaltung zu verhindern, die
sich als Teil einer großen basisdemokratischen Bewegung von vielen
sozialen und indigenen Organisationen betrachtet: "Wir rufen die
mexikanische Bevölkerung, die indigenen Gemeinschaften und die
internationale Zivilgesellschaft dazu auf, sich mit unserem gerechten
Kampf zu solidarisieren, denn der würdige Widerstand der Ärmsten verfolgt
keine Eigeninteressen, sondern unterstützt und ist Teil der Befreiung der
indigenen Gemeinschaften und der unterdrückten Männer und Frauen dieses
Landes. Wir fordern, dass die Existenz des autonomen Landkreises
respektiert wird und die Haftbefehle aufgehoben werden".

Dass sich zahlreiche Organisationen aus den Bundesstaaten Oaxaca,
Michoacán, Chiapas, Guerrero und Mexiko-Stadt den Protesten angeschlossen
haben, belegt, dass die Bewegung für Selbstverwaltung, die durch den
Aufstand der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN den bisher größten
Auftrieb erhielt, weiter anhält und sich mancherorts sogar im Wachstum
befindet.

Luz, Gruppe B.A.S.T.A.

(Protestschreiben können unter gruppeBASTA@gmx.de angefordert
werden.)

23.7.2004

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Chiapas98 Mailingliste
JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider
Chiapas98@listi.jpberlin.de
http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98

## mail vom 24.07.04 weitergeleitet von LPA Berlin <mailto:lpa@free.de>
Datum: Fri, 23 Jul 2004 17:48:21 +0200 (MEST)
Von: Luz.gruppeBASTA@gmx.de
Betreff: Guerrero: Autonomie soll demontiert werden

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