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(de) LA CAMPANA Nº 231 - Vorwort: Grenzen (ca)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Fri, 23 Jan 2004 20:54:41 +0100 (CET)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
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An den tödlichen Grenzen der Staaten tötet das Gesetz der ökonomischen
Ungleichheit und der sozialen Unterdrückung täglich Hunderte von
Menschen. - Am vergangenen Samstag starben 20 Menschen (und sieben
weitere werden seither vermißt) in der Adria beim Schiffbruch eines
Bootes, mit dem 38 albanische ImmigrantInnen versuchten, die
italienische Küste zu erreichen. Die italienische Marine sucht jetzt die
Leichen auf die gleiche Weise, wie sie am Vortag das Meer durchforstet
hatte, um zu verhindern, daß irgendeine "unerwünschte" Person es
schafft, lebendig ihren Fuß auf Berlusconis vaterländischen Boden zu
setzen. - Heute, am 12. Januar, stehen 45 Personen am Rande des Todes
auf Nauru, einer kleinen Koralleninsel im Pazifik. Sie haben über 30
Tage nicht gegessen und kaum getrunken, und mindestens zehn von ihnen
haben sich die Lippen zugenäht, mit Drahtstücken und Schnüren, die sie
an den Zäunen und Gittern des Konzentrationslagers fanden, in dem sie
seit mehr als zwei Jahren auf Beschluß der australischen Regierung
eingesperrt sind. An jedem Ort ist es eine Regierung, die handelt, aber
überall ist es das gleiche Gesetz, das tötet und Unheil bewirkt. Dieses
Gesetz für die Grenze nennt sich in Australien "pazifische Lösung", wie
zuvor, in Nazideutschland, ein anderes Gesetz, auch rassistisch und auf
Ausrottung ausgerichtet, sich "Endlösung" nannte, und in der heutigen
Europäischen Union "Ausländergesetze". Hunderte von ImmigrantInnen aus
Afghanistan, darunter 85 Kinder, sind in der Republik Nauru eingesperrt,
seit vor zwei Jahren Australien beschloß, sie in Konzentrationslagern
außerhalb des Landes festzuhalten, um sie daran zu hindern, auf
australischen Territorium Asylanträge zu stellen. Sie alle sind Opfer
der "pazifischen Lösung", d. h. der erschreckenden Antwort Australiens
auf AsylbewerberInnen und Flüchtlinge, die an seinen Küsten ankommen.

Seit zwei Jahren versuchten 2500 Personen, vor den endlosen Kriegen zu
flüchten, die Afghanistan verwüsten. Ganze Familien zwängten sich auf
einen klapprigen Kahn und fuhren wochenlang unter beschwerlichen
Bedingungen über den Indischen Ozean, Richtung Australien, um dort Asyl
zu suchen. Die alte Barkasse war schon am Untergehen, mit ihren 2500
Passagieren, starr vor Kälte, Salpeter, Hunger und Furcht. Zum Glück kam
zufällig ein norwegisches Handelsschiff, die MS Tampa, in der Nähe vor
bei, als der Schiffbruch kurz bevorstand. Gemäß dem alten Gesetz des
Meeres – das nicht das Gesetz des Staates ist, sondern das von
Solidarität und Hilfe – nahm die Tampa die Schiffbrüchigen und nahm,
abweichend von ihrem eigenen Ziel, Kurs auf Australien. Dennoch wartete
dort auf sie das infame Gesetz. Ein Gesetz, das seit 1992 verlangt, daß
alle Personen, die ohne reguläre Papiere in Australien ankommen, sofort
verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht werden. Egal, vor
welchem Wahnsinn sie fliehen oder woher sie kommen. Sie mögen vor Krieg
oder Massenmord fliehen, vor Hunger oder Verwüstung... die einen werden
für Monate oder Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern eingesperrt,
die im ganzen Land eröffnet wurden. Die übrigen werden in
Gefängnis-Staaten gebracht, Höllen, die der australische Staat mietet,
wie im Fall der Insel Nauru, ein Kreis von wenig mehr als 2, 5km Radius,
der 1968 durch geschichtliche Zufälle und wirtschaftliche Entscheidungen
zu einem unabhängigen Kleinststaat geworden ist, getrennt vom großen
Australien... "Gerade jetzt haben diese polynesischen Christen von Nauru
entdeckt (in Wirklichkeit haben sie deshalb die Unabhängigkeit
zugestanden bekommen) zwei neue Arten entdeckt, dem Geld zu dienen:

ihren Inselstaat als Finanzparadies zu vermarkten, und ein paar hundert
Quadratmeter ihrer Insel Spezialfirmen für Bau und Betrieb von
Gefängnissen, Konzentrations- und Internierungslagern zu überlassen."
Und so funktioniert der monströse Mechanismus. Rechtlich knallhart
sauber. Die Fregatten der australischen Marine fangen Schiffe mit
ImmigrantInnen an Bord unter Androhung der Versenkung (so haben sie es
auch mit der Tampa gemacht) ab, bevor sie ihre Hoheitsgewässer
erreichen, und entführen die verängstigten ImmigrantInnen. Das tapfere
Angriffsheer geleitet seine schwimmende Beute auf die Inseln Nauru,
Manus, Weihnachtsinseln usw., nachdem mit den "Regierungen" dieser
"Staaten" vorab vereinbart wurde, daß sie für Geld ihre Territorien zur
Verfügung stellen, damit Firmen, die sich dem Straf"geschäft" widmen,
wie die Australasian Correctional Management, die ihre Dienste an die in
dieser Hinsicht erklärtermaßen faschistische australische Regierung
vermieten. Unter diesen Voraussetzungen, ein wahrer Handel mit
Strafgefangenen und Flüchtlingen, wurden hunderte Schiffbrüchige der MS
Tampa nach Nauru überführt und in einem furchtbaren Konzentrationslager
eingesperrt. Dort werden sie einem Nicht-Leben unterworfen, unter
beängstigenden und unmenschlichen Bedingungen. Weil sie vor dem Tod
fliehen wollten, den die westlichen Mächte über ihr Land verhängt
hatten, wurden diese Personen dem entsetzlichsten Tod ausgeliefert, den
man sich vorstellen kann: dem, als Gefangene zu leben, ohne andere
Bestimmung, als nichts zu tun. Darum nähen sie sich die Lippen zu. Darum
ziehen sie es vor, einmal zu sterben. Darum erklären sie den Hunger- und
den Durststreik. Razai, einer der jüngsten Streikenden, sagt es so: "Ich
werde nicht essen, ich werde nicht trinken, damit die Welt, die
ignoriert, daß wir leben, sich wenigstens der tragischen Ereignisse auf
Nauru bewußt wird, auch wenn es nach unserem Tod sein wird, die wir
während dem Streik umkommen."


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