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(de) Spanische Bischofe und die Frau (ca)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Sun, 22 Feb 2004 06:52:45 +0100 (CET)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Nach den unglücklichen Erklärungen unseres hochgeschätzten [spanischen,
Üs.] Episkopats bezüglich der Mißhandlung von Frauen, wurde vom
Sekretariat für Presse und Propaganda ein Antwortschreiben und eine
Erklärung zur Verbreitung in unseren Medien aufgesetzt.
Die Prostituierte ist der Prototyp der stigmatisierten Frau. Sie wird
mit dem Wort "Hure" bezeichnet und gleichzeitig entehrt. Nun aber
bezieht sich diese Wort nicht allein auf die Prostituierten, es ist ein
Etikett, das jeder beliebigen Frau angeheftet werden kann. Das
kennzeichnende Adjektiv der Hure ist "unkeusch", und unkeusch wird
definiert als: "illegalen oder unmoralischen sexuellen Beziehungen
hingegeben; Mangel von Reinheit, Jungfräulichkeit, Schicklichkeit,
Mäßigung und Naivität; befleckt (d. h. beschmutzt, korrumpiert)."
Wir gelangen zu dem Schluß, daß jede beliebige Frau (aber kein Mann)
sozial und kulturell als Hure stigmatisiert werden kann, wenn ihr
sexuelles oder soziales Betragen den Mustern des soziokulturell
Korrekten nicht genügt. Diese Muster des Betragens innerhalb der
Schicklichkeit werden, in der westlichen Welt, durch das Christentum
markiert.
Der Mangel an Keuschheit der Frauen wird ein Zeichen des Makels, der
Schmutzigkeit und damit sexueller Verfügbarkeit. Diese manichäische
Sicht der "Frau als rein oder andernfalls von allen geteilt",
dokumentiert im 15. Jahrhundert (Rossiaud, 1978) und auch heutzutage
noch gültig, dient dazu, männliche Gewalt gegen sogenannte unkeusche
Frauen zu rechtfertigen und diesen Frauen die Schuld für jeglichen
Mißbrauch zuzuschieben, den sie erleiden können.
Somit kann eine Frau, der das Stigma "Hure" verpaßt wird, vergewaltigt,
angegriffen und ermordet werden und wird dabei noch als Komplizin ihrer
eigenen Vernichtung betrachtet. So kümmern oder schmerzen Mord oder
Mißbrauch an Prostituierten oder Frauen mit einem solchen Stigma die
herrschende Gesellschaft überhaupt nicht, sondern sie vergrößern die
öffentlichen Distanzierung von den "Huren" und verstärkt die
Vorstellung, daß der Mangel an Keuschheit ein Verbrechen ist, das die
Todesstrafe oder zumindest die Erniedrigung verdient.
In diesen Begriffen hat sich die Bischofskonferenz ausgedrückt, um zu
argumentieren, daß die Ermordung von Frauen durch ihre Männer (Ex-Männer
o. ä.) und sexueller Mißbrauch von Frauen und Kindern das Ergebnis der
Trennung zwischen Heirat, Liebe und Sex sei, und sie gibt der sexuellen
Revolution der Frauen die Schuld am patriarchalen Terrorismus. Aber das
bischöfliche Dokument läßt die Gelegenheit nicht aus und fährt gleich
fort zu erklären, daß der Mann, der durch diese sexuelle "Befreiung" der
Frauen gekennzeichnet sei, ein "debiles Subjekt, von Impulsen
mitgerissen" sei, womit sie sich auf die Vorstellung versteifen, die
zeitgenössischen Eva, die sündige Frau, stünde im Gegensatz zum
ebenfalls zeitgenössischen Adam, der ein Opfer ihrer macchiavellischen
Verschwörungen sei.
Die Bischofskonferenz (die außerdem in ihrem missionarischen Eifer noch
weiter geht und diese Doktrin in der Schule verankern möchte)
stigmatisiert als Huren alle Frauen, oder die, die an dieser sexuellen
Revolution teilhaben, und macht sie für ihr eigenes Unglück
verantwortlich. Dieses Dokument folgert und erweitert die
ultrakonservativen Bilder, die schon Manuel Fraga erwähnte, als er von
einem Bürgermeister sprach, der wegen Mißbrauchs einer Minderjährigen
verurteilt worden war, indem er vor einigen Tagen sagte, daß diese Tat
verursacht worden sei durch das momentane Lebensklima der
"bedingungslosen Abtreibungen, freien Liebe und Konkubinatspaare".
Sicher ist, daß diese Argumente bewußt oder unbewußt von großen Teilen
der Bevölkerung akzeptiert sind, daß sie definitiv im sozialen
Bewußtsein verankert sind und daß das die Fronten sind, an denen neue
Ideen nötig sind. Es ist schmerzlich, daß wir schon wieder damit
konfrontiert sind, daß die Bischofskonferenz Druck auf StaatsanwältInnen
und VertreterInnen der öffentlichen Meinung macht, wobei sie ihre
Kanzeln noch weiter überschreiten und verbal die halbe Weltbevölkerung
angreifen, die Frauen.
Zuletzt sollte noch gesagt werden, angesichts dieser Reihe böswilliger
Beleidigungen, daß die Liebe entweder frei ist oder gar nicht, und daß
das, was sie verteidigen, etwas anderes ist; es ist eine Vereinigung auf
der Grundlage der Unterwerfung und der Folter, und das, meine Herren
Bischöfe, ist keine Liebe.

Sekretariat Presse und Propaganda, CNT Cornellá
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>From worker-a-infos-ca@ainfos.ca (Flow System)
Date Thu, 12 Feb 2004 19:34:34 +0100 (CET)


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