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(de) Ex-UdSSR: Repression und neues Awtonom (en)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Sat, 14 Feb 2004 08:53:35 +0100 (CET)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Hallo Leute, hier kommt die nächste internationale Aussendung, beachtet
auch unser brandneues Moskauer Hochglanzformat, das von GegnerInnen
schon als "poppig" niedergemacht wurde! Falls Ihr noch keine
Publikationen mit uns austauscht, könnt Ihr Euch vielleicht trotzdem
vorstellen, wie es aussieht, wenn Ihr das hier im Internet lest. Für
alle von Euch, die's noch nicht wissen: Awtonom ist das derzeit
unregelmäßig erscheinende Journal der Autonomen Aktion, die sich nach
zweijährigem Bestehen als Netzwerk im Januar 2002 zu einer
libertär-kommunistischen Föderation entwickelt hat. Die Autonome Aktion
hat zur Zeit Ortsgruppen in 23 Städten Rußlands und Armeniens sowie
UnterstützerInnen in Weißrußland, Litauen, Kasachstan, Kirgistan und der
Ukraine.

Dies ist die erste Awtonom-Ausgabe, die von unserem brandneuen
Redaktionskollektiv in Moskau herausgebracht wurde. Letztes Frühjahr
geriet die anarchistische Bewegung in Krasnodar in Schwierigkeiten.
Örtliche Tschekisten [Tscheka = Sowjet-Inlandsgeheimdienst in den Jahren
nach 1917, hier so ähnlich gemeint, wie wenn bei uns VS, Staatsschutz o.
ä. als "Stasi" bezeichnet werden; Üs.] nutzten einen dummen Straßenkampf
aus, um die lokale Bewegung unter Druck zu setzen. Der Pressesprecher
des Rosneft-Konzerns in Kuban, Dolgow, provozierte im Suff einen Kampf
mit Krasnodarer AnarchistInnen und brach sich einen Finger. Am 20. Mai
2003 durchsuchten die Bullen das Haus von D. Rjabin, dem damaligen
faktischen Herausgeber von Awtonom, und beschlagnahmten seine Festplatte
und jede Menge anarchistische Presse. Im Sommer und Herbst wurden
AnarchistInnen in Krasnodar zu Verhören vorgeladen, und die Polizei
drohte, ein Strafverfahren wegen "Aufrufs zum Umsturz der
verfassungsmäßigen Ordnung" gegen die früheren HerausgeberInnen zu
inszenieren und so die neuen Anti-Terror-Gesetze umzusetzen, die nach
der Geiselnahme im Nord-Ost-Theater hastig verabschiedet worden waren.

Am 21. Januar standen D. Rjabin und ein Mitangeklagter wegen des
Straßenkampfes vor Gericht. Der Auslöser des Kampfes, Herr Dolgow,
spielte die Rolle des Opfers, gab sich aber mit einer Einigung
zufrieden, die die Zahlung einer bedeutenden finanziellen Entschädigung
an ihn einschloß. Normalerweise bedeutet das das Ende des Falles –
diesmal nicht, und Rjabin wurde zu sechs Monaten in der "Kolonie"
verurteilt, was eine neue Art von Gefängnis niederer Sicherheitsstufe
ist. Das wäre schon ohne die Einigung eine außergewöhnlich harte Strafe
gewesen, und Dimitri selbst war absolut sicher gewesen, daß er eine
Bewährungsstrafe bekommen würde, und bat alle, keine Energie in eine
Unterstützungskampagne vor Gericht zu stecken. Sein Mitangeklagter bekam
eine Bewährungsstrafe, weil der Richter befand, er sei jung und nicht
Initiator des Streits gewesen. Aber Richter Gontscharow vom
Regionalgericht des Gebietes Oktjabrkij sprach nur die Strafe aus, die
nicht von juristischen, sondern von exekutiven Kräften verhängt worden
war – ein bekannter FSB-Agent war im Gerichtssaal anwesend, um
sicherzustellen, daß dieses langjährige Mitglied der anarchistischen
Bewegung für eine Weile neutralisiert wird.

D. Rjabin ist seit 1989 in der anarchistischen Bewegung dabei, davon die
letzten vier Jahre bei der Autonomen Aktion, deren Mitbegründer er ist.
Er brachte die ersten 20 Ausgaben des Journals Awtonom heraus, deren
Redaktionskollektiv wegen der Repression in Krasnodar im Sommer 2003
nach Moskau verlegt werden mußte. Dimitri Rjabin arbeitete als
Journalist in der Regionalzeitung des offiziellen Gewerkschaftsbundes
des Gebietes Kuban, "Delo Truda" (Die Sache der Arbeit), wobei gesagt
werden muß, daß das aus rein finanziellen Überlegungen geschah und
Rjabin keinerlei Illusionen über die Reformierbarkeit der offiziellen
Gewerkschaften hat. Er wäre enttäuscht, wenn seine VerteidigerInnen ihn
als Gewerkschaftsfunktionär beschreiben würden.

Zur Zeit ist Dimitri im Isolationsgefängnis von Krasnodar und wartet auf
seine Verlegung in die Kolonie. Seine derzeitige Postadresse ist nicht
bekannt, wir werden sie bekanntgeben, wenn wir sie herausfinden. In
russischen Gefängnissen müssen Angehörige und FreundInnen alles für die
Gefangenen besorgen, von Kleidung bis zum Essen, deshalb brauchen wir
Spenden. Die örtlichen UnterstützerInnen haben noch nicht entschieden,
ob sie in Berufung gehen sollen – es ist unwahrscheinlich, daß die
Berufung während der sechs Monate von Dimitris Gefangenschaft bearbeitet
werden würde, aber während der Wartezeit müßte Dimitri in den harten
Bedingungen des überfüllten Isolationsgefängnisses bleiben. Aber egal ob
die Berufung eingelegt wird oder nicht, müssen wir eine politische
Kampagne organisieren, denn wenn die Tschekisten hier denken, daß es
einfach war, Dima wegzusperren, werden sie die Antiterror-Geschichte
gegen Awtonom weitertreiben, und das würde ernste Konsequenzen für die
ganze russische anarchistische Bewegung haben. Wir werden es Euch sofort
wissen lassen, wenn eine Verteidigungsstrategie klar ist, wenn wir
wissen, wohin die Proteste am besten gerichtet werden.

Die Gruppe in Krasnodar schaffte es, die 20. Ausgabe von Awtonom
fertigzustellen, aber bei Druck und Verteilung kam es zu großen
Verzögerungen. Die Krasnodarer Szene hat schwer unter der Repression
gelitten, und die Veröffentlichung des Journals mußte nach Moskau
verlegt werden. Die Erstellung der ersten Moskauer Ausgabe, Nr. 21, war
ein langer, mühevoller Prozeß, aber laßt uns hoffen, daß wir jetzt in
der Lage sein werden, zu einem regelmäßigen Erscheinungsrhythmus
zurückzukehren.

Es ist sehr schwierig, in Rußland an ausländische radikale Presse und
Texte heranzukommen, deswegen sind wir daran interessiert, unsere
Mailing-Liste zu erweitern – wenn Ihr Leute kennt, die daran
interessiert wären, unsere Materialien zu lesen, kontaktiert sie bitte
für uns! Zur Zeit wird die deutsche Korrespondenz von der Sektion
Nischnij Nowgorod erledigt, die englische von Krasnodar, die
italienische von unseren Mitgliedern in Kasachstan, und skandinavische
Sprachen sowie französische in Moskau – bitte sendet Presseerzeugnisse
in den jeweiligen Sprachen in die entsprechenden Städte. Andererseits
ist es so teuer, Sachen rauszuschicken, daß wir unsere Zeitungen
wirklich nur an Leute verschicken möchten, die verstehen, was
drinsteht...

Folgendes sind die Adressen (Achtung, es gab einige Änderungen – und
keine Gruppennamen auf die Umschläge schreiben, nur Stadt und
Postfach!!!)

Autonome Aktion Moskau und neue Awtonom-Redaktion:
P. O. Box 13
109028 Moskau, Rußland
adm@avtonom.org (Neue e-mail-Adresse!)

Autonome Aktion Krasnodar:
P.O. Box 3472,
350001 Krasnodar, Rußland
(Keine aktive E-Mail-Adresse wegen Repression!)

Anarchistische Gruppe Nischnij Nowgorod:
P. O. Box 25
603104 Nischnij Nowgorod, Rußland
ad_nn@mail.ru
http://www.ad-nn.narod.ru

Alma Ata:
P. O. Box 149
480 000 Alma Ata, Kasachstan
ad_eldar@hotmail.com
http://www.almaty-liberta.boom.ru,

Die Internet-Seite der Föderation ist:
http://www.avtonom.org

Revolutionäre Grüße aus den Moskauer Mittwinterstürmen!

Autonome Aktion Moskau

Inhaltsangabe von Awtonom Nr. 21 (Alle Artikel sind auf Russisch.)

S. 2: "Hier wird's kein Terminal geben – nieder mit der Macht des
Kapitals!" Polina Elisejewna schreibt über die bedeutendste
anarchistische Kampagne des Jahres 2003, die Proteste gegen das geplante
Methanol-Terminal in Asow, wobei auch selbstkritische Töne anklingen.
S. 4: Kurznachrichten und Kommentare: "Der Fall Jukos – Tscheka gegen
Kapital" von Listew, Bericht über eine anarchistische Graffiti-Kampagne
gegen die Wahlen in Jaroslawl und die Überreaktion der örtlichen Polizei
und Medien darauf, "Rennen der Sponsoren" von Boris Kagarlizky über die
Wahlen.
S. 5: "95% der Medikamente auf der Welt sind für gesunde reiche Leute",
basierend auf Materialien der Internationalen Stiftung für Ländliche
Entwicklung, und ein Artikel gegen die Einführung elektronischer Pässe
von Nikita Raskatow von der Seite anarchist.ru.
S. 6: "Ein unglücklicher Jahrestag", Pawel Sentjabrski erinnert an die
antiautoritäre Erste-Hilfe-Brigade, die in Moskau während der blutigen
Oktobertage von 1993 aktiv war. Die englische Übersetzung dieses
Artikels wurde im Internet schon vor einigen Monaten verbreitet.
S. 7: weitere Kurznachrichten – OMON [Geheimpolizei-Sondereinheit, auch
in Tschetschenien aktiv, trainiert angeblich sogar Faschos; Üs.] greift
unpolitisches Punk-Konzert in Moskau am 15. August an, anarchistische
Aktionen gegen 300. Geburtstag von St. Petersburg, Hausbesetzung in St.
Petersburg, ziviler Ungehorsam in Moskau raucht Pot, Kurzberichte von
anarchistischen Aktionen von September bis Oktober 2003.
S. 8: "Für eine Welt ohne FaschistInnen", anarchistischer Angriff auf
die Partei "Schwarze 100 für das Heilige Rußland" in der Moskauer
Vorstadt Schukowsky. Eine englische Übersetzung dieses Berichts wurde
schon vor einigen Monaten im Internet verbreitet. "Ich habe mit eigenen
Augen die Revolution gesehen", ultra-optimistische Lobrede von Gen. U.
über die Aktionen in Azow, als Ausgleich für den etwas pessimistischen
Kommentar auf S. 2.
S. 10: Leichenrede für Genosse Ost aus Beloretschensk, 1983-2003,
geschrieben von Pirs. RIP, unser Freund. "Was ist das ABC", eine
Einführung in die Politik der kürzlich gegründeten Moskauer Gruppe des
Anarchist Black Cross.
S. 11: "Zum NRA-Urteil", was das Moskauer Anarchist Black Cross zu den
harten Strafen zu sagen hat, die das Moskauer Stadtgericht gegen
Mitglieder der bewaffenten Gruppe "Neue Revolutionäre Alternative" zu
sagen hat. Dieser Artikel wird in ein paar Tagen ins Englische übersetzt
werden.
S. 12: Weitere Materialien vom Anarchist Black Cross – Repression gegen
AnarchistInnen in der polnischen Stadt Bialystok, Angriff auf Anastasia
Drosdowa in Moskau. Interview mit der Klassenkampf-Föderation.
S. 16: "Ich werde auf Marmor kratzen", Interview mit der Moskauer
Graffiti-Posse SATSCHEM? ("WARUM?"). Erscheint vielleicht auch
irgendwann mal auf Englisch.
S. 17: Streik der RummelplatzarbeiterInnen in Rostow-na-Donu; Feuer im
"Alje Parusa" in Moskau kostet 60 illegale ArbeitsmigrantInnen das
Leben; Proteste der gewerkschaftlichen Luftverkehrsüberwachung des
"Sibirien"-Konzerns. Artikel von Michail Magid über die Grundbegriffe
der Selbstorganisation.
S.18: Interview mit antifaschistischen Fußball-Hooligans von Roijon
Celtic Kop aus der bretonischen Stadt Rennes, übersetzt aus Barricada
Nr. 5.
S. 19: "Der Geist der AFA", Übersetzung ausgewählter Kapitel aus "Bash
the
fash - anti-fascist recollections 1984-1993" von K. Bullstreet,
erschienen in der Kate Sharpley Library, London. Der größte Teil des
Buchs wird demnächst in einer russischen Anthologie über Antifaschismus
erscheinen.
S. 21: Unsere regelmäßige anarcho-feministische Rubrik "Mutter der
Ordnung" umfaßt diesmal die Artikel "Homosexualität – Verderbtheit oder
Variante der Norm" von Iwan Nopasaran und "Freie Liebe – die Kraft der
Umwandlung" von Kabanos.
S. 25: Ankündigungen neuer interessanter anarchistischer oder ähnlicher
Bücher, einschließlich der russischen Übersetzungen von "Joy of
revolution" von Ken Knabb, "Steal this book" von Abbey Hoffman,
"Intellectuals and power" von Michael Foucault, zwei Bücher von Chomsky
und "Nacht vom 21. bis 25." von Wolodja Platonentko über die Ereignisse
in Moskau im Oktober 1993.
S. 26: Hardcore-Reviews.
S. 27: "Von Politikverdrossenheit zum Anarchismus", Interview mit der
anarchistischen HC-Band "Evil Generation" aus der Moskauer Vorstadt
Troizk. "Ultra-Kultur – wozu?", pathetische Zurückweisung des
fragwürdigen Verlags von Kormilzew, dem berühmten Sänger von Nautilus
Pompilus.
S. 28: "Zehn Normen über Kunst und anarchistischen Realismus" von Iwan
Nopasaran.
S. 30: "Slam Poetry – Zerstörung des traditionellen literarischen
Raumes", Interview mit Iljas Falkajewa.
S. 32: Zitat auf der letzten Seite und unsere Kontaktadressen.


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