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(de) Berichte vom franzoesischen Tag gegen Abschiebeknaeste (fr)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Wed, 21 Apr 2004 12:02:18 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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Paris-Palaiseau
Heute, 17. April 2004, wurde in Palaiseau plakatiert. In dieser Stadt
wird seit Januar 2004 eins dieser Gefängnisse für Papierlose gebaut, die
für die Durchsetzung des Sarkozy [bisheriger frz. Innenminister,
Üs]-Gesetzes nötig sind. Seit die Dauer der Verwaltungshaft von 12 auf
32 Tage erhöht wurde, werden überall in Frankreich Abschiebegefängnisse
gebaut. Diese Bauten zu behindern heißt, dieses Überwachungs- und
Unterdrückungsaufgebot materiell in Frage zu stellen, das uns alle
betrifft. Fünf GenossInnen wurden bei dieser Plakatieraktion im
Stadtzentrum von Palaiseau verhaftet, wobei die Ausrüstung und die
verbliebenen Plakate beschlagnahmt wurden. Sie müssen am Montag, 19.
April, um 14 Uhr auf dem Kommissariat erscheinen. [...] Einstellung des
Verfahrens. Einstellung des Baus der Abschiebeknäste, in Palaiseau und
anderswo. Schließung aller Abschiebeknäste. Papiere für alle, oder
überhaupt keine Papiere mehr. Freiheit zu reisen, Freiheit zu bleiben.
Collectif Anti-Expulsions Kontakt : (00 33)-1 53 79 12 21
<caeparis@free.fr>

Lille-lesquin --------------
Heute, 17. April 2004, im Rahmen des landesweiten Tags gegen die
Abschiebeknäste, versammelten sich in Lille über 200 Personen zu einer
Kundgebung vor dem Straßburger Boulevard 87, dem Ort, wo 42 Frauen einen
Hungerstreik für das Recht auf Papiere und das Recht auf Unterkunft
führen.
Dann durchquerte die Demo die Vororte von Lille, um sich vor das
"Zentrum für Verwaltungsgewahrsam" zu begeben, einen echten Knast, wo
Personen ohne Papiere eingesperrt sind, mit dem Ziel, sie abzuschieben.
Nach einem ca. zweistündigen Marsch (rund 12 km) gelangten die
DemonstrantInnen an den Abschiebeknast und sahen sich einer CRS [frz.
Demo-Prügeleinheit]-Kette gegenüber (7 Wannen, ein Bus und mehrere
Autos). Die Demonstrierenden setzten sich daraufhin auf die Straße, und
einige ergriffen das Wort, um diese Gefängnisse für AusländerInnen
anzuprangern, die nicht zugeben, was sie wirklich sind, indem sie sich
sogar hinter Schildern verbergen, die sie als "Beherbergungszentrum für
Ausländer" (einziges Schild, das – einige Meter davor – auf den
Abschiebeknast hinweist, gut getarnt nahe beim Flughafen Lille-Lesquin
mitten in Wald und Flur) ausweisen.
[...] Die Demo bestand zu mehr als der Hälfte aus Personen ohne Papiere.
[...] Es riefen auf bzw. waren präsent: Comité des Sans Papiers 59, La
Mouette Enragée (Boulogne sur Mer - Calais), Comité de Défense des
Droits des Sans Papiers - Lille, FSU, SUD Education, SALAM (Calais),
CNT, FA, Coordination Communiste, DAL, LCR, Collectif Interlutte de
Calais, Collectif du 87, APU Moulins... und Einzelpersonen.

Lille, 17. April 2004 Christophe Hérin – CDDSP - Lille
(<christopheherin@hotmail.com>)
Kontakt Boulogne-Coquelles : la mouette enragée
<lamouette.enragee@wanadoo.fr>

Anekdote: ein Kaninchen (ja, auf dem letzten Kilometer sind der Demo
fast nur noch Kaninchen begegnet, die stehenblieben, um sie vorbeiziehen
zu sehen und ihr zu lauschen) rannte übers Feld, um sich dem Zug
anzuschließen (sich dorthin zu flüchten?) – böse Zungen behaupten,
verängstigt durch die etwas weiter weg abgestellten Polizeiautos.

Lyon --------------
Am 17. April 2004, im Rahmen eines landesweiten Tags gegen die
Abschiebeknäste, entschlossen sich einige sicher wenig empfehlenswerte
Personen, mal nachzuschauen, wie die Sonne über dem Zentrum für
Verwaltungsgewahrsam von Lyon-St-Exupéry aufgeht (im Folgenden mit
seinem süßen Spitznamen "CRA" bezeichnet).
Auf dem Weg, an Brücken, die die Autozufahrten zum Flughafen und somit
auch zum CRA überspannen, wurden drei Transparente befestigt: "Hier wie
anderswo, nein zu den Abschiebeknästen", "Abschiebestopp" und "Gegen
alle Grenzen".
Dann bot ein kleiner Spaziergang durch das charmante Dorf
Colombier-Saugnieu, auf dessen Gebiet sich Flughafen und CRA befinden
(für potentielle TouristInnen, das ist ca. 20km östlich der gallischen
Hauptstadt) Gelegenheit, einen kurzen Text (siehe unten) in die
Briefkästen zu schmuggeln.
Anschließend brachte der Regen, sicherlich auf Anweisung des
Innenministeriums, die lustigen WandergesellInnen dazu, die anvisierte
dritte Phase dieser Landpartie aufzugeben, oder zumindest zu
verschieben...

Sie wohnen in Colombier-Saugnieu. Da sollten Sie wissen, daß bei Ihnen
ums Eck:
- seit Anfang Januar 2004 4614 Personen abgeschoben worden sind, sei es
in ihr Herkunftsland, sei es in ein Drittland.
- die Fluglinien, besonders Air France, mit dieser Abschiebepolitik
kollaborieren, "einer Strafe, die in einem Exil an einem bestimmten Ort
besteht"; und systematisch PassagierInnen kriminalisieren, die
versuchen, gegen diese Abschiebungen zu protestieren (auf die eine oder
andere Weise angeklagt wegen eines "Solidaritätsvergehens")
- es am Flughafen St. Exupéry ein Abschiebegefängnis (CRA) gibt,
unverzichtbares Rädchen in der Abschiebemaschinerie, wo die
Unerwünschten künftig für bis zu 32 Tage gelagert werden. Diese Erhöhung
von 12 auf 32 Tage erfordert ein ganzes Programm von Erweiterung und
Neubau solcher Örtlichkeiten. Landesweit gibt es derzeit 715
Abschiebehaftplätze. Es werden im Jahre 2004 230 mehr werden und 2006
sogar 600 (wenn wir nichts dagegen tun...) In der Region von Lyon wird
die "Aufnahme"-Kapazität des CRA am Flughafen St.-Exupéry bis zum Juni
2004 mehr als verdoppelt (von jetzt 52 auf 124), somit fast ein Viertel
der zusätzlichen CRA-Plätze, die für dieses Jahr vorgesehen sind. Die
Erhöhung der Platzzahlen in Abschiebegefängnissen und "Wartezonen" ist
notwendige Bedingung für die Umsetzung des Sarkozy-Einwanderungsgesetzes
(von Herbst 2003). Die Erhöhung der zulässigen Inhaftierungsdauer darf
nicht als Nebensächlichkeit betrachtet werden, sie ist eine
ernstzunehmende Tendenz, die es erlauben wird, die Abschiebungen zu
vervielfachen.

Diese "Gewahrsamszentren" sind noch keine Lager, aber sie ähneln ihnen
allmählich...

Diese immer repressivere Migrationspolitik liefert die Papierlosen noch
mehr der Prekarität aus, verurteilt sie zu einem heimlichen Leben,
unterwirft sie Kontrollen (polizeiliche Schikanen, Razzien, ...) und der
wirtschaftlichen Ausbeutung (Schwarzarbeit, schwieriger Zugang zu
angemessener Unterbringung...).
Die Umsetzung dieser Einwanderungsgesetze zieht einen ganzen
Rattenschwanz von polizeilichen Gewaltakten und Brutalitäten nach sich.
Seit dem 31. Dezember 2002 wurden mindestens fünf Papierlose von
Ordnungskräften im Verlauf ihrer Rückschaffung an die Grenze getötet;
die Überbelegung der CRAs erzeugt hinter ihren Mauern erhöhte Spannungen
und eine Vervielfachung der Zwischenfälle. So wurden Anfang Januar zwei
Algerier, die gegen die fehlende ärztliche Versorgung für einen ihrer
Mitgefangenen protestierten, von Wachleuten des CRA von Lyon-St-Exupéry
verprügelt; dieses eine Mal ist der Vorfall sogar bis vor Gericht
gekommen, wurde aber "aus Mangel an Beweisen" eingestellt – die
Überwachungskameras hatten zufälligerweise gerade gewisse "technische
Schwächen". Diese Übergriffe sind keine Zufälle, sondern ergeben sich
aus der Art, mit Spannungen umzugehen, die durch die Inhaftierung
entstehen.

Den Bau dieser Zentren zu verhindern heißt, die Abschiebemaschine in
Frankreich zu bremsen, aber auch, die Einrichtung der gesamten
europäischen Kontrollmaschinerie zu behindern – im Namen der Freiheit,
zu reisen, wohin man will, und zu wohnen, wo man will.

>From worker <a-infos-fr@ainfos.ca>
Date Mon, 19 Apr 2004 22:16:18 +0200 (CEST)


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