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(de) Meuterei an Bord eines Airbus A321 der Air Mediterranee (fr)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Mon, 20 Oct 2003 14:21:32 +0200 (CEST)


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>From kaocen araly <kaocen@yahoo.com>
Date Sun, 19 Oct 2003 13:06:51 +0200 (CEST)
[Da der Text ursprünglich auf Französisch verfaßt wurde, beziehen sich
Details wie Fluglinie, Innenminister, Antira-Gruppen etc. auf
Frankreich. Aber da im deutschen Sprachraum die Situation nicht anders
ist, dürfte eine Übertragung nicht schwerfallen!]

Wenn Sie gerne billig und weit verreisen, passiert es Ihnen vielleicht
das eine oder andere Mal, daß sie nachts in eine Chartermaschine steigen
mit Ziel z. B. Bamako in Mali. Ein grünes, vergittertes Wägelchen,
diskret am Fuß der Einstiegstreppe am Heck des Flugzeugs geparkt, weitab
von der Gangway, die die Passagiere benutzen, wird Sie vielleicht daran
erinnern, daß die Dienste der Polizei, die mit Abschiebungen von
Menschen ohne Papiere betraut sind, eine besondere Vorliebe für solche
späten Situationen haben. In diesem Fall werden einige beiläufig beim
Bodenpersonal (Techniker, Busfahrer, Gepäckträger, ...) eingeholte
Erkundigungen Ihnen die Gründe der Anwesenheit der Person in dem
Wägelchen schnell aufdecken. Infolgedessen wollen Sie sich
möglicherweise weigern zu schweigen und zum Komplizen der
Migrationspolitik der Festung Europa zu werden, und deshalb verspüren
Sie eine boshafte Lust, den Flugkapitän zu suchen, der, wie jede(r)
weiß, an Bord allein das Sagen hat. Dazu kontaktieren Sie das erstbeste
Crewmitglied, das Ihnen über den Weg läuft – im allgemeinen ist das der
oder die Chef(in) des Kabinenpersonals, links, wenn man reinkommt,
der/die Ihre Boarding Card kontrolliert und Sie willkommen heißt. Es ist
nicht nötig, um den heißen Brei herumzureden, denn sie/er ist auf dem
Laufenden über das, was passiert, und einfach "die Passagiere hinten im
Flugzeug" zu erwähnen, genügt im allgemeinen, um ihm/ihr klarzumachen,
daß er/sie jetzt besser seinen/ihren Vorgesetzten damit belästigt.
Möglicherweise wird der Sie ziemlich lange warten lassen, um Sie zu
entmutigen. Schlecht für ihn und gut für Sie, denn währenddessen füllt
sich das Flugzeug. Wenn er dann endlich geruht, sein Cockpit zu
verlassen, erklären Sie ihm ruhig, daß Sie vom Collectiv Anti-Expulsions
[französische Gruppe gegen Abschiebungen, Üs.] sind (auch wenn das
vielleicht nicht ganz der Wahrheit entsprechen sollte!), daß Sie
informiert sind, daß auf seinem Flug eine Abschiebung vorbereitet wird
und daß unter den Passagieren noch mehr von Ihnen sind (was auch nicht
unbedingt stimmen muß), die entschlossen sind, den Start so lange zu
verhindern, bis die Leute, die unfreiwillig reisen, ausgestiegen sind.
Darauf wird er Ihnen wahrscheinlich antworten, daß er seine Direktiven
hat, daß man ihn nicht nach seiner Meinung fragt und daß er schon öfters
problemlos solche Passagiere befördert hat. Rufen Sie ihm einfach in
Erinnerung, daß der Kapitän und nur er (weder seine Fluggesellschaft
noch das Innenministerium) bestimmt, ob er "solche Passagiere"
akzeptiert oder nicht und daß er jetzt, wo er gewarnt ist, seine
Verantwortung wahrnehmen muß. In diesem Moment wird er wahrscheinlich
versuchen, Sie einzuschüchtern, indem er Ihnen droht, die Polizei zu
holen, damit die Sie aus dem Flugzeug abschiebt, falls es beim Start
Ärger gibt. Machen Sie sich gar nicht die Mühe, ihm zu antworten, daß er
offensichtlich die falsche Person anspricht, den Sie sind ja durchaus
reisewillig und haben sogar Ihr Flugticket bezahlt, denn jetzt, wo alle
Passagiere eingestiegen sind, sich an ihren Platz gesetzt haben und
gesehen haben, daß Sie mit dem Kapitän diskutiert haben, ist der
Mittelgang frei, und Sie brauchen ihn nur noch entlangrennen, um die
Passagiere zu informieren, daß vier Flüchtlinge, die ihren schlechten
Lebensbedingungen entkommen wollten und nach Frankreich gekommen sind,
um einen Hoffnungsschimmer zu finden, mit demselben Flug wie sie
abgeschoben werden sollen, und sie an das Schicksal von Semira Adamu zu
erinnern, die gestorben ist, weil sie mit einem Kissen erstickt wurde,
damit ihr Stöhnen nicht die anderen Reisenden belästigt. Ausgerechnet
jetzt hört man aus dem Heck der Maschine Stöhnen. Die Stewardessen
fordern Sie auf, sich sofort hinzusetzen, während die Leute sich fragen,
was sie tun können. Es bleibt Ihnen gerade noch genug Zeit, die
Verantwortlichkeit des Kapitäns darzulegen und zu erklären, daß es nur
an den Anwesenden liegt, das Abheben des Flugzeugs zu verhindern, weil
sie eben gerade in diesem Flugzeug sind, bevor sich der Kapitän auf Sie
stürzt und Ihnen befiehlt, sich zu setzen und nicht nur den
Sicherheitsgurt zu schließen, weil er Sie sonst rauswirft. Sie könne
sich jetzt ganz ruhig hinsetzen, denn jetzt sind es die Leute um Sie
herum, die aufstehen und erklären: "Wenn der Herr / die Dame aussteigt,
dann lassen Sie mich auch aussteigen!" "Mich auch!" "Die müssen nicht
aussteigen, sondern die Abzuschiebenden!" Es braucht nicht viel, damit
alles ganz schnell umkippt, es reichen einige Personen, nicht mal zehn,
und nicht mal zehn kommen bei 200 Passagieren schnell zusammen... Die
Stewardessen sind auch gleich dabei und rufen im Chor: "Wir heben nicht
ab, solange nicht alle sitzen!" Aber mehr und mehr Leute stehen auf:
"Für den Preis fliegen wir nicht zu diesen Bedingungen!", "Sie schieben
unsere Brüder ab", "Das sind Menschen", "Sie behandeln sie wie Vieh",
"Sie haben sie unter Drogen gesetzt!", "Und wenn das Ihre Söhne wären?"
Wetten, daß der Kapitän diesen Moment wählt, um in seiner Kabine zu
verschwinden und zum Telefon zu greifen, denn bald schon steigen die
vier, die in ihrem Transporter Wache schieben, wieder die Treppe hinauf,
bemächtigen sich der vier Personen und ihres Gepäcks und verlassen das
Flugzeug unter Ovationen der Stehenden! Gewiß, es besteht die Gefahr,
daß der Start sich ernsthaft verzögert hat. Gewiß, diese Unglücklichen
werden wahrscheinlich ins nächste Flugzeug in ihr Herkunftsland
gesteckt. Gewiß! Aber nachdem Sarkozy [französischer Innenminister, Üs.]
jetzt ein bißchen was auf die Finger gekriegt hat, ist die Luft in der
Kabine schon mal viel besser, die Leute werden vielleicht miteinander
plaudern, und selbst die Stewardessen werden entspannter wirken... wenn
das mal keine Zivilgesellschaft ist!

KAOCEN




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