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(de) GB, London Calling – Oktober 2003 – DSEi-Analyse (en)

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Tue, 11 Nov 2003 11:53:03 +0100 (CET)


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http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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>From Worker <a-infos-en@ainfos.ca>
Date Wed, 29 Oct 2003 13:45:18 +0100 (CET)

[Das Original-Posting enthält u. a. noch interessante Überlegungen zum
Anarchist Workers Network, die eigentlich auch noch sehr wichtig wären,
aber das ist mir jetzt zu viel zum Übersetzen – vielleicht macht's ja
jemand anders. Üs]

Die diesjährigen DSEi-Aktionen [Rüstungsgüter-Handelsmesse im September
in London, Üs.] waren aus mehreren Gründen bemerkenswert. Erstens war
auffällig, daß jegliche Berichterstattung der Art, wie wir sie erwartet
hatten, fehlte! Es scheint eine Verschwörung des Schweigens rund um die
Proteste zu geben, was die Mainstream-Medien betrifft. Im Gegensatz zum
Sensationsjournalismus, an den wir uns zum 1. Mai gewöhnt haben, war die
Berichterstattung wesentlich gedämpfter, als irgendjemand erwartet
hatte. Die RAF bemerkte in den 1970ern, daß man sich nicht darauf
verlassen kann, daß die Medien ihre Botschaft verbreiten. In diesem Land
bleibt viel öffentliche Unordnung unberichtet. Aber was wenige Leute
geahnt hatten, war, in welchem Maß ein großer politischer Protest in
London durch einen Medien-Blackout unbemerkt von der Mehrheit der
LondonerInnen bleiben kann. Vielleicht wollen manche etwas dagegen tun.
Der Kern von Protesten, besonders in den letzten Jahren, war, Themen
öffentlich zu machen. Wenn die kapitalistische Presse nicht länger über
bestimmte Aktionen berichten will, werden manche AktivistInnen ihre
Strategien und Taktiken überdenken wollen.

Zweitens wurde berichtet (wo überhaupt darüber berichtet wurde!), daß
die Polizei sich ein Jahr lang auf die DSEi vorbereitet hatte. Das war
deutlich zu sehen an der Art, wie sie ihr bestes taten, um die
Protestierenden aufzuspalten und einzukesseln. Aber trotz der geringen
Beteiligung (max. 2000 am "vorgabenfreien" Tag) konnte man mit der
Polizei Spielchen treiben, die sie beinahe verloren hätte. Die seltsame
Lage des ExCel-Centres, direkt neben dem Canning Town-Gebäude, machte
eine effektive polizeiliche Kontrolle des Geländes schwierig. Die
Vielzahl der Passagen und Durchgänge, von denen viele nur den
AnwohnerInnen bekannt waren, neutralisierte die polizeiliche
Überlegenheit bei Kommunikation und Mobilität, die sie außerhalb des
Geländes wirksamer einsetzten. Eine größere Effektivität der
polizeilichen Handlungen scheint interessanterweise durch die
mangelhafte Planung der DemonstrantInnen verhindert worden zu sein.
Mangels klarer Vorstellungen über die Pläne der Leute konnte die Polizei
eigentlich nichts tun außer auf die Ereignisse zu reagieren, die sich im
Lauf des Tages so entwickelten. Die einzigen zwei feststehenden
Ereignisse waren "Storm DSEi" und der Aufruf zu einer Kundgebung beim
Canning Town DLR um 16 Uhr. Storm DSEi erwies sich als ein Haufen Leute,
die auf einer Straße rumsaßen; und obwohl sich am Nachmittag Leute beim
DLR zur Straßenparty sammelten, fand diese nie statt. Den ganzen Tag
über strömten Leute zu Gruppen zu sammen, teilten sich auf und trafen
sich wieder. Obwohl den größten Teil des Tages Verwirrung herrschte,
bekam die Polizei Leute, die sich zusammenfanden und in Bewegung
setzten, erst unter Kontrolle, wenn sie irgendwo zögerten. Der Pöbel ist
darin sehr gut!

Drittens waren die AnwohnerInnen sehr hilfreich. Den ganzen Tag lang
halfen Canning Town-BewohnerInnen jeden Alters DemonstrantInnen, die
Polizei zu umgehen. Das Gewirr der Gassen und Alleen von Canning Town
ist für Außenstehende praktisch nicht zu begreifen, aber mit Hilfe der
BewohnerInnen konnten viele DemonstrantInnen der Polizei entkommen.
Trotzdem ist im Vorfeld offensichtlich unglaublich wenig mit den Leuten
gearbeitet worden, die auf dem Canning Town-Gelände leben. Uns ist klar,
daß die Kräfte beschränkt sind, daß AktivistInnen anderweitig engagiert
sind und daß die Waffenmesse nur kurz dauert, was alles eine größere
Einbeziehung der örtlichen Gemeinschaft verhindert haben dürfte. Dennoch
haben wir auch das Gefühl, daß zukünftigen bekämpfenswerten Ereignisse,
die im ExCel-Centre abgehalten werden, mehr entgegengesetzt werden
könnte, wenn die EinwohnerInnen von Canning Town aktiv dabei sind und in
die Planungen einbezogen werden. Sie sind Mitglieder der Klasse, es ist
ihr Gebiet, sie spüren die volle Wucht der Rückentwicklung der
Docklands. Aus diesen Gründen sollten sie im Mittelpunkt jedes
zukünftigen Widerstands gegen Veranstaltungen im ExCel stehen. Wir
glauben auch, daß in Zukunft, wo immer das möglich ist, die
Einheimischen gefragt werden sollten. Natürlich nicht so, wie
irgendwelche liberalen Wichser eine Bürgerbefragung durchführen! Die
Meinung der Leute sollte gehört werden, ihre Kritik an geplanten
Aktionen, als Teil des Planungsprozesses. In ihrem eigenen Gebiet werden
die Leute wissen, wie es am besten gemacht wird. Warum das Wissen der
Einheimischen ignorieren, wenn es doch vorhanden ist und man nur danach
fragen muß?

Die Kommunikation zwischen verschiedenen Gruppen ließ viel zu wünschen
übrig: Das Fehlen eines Sound-Systems für die Straßenparty war der
auffälligste Fehlschlag. Wenn andere Gruppen davon eine oder zwei Wochen
vor der DSEi erfahren hätten, wäre zweifellos eine andere Anlage
beschafft worden. Auch die Verbindung zwischen den Bezugsgruppen war
offenbar schwach. Wie hörten, daß einmal vier Bezugsgruppen alle gegen
das gleiche Ziel vorgehen wollten! Kommunikation am Tag selbst gab es
fast gar nicht. Auch wenn zahlreiche Leute aufgetaucht sind, die keiner
Organisation angehören, sollten diejenigen von uns, die in Gruppen da
sind, sich mehr bemühen, unsere Pläne zu koordinieren und ein Zentrum zu
haben, das Informationen weiterleiten und aufbewahren kann. Idealerweise
gibt's in Central London einen geheimen Kriegsraum mit Punketten, die so
ungefähr wie bei Dambusters Krawallmacher- und Bullenfiguren auf einer
Karte hin- und herschieben, aber das würde vielleicht auch die
Zentralisation ein bißchen zu weit treiben.

Zusammengefaßt: Die DSEi-Proteste dieses Jahr hatten ihre Fehler. Die
geringe Beteiligung, der Mangel an Planung und Koordination... all das
trug zu einer bemerkenswerten Schwäche auf Seiten der DemonstrantInnen
bei. Auf der positiven Seite hat die Waffenmesse dennoch nicht die
störungsfreie Woche bekommen, auf die die Regierung gehofft hatte. Am
11. September hörten und sahen die Delegierten rauhen Widerstand gegen
ihre Anwesenheit außerhalb ihres Gala-Dinners. Wir haben – hoffentlich!
– daraus gelernt, aus den Schwächen wie aus den Stärken.


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