A - I n f o s
a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **

News in all languages
Last 40 posts (Homepage) Last two weeks' posts

The last 100 posts, according to language
Castellano_ Català_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ The.Supplement
{Info on A-Infos}

(de) Der Wasserplan in Spanien - wir konnen ihn stoppen! (CNT-IAA)

From Anonymous <nobody@nox.lemuria.org>
Date Mon, 3 Nov 2003 09:10:47 +0100 (CET)


________________________________________________
A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
________________________________________________

Die Umleitung des Flusses Ebro und der nationale Wasserplan, der die
Umleitung enthält, sind eine schwere und beispiellose Bedrohung für
die Menschen, die Flüsse, das Land und für die Tiere und Pflanzen
der iberischen Halbinsel. Der Staat hat einen Arbeitsplan von
pharaonischer Grössenordnung beschlossen. Er sieht vor: den Bau von
113 neuen Staudämmen in ganz Spanien, die gefährliche Erweiterung
von 16 bestehenden Dämmen, den Transfer von Wasser in Stauseen
(Tagus, Guadiana, Piedras, Odiel, Guadalquivir, South und Júcar), sowie
die Umleitung des Flusses Ebro. Die Grundlage davon ist die Unlogik von
Spekulationen. Die Anfangsfinanzierung für alle Arbeiten im
Zusammenhang mit dem sogenannten Stausee-Plan beläuft sich auf
über 60.101.000 Euro (mehr als 6.101 Euro für jede Familie in
Spanien). Und das beinhaltet noch keine Vorkehrungen für die
übliche Kostenänderung, die die Summe leicht verdoppeln könnte.

Wenn sie gebaut werden, werden diese neuen Staudämme viele
Dörfer, einige einzigartige Naturgebiete (wie die letzten
unbeschädigten Teile des Flusses in den Pyrenäen), einige große
und fruchtbare Ackerflächen, sowie einige Schätze des historischen
und kulturellen Welterbes überschwemmen. Auf diesem Weg bedrohen
diese Dämme die Leben tausender Menschen und zerstören ihre
Zukunft. Wenn sie so unnötig und negativ in ihren Auswirkungen sind,
warum wurden sie dann geplant? Diese neuen Staudämme werden
gebaut, um die Umleitung des Ebro zu steuern.

Das Kernstück des staatlichen Planes ist die Umleitung des Flusses
Ebro. Sie sieht vor, dass 850 km Wasserwege das Wasser dieses
Flusses zur Mittelmeerküste umleiten. Diese Wasserwege würden
mehrere Naturschutzgebiete und "Gemeinschaftliche Interessengebiete"
durchqueren. Die Folgen wären katastophal, da eine riesige
künstliche Trennlinie entlang der Küste gezogen würde
(vergleichbar mit einer Schneise für Hochgeschwindigkeitszüge).
Schlackenhalden und Bergbauaushübe würden in einem Gebiet
entstehen, das durch Waldbrände, Brandstiftung und Bodenspekulation
bereits extrem entwaldet wurde. Darüber hinaus würde die
Umleitung des Wassers vom Fluss Ebro den Bau von mehr
Staudämmen benötigen als geplant ist. Das betrifft sowohl die
Wasserspende-Stauseen (zur Fließregulierung, z.B. beim Itoiz-Damm
in Navarra), wie auch die Aufnahme-Stauseen, die die umgelenkte
Wassermenge eindämmen sollen.

Das Ebro-Delta ist als Vogelschutzgebiet und Naturpark ein Gebiet von
besonderem Interesse. Gegenwärtig ist diese Region bereits durch die
verringerte Wasserversorgung und durch Gesteinsablagerung im Fluss in
einer schwierigen Situation. Wenn das Projekt weitergeht, wird das
eigentliche Flussdelta einfach verschwinden. Ebenfalls wird sich die
Versalzung stromaufwärts ausweiten, also das Salzwasser wird den
Fluss überfluten, wenn seine Strömung nachlässt. Das
Meerwasser wird die Stadt Tortosa erreichen, die über 40 km von der
Flussmündung entfernt liegt. Die Umleitung wird die Zukunft dieser
Gebiete und der Leute dort zerstören, ihre Kulturen und ihr
Wirtschaftsleben mit Auslöschung (durch Tourismus,
Meerestierindustrie, usw.) bedrohen.

Der ungerechte Wasserplan wird ein hohes Maß an Ungleichheit
zwischen den Regionen hervorbringen. Der Plan bürdet den verarmten
inneren Regionen eine irrationale Ausbeutung ihrer Lebensgrundlagen auf,
um die bereits gesättigte Mittelmeerküste weiter zu entwickeln. Dies
wird einen sozialen Streit unter den Regionen entfachen und eine
Verknappung der meistbenötigten Resourcen in allen Gebieten
auslösen, denen das Wasser entzogen wird.

Die Wasserumlenkung hat ausserdem Rückwirkungen auf die
Aufnahme-Stauseen, denn sie bringen unbegrenzte Möglichkeiten zur
Schaffung neuer illegal bewässerter Hektar Land. Die Erfahrung, die
die Umleitung des Flusses Tagus-Segura bietet, ist ein gutes Beispiel
dafür. In kurzer Zeit entstanden tausende neuer Anbaugebiete, die
einen weit höheren Verbrauch an Wasser entstehen liessen, als
umgeleitet wurde. Diese Situation entstand durch die Schaffung neuer
Brunnen, die die Region austrocknen und kleine Landwirtschaftsberiebe
nicht überleben und bankrott gehen lassen.

Es wird gesagt, dass 44% des umgeleiteten Wassers für den
städtische Verbrauch bestimmt sei: diese Wassermenge wäre genug
um eine Stadt mit 16-20 Millionen Menschen im Sommer zu versorgen.
Wir brauchen nur an die Themenparks, Golfplätze und
Sommerferienorte für den Massentourismus zu denken, die die
Küste erobern und unsere Wasserversorgung immer mehr
verschwenden. Es ist offensichtlich, dass der angebliche städtische
"Bedarf" riesig übertrieben wurde, um die Nachfrage dieser anderen
Interessen zu verbergen. Sogar der Staat geht davon aus, dass das
Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahrzehnten niedrig sein
wird. Ebenfalls haben viele wissenschaftlichen Berichte die Angaben
über die Wassermenge des Flusses Ebro als gefälscht
zurückgewiesen. Die heutige Wassermenge ist weit niedriger als die
Regierungszahlen angeben, und dieser Plan tut nichts dafür, um die
rückläufige Entwicklung aufzuhalten.

Eine wichtige Unterlassung des Planes ist, etwas gegen den massiven
Verlust zu unternehmen, der im spanischen Wassernetz entsteht:
insgesamt gehen 40-60% des Wassers verloren. Es mag die Frage
aufkommen, warum fehlerhafte Leitungen nicht repariert werden sollen,
obwohl das preiswerter und wirkungsvoller wäre als Staudämme und
Umleitungen. Warum sollte die Verbreitung von illegal entnommenem
Wasser nicht kontrolliert werden? Die wahren Förderer von
ungerechtfertigten Staudämmen, wie den geplanten, sind eigentlich die
Wasserenergie-Konzerne. Die Umleitung des Ebro wurde entwickelt, um
die Mittelmeerküste intensiv zu entwickeln. Fairerweise muss gesagt
werden, dass diese besonders teuren Bauarbeiten, die nicht wieder gut zu
machen sind, ausschliesslich auf den Interessen der
BodenspekulantInnen beruhen.

Bald werden wir Probleme mit dem Wassermangel zu lösen haben, die
durch die Klimaveränderungen entstehen. Und die Wasserumleitungen
werden die Lage verschlechtern - unwiederruflich. Während dessen
wollen der Staat und die Finanz-Lobbies, die ihn unterstützen, einen
wahnsinnigen Gewinn aus dem unschätzbar knappen Gut - dem Wasser
- ziehen. Gemeinsam werden wir diese grausame Aggression aufhalten.

Stoppt die Umleitung des Ebro!


Lokalföderation Tarragona (CNT-IAA)
Post Office Box 973,
43080 Tarragona, Spain
estanarquistes@yahoo.com

Confederacion Nacional del Trabajo (CNT)
http://www.cnt.es)

Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA)
http://www.iwa-ait.org

Übersetzung:
Allgemeines Syndikat Koblenz (FAU-IAA)
http://anarchosyndikalismus.org


*******
******
********** A-Infos News Service **********
Nachrichten über und von Interesse für Anarchisten

Anmelden -> eMail an LISTS@AINFOS.CA
mit dem Inhalt SUBSCRIBE A-INFOS
Info -> http://www.ainfos.ca/org
Kopieren -> bitte diesen Abschnitt drin lassen


A-Infos Information Center