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(de) GB, London: Antiautorit Juden gegen Zionismus (en)

From Worker <a-infos-de2ainfos-ca@ainfos.ca>
Date Wed, 21 May 2003 09:41:32 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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> From svejk <anterotesis@yahoo.co.uk>
Date Mon, 19 May 2003; Übersetzung von Uli.
Hier ein Flugi, das einige Genossen und ich als "Juden gegen
Zionismus" geschrieben und auf verschiedenen Demos in London verteilt
haben. Wir hatten auch ein Transpi: "Juden gegen Zionismus und alle
Staaten."
Wir haben gespürt, daß es nötig ist, die Gleichsetzung von jüdischer
Identität und Zionismus anzugreifen und Volkszugehörigkeit mit dem
Nationalstaat.
Wir stellen das hier ins Netz um zu sagen, ja, einige von uns haben
daran gearbeitet, diese Nuß zu knacken. Die Nuß ist allerdings noch
ganz.
John

> Juden gegen Zionismus

Der Zionismus nimmt für sich in Anspruch, für alle Juden zu sprechen,
weil er uns zum Schweigen bringen will. Der Zionismus erklärt Palästina
zur Heimat, weil er uns entwurzeln will. Der Zionismus stellt sich als
einzige mögliche Verteidigung gegen einen neuen Holocaust dar, weil er
uns beherrschen will.

[...]

Als Juden sind wir angeblich verpflichtet, einen permanenten
Kriegszustand zu unterstützen und ein lächerliches "Rückkehrrecht" in
ein Land zu beanspruchen, das die meisten von uns noch nie gesehen
haben. Aber als Nachkommen der Ermordeten des Völkermords der Nazis und
zahlloser Pogrome (und als Menschen, die vor ein paar Jahrzehnten noch
für ihr Judentum und ähnliche "Verbrechen" ermordet worden wären)
lehnen wir den Zionismus mit allen seinen Folgen ab.

Zionismus ist die absehbare Folge des weltweiten Nationalismus,
Kolonialismus und Etatismus. Entstanden zu einer Zeit, als die Welt
aufgeteilt wurde und das europäische System der Nationalstaaten sich
konsolidierte, ist der Zionismus der Komplize der westlichen Macht und
eine Geißel der Palästinenser. Die zionistische Allianz mit Macht und
Tyrannei macht ihn nicht zum Schutzengel der Juden. Er hat immer mit
Rassisten und Mördern kollaboriert, um seine Kolonisierung Palästinas
voranzubringen.

Stattdessen unterstützen wir diejenigen, die "ihre eigenen"
Regierungen und Führer stürzen wollen. Wir unterstützen Kämpfe mit
dem Potential, Staat und Kapitalismus zu untergraben. Die über 300
israelischen Soldaten, die den Kampf verweigern, Palästinenser, die im
Geist der ersten Intifada Widerstand leisten (nämlich "graswurzelmäßig"),
die internationalen Aktivisten, die ihre eigenen und die palästinen-
sischen Kämpfe verbinden, sind positive Entwicklungen, während außerhalb
des Nahen Ostens, von Argentinien bis Genua, von Woomera bis Campsfield,
eine neue Welt nach Ausdrucksformen sucht.

Zionismus gegen Juden
Der Zionismus hat die Juden nicht vor dem Holocaust "gerettet". Das war
auch nie sein Anliegen. "Wenn ich wüßte, daß es möglich wäre, alle
Kinder in Deutschland zu retten, indem man sie nach England brächte, und
nur die Hälfte von ihnen, indem man sie nach Erez Israel brächte, dann
wähle ich die zweite Alternative", sagte Ben Gurion (der erster
israelischer Premierminister wurde) 1938. Er erkannte, daß Rettung das
Ende des Zionismus gewesen wäre. "Wenn unsere Brüder in Amerika die Wahl
zwischen der physischen Rettung der europäischen Juden und dem Zionismus
haben, werden sie das erstere wählen, und das wäre das Ende unserer
Bewegung."

Die Kolonisation Palästinas war das Haupt- und Endziel, sogar auf Kosten
jüdischen Lebens.

Daran änderte sich auch nichts, als die Juden vernichtet wurden. Die
Stern-Bande suchte eine "anti-imperialistische" Allianz mit den Nazis,
da "gemeinsame Interessen bestehen könnten zwischen der Errichtung einer
neuen Ordnung in Europa entsprechend dem deutschen Konzept, und den
wahren [sprich: zionistischen] nationalen Bestrebungen des jüdischen
Volkes." Mit einem Kuhhandel wurden 600 ausgewählte Budapester Juden auf
Kosten von 800.000 anderen gerettet: Mitglieder zionistischer
Jugendorganisationen, das "beste biologische Material", wie der Nazi
Eichmann es nannte, wurden gerettet, und als Gegenleistung gab's "Ruhe
und Ordnung" in den Lagern.

Der Zionismus hat sich nie bemüht, dem Antisemitismus Widerstand zu
leisten, sondern sich damit zu arrangieren. Selbst mitten im Völkermord
an den Juden stellte er das koloniale Projekt vor die Massen der
jüdischen Menschen.

Die Gründer des Zionismus lehnten die Möglichkeit ab, den Antisemitismus
durch Massenbewegungen und soziale Revolution zu überwinden. Moses Hess,
Theodor Herzl und Chaim Weizmann wählten die Seite der Staatsgewalt,
Klassenherrschaft und Ausbeutung. Sie hatten durchaus begriffen, daß die
Förderung des Antisemitismus und die Verfolgung der Juden das Werk genau
der herrschenden Klasse waren, deren Gunst sie suchten.

Im Bemühen um die Unterstützung der Antisemiten selbst zeigten sie
einige Motive auf: den Machtkult, mit dem sie Stärke assoziierten; die
Illusion, jüdische "Schwäche" und Verwundbarkeit sowie den Status des
ewigen Außenseiters zu beenden.

Von diesem Bewußtsein war es nur ein kleiner Schritt zur Übernahme der
Werte und Ideen der Judenhasser selbst. Die Juden, schrieben die
Zionisten, waren tatsächlich ein undiszipliniertes, subversives,
dissidentes Volk, das die Verachtung, der es ausgesetzt war, verdient
hatte. Schamlos bedienten sich die Zionisten bei rassistischen
Judenhassern; ihre Literatur ist voll von den giftigsten Stereotypen.
Das arbeitete dem antisemitischen Wunsch in die Arme, eine Gruppe von
Leuten loszuwerden, die lange durch Verfolgung radikalisiert wurden und
die Reihen vieler revolutionärer Bewegungen verstärkten.

Der Rassismus und die Unterdrückung durch den israelischen Staat ist
nicht ungewöhnlich. Der historische Betrug des Zionismus ist nicht
einzigartig. Sie sind allen Formen des Nationalismus gemeinsam. Unser
Antizionismus basiert auf dem Widerstand gegen alle Staaten, alle
Grenzen und Nationen; gegen alle Herrscher und Ausbeuter der Welt.

Für eine globale Intifada und das Ende aller Grenzen!


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