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(de) AsienAktuell 3740

From bernhard@wildcat.rhein-neckar.de (Bernhard Doenig)
Date Sat, 5 Jul 2003 23:15:53 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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> Asien Aktuell: News, Daten, Kämpfe, Bewegungen
ASCII-Version der Webseite
http://www.umwaelzung.de/aaktuell.html
Indonesien
30.6.03
Randale auf Kalimantan
3740
Im Dorf Karimunting (Westkalimantan) kam es zu Zusammenstößen
zwischen Einheimischen und Zunwanderern von der Insel Madura. Ein
Madurese soll einen Einheimischen niedergestochen haben, daraufhin
setzten Einheimische drei Häuser von Maduresen in Brand. Im Jahr 1999
sind bei gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Einheimischen und
Maduresen 3000 Menschen umgekommen, im Jahr 2000 wurden 500 Menschen
bei solchen Zwischenfällen in der Nachbarprovinz Zentralkalimantan
getötet. (s.a. 3210, 2330)
aufgenommen: Sa., 5.7.2003
Quelle: Laksamana, 3.7.03


China
22.6.03
Dorf gestürmt
3739
Einige hundert Polizisten und Zivilisten (möglicherweise
angeheuerte Schläger) überfielen das Dorf Xiongqiao in der Provinz
Henan, zerschlugen Fernsehgeräte und Fensterscheiben, verprügelten
Bewohner und verhafteten 13 Bauern. Die Haftgründe laut Polizei: Raub
und Angriff auf Regierungseinrichtungen, einschließlich des Büros der
Dorfregierung, des Polizeireviers und des Büros der KP, einige Dorf-
beamte, z.B. der Chef der Familienplanungsbehörde, waren verprügelt
worden.
Hintergrund: Das Dorf ist ein sog. "AIDS-Dorf". 700 der 3000 Einwohner
sind HIV-positiv, 400 von ihnen sind bereits an AIDS erkrankt. Die
Dorfbewohner hatten ihr Blut an Blutspendestationen verkauft (s.a.
3036). Da es dort unhygienisch zuging, obwohl die Stationen von der
Regierung genehmigt waren, infizierten sich viele der Blutspender mit
HIV (in China soll es bis zu einer Million auf diese Weise infizierte
Bauern geben). Sie verlangen jetzt Hilfe von der Regierung. In
Xiongqian beschwerten sich die Bauern regelmäßig bei örtlichen
Behörden, weil diese die finanzielle Unterstützung zum Kauf von
Medikamanten nicht auszahlt. Einige Bauern hatten sich geweigert, den
dem Staat zustehenden Anteil an der Ernte rauszurücken und es hatte
diesen Monat deswegen einen Zusammenstoß mit Staatsbeamten gegeben.
aufgenommen: Fr., 4.7.2003
Quelle: Yahoo! News Singapore, 4.7.03


China
2.7.03
Anlegerproteste
3738
Wuhan (Provinz Hubei): Seit drei Jahren demonstrieren betrogene
Anleger dreimal pro Woche (Montags, Mittwochs, Samstags) bei einem
Doppel-Hochhaus für die Rückzahlung ihrer Investitionen. Auch gestern
versammelten sich 40 Demonstranten und forderten, daß ihnen die
Regierung hilft, ihr Geld zurückzubekommen. 3600 Bewohner Wuhans
hatten einer Entwicklungsfirma Geld geliehen, um diese Hochhäuser zu
bauen. Die chinesische Regierung war via ihres Überseebüros zu 20% an
dieser Firma beteiligt, und tatsächlich wurden die Gebäude 1998
fertiggestellt und im Jahr 1999 die ersten sechs Stockwerke beider
Häuser an das Kaufhaus Sogo verkauft. Kurz darauf begannen die
Proteste, da die Anleger keine der zugesagten jährlichen Auszahlungen
erhalten hatten. Der Chef der Entwicklungsfirma wurde wegen Betrugs zu
drei Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber nach einigen Monaten auf
Bewährung frei. Die enttäuschten Anleger richten seither ihre Wut
gegen das Kaufhaus Sogo, das schon mit Steinen, Ziegeln und Eiern
beworfen wurde.
aufgenommen: Do., 3.7.2003
Quelle: The Straits Times, 3.7.03


Südkorea
2.7.03
Repression
3737
Als gestern tausende Metaller in den Ausstand traten, um für kürzere
Arbeitszeit, höhere Löhne und gewerkschaftliche Rechte zu streiken, war
wieder sofort die Staatsmacht zur Stelle. Tausende Polizisten der
berüchtigten Anti-Aufruhreinheiten versuchten, in der Hauptstadt Seoul
die Gewerkschafter am demonstrieren zu hindern.
Seit nunmehr zwei Wochen wird Südkorea von einer massiven Streikwelle
erschüttert. Und die Regierung, einst angetreten sich für die Rechte
der Arbeiter einzusetzen, reagiert zunehmend mit Repressalien. Als
letzten Samstag die in der KCTU (Korean Confederation of Trade Unions)
organisierten Eisenbahner in den Streik traten - sie wollten damit
gegen die vom Staat geplante Privatisierung des Schienennetzes
verhindern - schickte die Regierung kurzerhand die Anti-Aufruhrein-
heiten und ließ über 1500 Gewerkschaftsaktivisten im Rahmen einer
blutigen Hatz auf dem Kampus der Yonsei Universitaet verhaften.
Massenfestnahmen, -entlassungen und gerichtliche Anklagen zwangen die
Aktivisten am Dienstag den Streik zu beenden.
Ende letzten Jahres, während des Wahlkampfes, versprach Roh Moo-hyun
hoch und heilig mit der unrühmlichen Tradition der Unterdrückung der
Gewerkschaftsbewegung zu brechen.
Unter der Regierung seines Vorgängers, des Reformers Kim Dae-jung,
wurden noch hunderte Gewerkschaftsfunktionäre verhaftet und zum Teil zu
langen Gefängnisstrafen verurteilt (s.a. 2757). Seit Jahren
protestieren die verschiedesten gesellschaftlichen Gruppen gegen diese
Praxis. Mit seiner Zusicherung, damit entgültig zu brechen erhielt Roh
viel Sympathie bei linken politischen Organisationen und Menschenrechts-
gruppen. Selbstverständlich ist in diesem Lager die Enttäuschung jetzt
um so größer, wo sie mit ansehen müssen, daß Roh, wie schon während des
Irakkrieges, wo er dafür plädierte, die Aggression zu unterstützen, mal
wieder einer seiner Versprechen gebrochen hatte.
Die Unterdrückung der Gewerkschaftsbewegung hat in Südkorea eine lange
Tradition. Wurden in den Jahren der verschiedenen Diktaturen
Aktivisten, die Arbeiterrechte einforderten noch mit dem Tode bedroht,
werden jetzt "legale" Mittel angewandt. Vor allem bei vermeintlichen
politischen Streiks wird oft die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Maßnahmen zur Unterdrückung der Gewerkschaft bleiben aber nicht nur dem
Staat vorbehalten. Häufig ergreifen auch schon mal die Unternehmer
selbst die Initiative. Wie in dem Fall der im Seouler Industriegebiet
Guro angesiedelten Firma Hitec, wo Bremssysteme für Autos und Flugzeuge
hergestellt werden. Seit über einem Jahr streiken hier die in der KCTU
organisierten Arbeiterinnen, um wenigstens 70% des gesetzlichen
Mindestlohnes zu erhalten. Doch der Firmeninhaber Park Chong-seo hat
sich erst gar nicht auf Lohnverhandlungen eingelassen, statt dessen
hat er eine Schlägertruppe angeheuert, die mehrfach die Streikenden
überfallen haben. Unmittelbar nach Streikbeginn hat er alle Gewerk-
schaftsaktivistinnen - in dem Unternehmen arbeiten fast ausschliesslich-
Frauen - gefeuert. Zwar hat das Arbeitsgericht ihn angewiesen, die
Betroffenen wieder einzustellen, statt dessen hat er sich nach Deutsch-
land abgesetzt und seinen Firmenhauptsitz nach Baden-Württemberg
verlegt. "In Sachen gewerkschaftliche Freiheiten sind wir noch immer
eines der Schlußlichter in der Welt", so Joung Kyeong-eun, leitendes
Mitglied in der KCTU. "Manchmal hat man den Eindruck, sich in einer
Diktatur zu befinden", sagte sie auf der gestrigen Metallerdemonstra-
tion, während im Hintergrund die Polizei mit Knüppeln auf die
Streikenden losging.
aufgenommen: Do., 3.7.2003
Quelle: Korr.


Hong Kong
1.7.03
Massenprotest gegen Sicherheitsgesetz
3736
Am sechsten Jahrestag der Übergabe Hong Kongs an die VR China fanden
sich in der größten Demonstration seit 1989 350 000 bis 500 000
zusammen, um gegen das neue Sicherheitsgesetz zu protestieren. Es soll
nächste Woche verabschiedet werden. Das neue Gesetz, als Artikel 23
Teil des Grundgesetzes, verfolgt Subversion (gegen die VR China) und
die Anstiftung zur Subversion (einschließlich Medien); die Verbreitung
von Staatsgeheimnissen; das Verbot für ausländischen Organisationen,
in Hong Kong Politik zu machen und das Verbot für Hong Konger
Organisationen, Verbindungen mit ausländischen Organisationen
einzugehen. Medien in der VR China berichteten nicht über die
Demonstration.
aufgenommen: Mi., 2.7.2003
Quelle: Yahoo! News Singapore, BBC News, 2.7.03


Südkorea
1.7.03
Bahnarbeiterstreik zuende
3735
2655 von 4070, also gut 65 % der Bahnarbeiter haben für das Ende des
Streiks (3730) gestimmt. Der Zugverkehr wird spätestens am Donnerstag
wieder normal laufen. Der Streik scheint angesichts der Repression, die
mit Polizeiüberfällen auf Versammlungen, Massenfestnahmen, Massenver-
haftungen eine neue Dimension erreicht hatte, zusammengebrochen sein.
Die Gewerkschaft stellte keinerlei Bedingungen für den Streikabbruch.
Die Regierung hat angekündigt, mit der angekündigten Bestrafung der
Streikenden fortzufahren; bei 630 Beschäftigten wird eine Entlassung
oder Lohnabzug geprüft.
Die Gewerkschaft bei Hyundai Motors hat angekündigt, nur noch über
Löhne verhandeln zu wollen. Seit 20.6. führt sie einen Überstunden-
streik durch; ursprünglich war als Streiktheam auch die Frage der
Zeitarbeiter vorgesehen.
aufgenommen: Di., 1.7.2003
Quelle: Chonsun Ilbo, JonngAng Ilbo, Korea Times, Korea
Herald., 1.7.03


Indonesien
30.6.03
Streik und Demo
3734
Soreang (bei Bandung): Seit drei Tagen streiken 250 ArbeiterInnen
der PT Atepindo Pratama Mandiri für Forderungen, die ihnen eigentlich
per Gesetz zustehen würden. Zuerst schien der Streik erfolgreich (s.
3731); als sie am Samstag aber zur Arbeit zurückkehren wollten, waren
die Werkstore zu und eine Baknntmachung angeschlagen, daß die Arbeiter-
Innen (selbst) gekündigt hätten. Daraufhin zogen die ArbeiterInnen
erneut zum Regionalparlament. Dessen "Kommission E" (zuständig für
Arbeitsrecht) hatte den ursprünglichen Vertrag vermittelt. (Republika)
Prabumulih (Südsumatra): 600 Fremdfirmenarbeiter besetzten das
Verwaltungsgebäude der staatlichen Ölgesellschaft Pertamina (3705) und
forderten die Erweiterung ihres Arbeitsvertrages von einem auf drei
Jahre. (Sriwijaya Post)
aufgenommen: Di., 1.7.2003
Quelle: div., 1.7.03


Indonesien
30.6.03
Flüchtlingsriot auf Molukken
3733
(s.a. 1634) In der Hauptstadt der Nordmolukken Ternate randalierten
tausende moslemische Flüchtlinge von der Nachbarinsel Halmahera. Sie
verbrannten Motorräder und drohten, ein Regierungsgebäude in Brand zu
stecken. Sie verlangen Hilfszahlungen, um nach Hause zurückkehren zu
können. Außerdem beschuldigen sie die Verwaltung, Hilfsgelder zu verun-
treuen. Die Flüchtlinge waren 1999 von Halmahera wegen Angriffen durch
Christen geflohen.
(s.a. 1853, 1803)
aufgenommen: Mo., 30.6.2003
Quelle: Laksamana.net, 30.6.03


Indonesien
30.6.03
Wieder Demo bei ExxonMobil
3732
Lhok Sukon (Nordaceh), s.a. 3723: Der Öl- und Gasmulti ExxonMobil
will im Aceh die Verträge von 1000 Leiharbeitern nicht verlängern.
Deshalb demonstrierten die Betroffenen zum wiederholten Male vor dem
örtlichen Firmensitz.
aufgenommen: Mo., 30.6.2003
Quelle: detik.com, 30.6.03


Indonesien
27.6.03
Erfolgreicher Streik
3731
Bandung (Westjava): Drei Tage lang demonstrierten ca. 500
Beschäftigte der Firma PT Atepindo Pratama Mandiri bei der Stadtver-
waltung. Dann hatten sie erreicht, daß das Firmenmanagement ihre Forde-
rungen zu 90% erfüllte.
Ihre Forderungen waren "normatif", d.h. die Streikenden forderten die
Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, z.B. in Bezug auf den Mindestlohn
oder Sozialversicherung.
aufgenommen: So., 29.6.2003
Quelle: Pikiran Rakyat, 28.6.03


Südkorea
28.,29.6.03
Eisenbahnerstreik
3730
Präsident Roh Moo-hyon erteilt mal wieder eine Lektion in Sachen
Demokratie. Am Samstag morgen hatten die Delegierten der Eisenbahner-
gewerkschaft für Streik votiert.
Sie fordern unter anderem einen sofortigen Stop der Privatisierungs-
massnahmen (siehe auch Erklärung der KCTU).
Nur wenige Stunden spaeter stürmten massive Kraefte derAnti-Aufruhr-
einheiten den Campus der Yonsei Universität in Seoul, prügelten wahllos
und brutal um sich und inhaftierten ueber 1700 Gewerkschaftsaktivisten.
"Mit diesem Gewaltexzess zeigt die neue Regierung entgültig ihr wahres
Gesicht", so die Aktivistin Joh Ji-yeong (Demokratische Arbeiterpartei).
Sie sagt, dass bisher die Universitäten Tabu-Zonen fuer die süd-
koreanische Staatsmacht waren, "aber auch das scheint nun der
Vergangenheit anzugehören".
Seit Samstag Nachmittag, aus Protest gegen die Angriffe auf die
Eisenbahnergewerkschaft, wird ein unbefristeter Sit-in Streik in der
unmittelbaren Naehe der Nationalversammlung (südkoreanisches Parlament)
durchegeführt. KCTU will damit einerseits den Rücktritt des Ministers
für Transport und Verkehr Choi Jong-chan und andererseits die Erfüllung
der bereits im Vorfeld gestellten Forderungen (siehe den Artikel auf
http://www.base21.org/) erzwingen. Da diese aber auch wieder
politischer Natur sind, wird die Regierung erst gar nicht darauf
eingehen. In diesem Falle droht KCTU mit "kombinierten Streiks" - man
könnte das als quasi-Generalstreik ansehen - zur ihrer Durchsetzung.
Das selbe Dilemma: politischer Streik - Polizei und Staatsanwaltschaft
können sich der Sache annehmen. Viele hier bezweifeln, dass es die KCTU
wirklich zu einer solchen Eskalationsspirale kommen lassen wird. Die
nächsten Wochen werden auf alle Fälle spannend bleiben. (Christian
Karl) Laut Gewerkschaft sind am Sonntag etwa 70 % der Personen-und
Güterzüge vom Streik betroffen (BBC News). Die meisten der Festgenomme-
nen bis auf 41 "Gewerkschaftsführer" sind wieder freigelassen worden.
(Yahoo! News Singapore)
aufgenommen: So., 29.6.2003
Quelle: eig. Korr., div., 29.6.03


Südkorea
28.6.03
Polizeiüberfall auf Bahnarbeiter
3729
Zehntausende Polizisten haben in verschiedenen Städten des Landes
Streikversammlungen der Beschäftigten der Korean Railways Union über-
fallen und hunderte festgenommen. Allein in Seoul stürmten 5400 Riot-
-Polizisten die Yonsei-Universität, wo 1500 ArbeiterInnen für einen
Streik votiert hatten. Die Polizisten "prügelten wahllos drauflos",
so unser Korrespondent. 600 wurden in Bussen abtransportiert. Die Fest-
nahme des Präsidenten der Gewerkschaft gelang aber nicht. Die Bahn-
arbeiter wehren sich gegen Privatisierungspläne und die Aufteilung der
Bahn in eine für die Schienen zuständige und eine Betriebsgesellschaft.
Die Regierung hat den Streik für "politisch" und damit für "illegal"
erklärt und das erste Mal seit langem die Polizei auf ein Universitäts-
gelände geschickt. (2973)
aufgenommen: Sa., 28.6.2003
Quelle: Korr., news.com.au, KCTU u.a., 28.6.03


Malaysia
26.6.03
Arbeiterprotest bei GoodYear
3728
Shah Alam: 200 ArbeiterInnen versammelten sich vor dem Werk der
GoodYear Malaysia Berhad, um gegen die starre Haltung der Geschäfts-
leitung zu protestieren. Nach 10 Verhandlungsrunden zwischen Firma und
Gewerkschaft hatte es noch keine Einigung gegeben; eine Stunde vor der
Protestversammlung stimmte die Firma allerdings zwei Forderungen zu:
Jährliche Lohnerhöhung und die Rücknahme einer Entlassung. Der
wichtigste Punkt bleibt allerdings:
die Gewerkschaft fordert für alle Zeitarbeiter, einheimische wie
Migranten, die gleichen Rechte wie für Festeingestellte.
aufgenommen: Sa., 28.6.2003
Quelle: MediaPerkerja.org, 26.6.03


Philippinen
26.6.03
Straßenhändlerprotest
3727
Cebu City: Mehr als 300 Straßenhändler und Dreiradtaxifahrer ver-
suchten, in die Hafenbehörde vorzudringen, um gegen die Abzäunung des
Hafengeländes zu protestieren. Sie haben sich bislang ihren
Lebensunterhalt im Hafen verdient und verlangen von der Hafenbehörde
die Zusage, dies auch nach dem Hafenumbau tun zu können. Zwischen den
Demonstranten und Wachpersonal kam es zu Zusammenstößen, später kam
noch die Hafenpolizei dazu. Mindestens 20 Personen wurden verletzt. Die
Demonstranten zerstreuten sich nach einer Stunde und drohten, demnächst
wiederzukommen.
aufgenommen: Fr., 27.6.2003
Quelle: The Philippine Star, 27.6.03


China

Streikende Arbeiter verhaftet
3726
Bezirk Ninghai (Provinz Zhejiang): Einige hundert Arbeiter streikten
schon über eine Woche lang gegen die niedrigen Löhne in einer Textil-
fabrik. Bei einer Demonstration vor dem Betrieb tauchten plötzlich ca.
100 Polizisten auf und verhafteten drei der Teilnehmer. Wo die
Verhafteten jetzt sind, ist unbekannt. Die Streikenden protestieren
weiter vor den Gebäuden örtlicher Behörden.
aufgenommen: Fr., 27.6.2003
Quelle: China Labour Bulletin, 18.6.03


Südkorea

Massenstreiks in Südkorea: Regierung ruft nach Polizei
und Staatsanwalt
3725
Südkorea steht möglicherweise am Beginn einer massiven Welle von
Arbeitskämpfen. Den Anfang machten letzte Woche die Beschäftigten der
Choheung Bank. Kurz vorher war diese von der Shinhan Gruppe aufgekauft
worden. Die Choheung-Angstellten befürchteten - wohl zu recht, wie
erfahrene Gewerkschafter hier vermuten - einen massiven Stellenabbau.
Nachdem die Bankangestellten in den Streik getreten waren, mußten die
meisten Filialen der ohnehin schon angeschlagenen Choheung Bank
schliessen. Am frühen Sonntagmorgen konnten beide Seiten eine für die
Angestellten befriedigende Uebereinkunft, in Form einer Weiter-
beschaeftigungsgarantie, erreichen (s.a. 3717).
Am letzten Samstag traten die Lehrer in den Ausstand. Ihre Forderung
ist eher politischer Natur: Sie verlangen die Zurücknahme der
Regierungspläne ein zentrales Computersystem zu installieren, welches
die persönlichen Daten, aber auch die Krankengeschichten aller Schüler,
derer Eltern und aller Lehrer speichern soll,. 80 % der Lehrer, aber
auch eine überwiegende Mehrheit der Eltern lehnen dies als unzulässigen
Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ab.
So demonstrierten am Samstag tausende gewerkschaftlich organisierte
Lehrer und deren Unterstützer gegen NEIS (National Education Informa-
tion System, Näheres dazu unter KCTU, base21 ) und brachten damit für
Stunden den Verkehr im Zentrum Seouls zum erliegen.
Am Montag folgten massive Streiks der U-Bahn-Beschäftigten der
Millionenstädte Busan, Incheon und Daegu, die Lohnerhöhungen und
signifikante Verbesserungen in der Sicherheit für die Fahrgäste und
das Personal forderten.
Letztere Forderung ist der Tatsache geschuldet, daß es immer wieder zu
tragischen Unfällen kommt, wie zuletzt im Februar in Daegu, als bei
einem Brand in der dortigen U-Bahn 192 Menschen sterben mußten. Die in
der KCTU (Korean Confederation of Trade Unions) organisierten
U-Bahnangestellten sehen den Mangel an Sicherheit als ein Ausdruck der
"maximalen Profitorientierung, die sich auch in unserem öffentlichen
Dienst breit macht", so Kim Myeong-hwan von der Transportarbeiterge-
werkschaft. Schon nach wenigen Stunden Streik konnten Busan und Daegu
für die Beschäftigten positive Ergebnisse erzielt werden. In Busan
beispielsweise konnte eine 5%ige Lohnerhöhung, die Bildung einer
Sicherheitskommission und die Einstellung von zusätzlichem Personal
erzwungen werden. (s.a. 3722)
Inzwischen fühlt sich die südkoreanische Regierung mit dieser Situation
total überfordert und reagiert zunehmend hilflos. Zwischen allen
Stühlen sitzend - hatte der jetzige Präsident Roh Moo-hyon doch vor
der Wahl eine arbeitnehmerfreundliche Politik versprochen, aber
andererseits auch wirtschaftliche Blüte prophezeit - bekommt er jetzt
den Druck der Gewerkschaften und der Unternehmerverbände zu spüren. So
klassifiziert jetzt Premierminister Goh Kun kurzerhand alle Arbeits-
kämpfe als politisch und somit illegal und fühlt sich mit dieser
"Erkenntnis" berufen, schon mal nach Polizei und Staatsanwaltschaft
schreien zu können. In der Vergangenheit haben solche Situationen
häufig dazu geführt, daß die Regierung - im Auftrag der Unternehmer -
die Anti-Aufruhreinheiten losschickte, um die Streiks zu brechen und
deren Führer zu inhaftieren.
Davon unbeeindruckt organisieren die Gewerkschaften munter weitere
Kampfmaßnahmen. Am Mittwoch kam es in 20 Städten Südkoreas zu Massen-
kundgebungen und -Demonstrationen der KCTU. Allein in Seoul legten
tausende Gewerkschafter und Studenten den Verkehr lahm, um ihren
Forderungen nach gewerkschaftlichen Freiheiten, bessrer Entlohnung und
sozialer Absicherung der befristet Beschäftigten Nachdruck zu verleihen.
In den Reden wurde aber auch die Politik der Regierung generell
angegriffen: Lee Byeong-ju von der Lehrergewerkschaft sprach über das
Demokratiedefizit, die Unterstützung der Irak-Aggression und den perma-
nenten Ruf nach administrativen Mitteln zur Lösung gesellschaftlicher
Konflikte.
Parallel dazu hat sich am Mittwoch Abend ein Streikkommittee gebildet,
welches die generelle Erhöhung der Mindestlöhne von derzeit 510.000
Won (ca. 375 Euro) auf 700.000 Won (ca. 515 Euro) fordert. Und in der
naechsten Woche beginnen die Metaller mit ihren Arbeitskämpfen, das
Gesundheitswesen und die Bahn werden wohl folgen, so Park Jong-mo vom
Internetmagazin Stimme des Volkes. (s.a. 3724)



aufgenommen: Do., 26.6.2003
Quelle: Korr., 26.6.03


Südkorea
25.6.03
Streiksaison
3724
Die Saison der Tarifstreiks kommt langsam in Fahrt.
Zeitweise Arbeitsniederlegungen gab es bei den Automobilherstellern
Hyundai (38 000 Teilnehmer), Ssangyong (5300) und Kia. Der Gewerk-
schaftsdachverband KCTU sagt, daß landesweit insgesamt 66 000 seiner
Mitglieder aus 134 Betrieben an einer vierstündigen Arbeitsnieder-
legung teilnahmen. Premierminister Goh hat angedroht, gegen die
Streiks vorzugehen.
aufgenommen: Do., 26.6.2003
Quelle: Yahoo! News Singapore, Chosunilbo, Korea Times,
25.6., Korea Herald, 26.6.03


Indonesien
25.6.03
Arbeiterprotest bei ExxonMobil
3723
Lhok Sukon (Nordaceh): 1000 Leiharbeiter, die beim Ölmultis Exxon-
Mobil arbeiten, streiken und demonstrieren für die Verlängerung ihrer
Arbeitsverträge, die am 30. Juni auslaufen. Die Arbeiter sind bei vier
Leiharbeitsfirmen beschäftigt. ExxonMobil will die Verträge nicht
verlängern, weil die Gasförderung in diesem Gebiet zurückgeht. Die
Demo der Arbeiter fand auf dem Firmengelände statt, bewacht von den
Soldaten, die dort zum Schutz des Unternehmens gegen die Separatisten-
organisation GAM stationiert sind.
(s.a. 2772)
aufgenommen: Mi., 25.6.2003
Quelle: The Jakarta Post, Antara, 25.6.03


Südkorea
24.6.03
U-Bahnstreiks
3722
In Südkorea hat die Streiksaison wieder begonnen. Während die
meisten Gewerkschaften ihre Aktionen bisher nur angedroht haben, haben
gewerkschaftlich organisierte U-Bahnarbeiter in Busan, Incheon und
Daegu bereits die Arbeit niedergelegt. Die Forderungen drehen sich vor
allem um die Einstellung von zusätzlichem Personal zur Verbesserung von
Sicherheit und Arbeitsbedingungen. In Daegu war die Aktion bald zuende,
denn Gewerkschaft und Management einigten sich 80 neue Beschäftigte
einzustellen und Feuerschutzeinrichtungen in allen Zügen zu
installieren (in Daegu kamen im Februar bei einem Barnd in der U-Bahn
mehr als 190 Personen ums Leben). In Busan blies die Gewerkschaft den
Streik am Abend ebenfalls ab, da nur 10% der Beschäftigten teilnahmen
und der Betrieb nicht gestört war. In Incheon haben sich auch nur
weniger als die Hälfte der Gewerkschafter dem Streik angeschlossen.
aufgenommen: Mi., 25.6.2003
Quelle: Chosunilbo, The Korea Herald, JoongAng Daily,
24./25.6.03


Philippinen
23.6.03
Verletzte bei Streik
3721
Cabuyao (Laguna, s.a. 3555): Seit 14. Januar 2002 sind einige
hundert gewerkschaftlich organisierte Arbeiter der größten Nestlé-
-Fabrik des Landes im Streik für die tarifliche Absicherung ihres
Rentenanspruchs. Vor Gericht hat die Gewerkschaft Recht bekommen,
eigentlich müßte das Unternehmen mit ihr verhandeln, tut dies aber
nicht. 700 Streikende, Familienangehörige und Unterstützer versuchten
am 23.6. die Fabrik zu stürmen. 300 Werksschützer und Beamte einer
Polizeispezialeinheit hinderten sie daran, mit Knüppeln und dem
Einsatz von Löschfahrzeugen als Wasserwerfer. An einem Nebentor gelang
es den Wachen, die Streikenden mit einem Gabelstapler zurückzudrängen.
Insgesamt gab es 50 verletzte Arbeiter und Sicherheitskräfte.
aufgenommen: Mi., 25.6.2003
Quelle: inq7.net, 25.6.03


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5. Juli 2003


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