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(de) Irak, Öl und US-Welthegemonie

From Worker <a-infos-de@ainfos.ca>
Date Tue, 8 Apr 2003 18:26:50 +0200 (CEST)


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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
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http://ainfos.ca/index24.html
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> (II) - IAA-Sekretariat
Irak, Öl und US-Welthegemonie (II)
Die Grundlage der US-Welthegemonie ist militärische und
irtschaftliche Macht.
Indem sie den Irak angreifen, können die USA ihr Ziel
erreichen, den ganzen Mittleren Osten zu kontrollieren.
Aber das Ergebnis hängt davon ab, wie der Krieg aus-
geht. Das Ziel der USA ist offensichtlich ein "schneller
Sieg" innerhalb von nur ein bis zwei Monaten.
Daher ist es notwendig den Irak an mindestens zwei
Fronten anzugreifen. Von Kuwait im Süden aus und im
Norden von den kurdischen Gebieten.

Andererseits fürchten die USA einen langanhaltenden
Konflikt, der über drei bis sechs Monate dauert und in
Kombination mit brennenden irakischen Ölfeldern,
Häuserkämpfen, schweren Verlusten, Nachrichtenbildern
von menschlichen Katastrophen und massiven ausländischen
Proteste gegen die US-Politik. Diese Befürchtungen sind
aber nicht humanitärer, sondern wirtschaftlicher Art.
Angenommen, dass das US-Wirtschaftswachstum weiter, wie
seit Herbst 2002, nur langsam oder noch langsamer
ansteigt, kann der Krieg gegen den Irak einen ernsten
irtschaftlichen Rückgang oder eine Wirtschaftskrise aus-
lösen. Der Diktator Saddam Hussein hob in einer Propagan-
darede während des ersten Golfkriegs [1991] hervor, dass
er länger an der Macht bleiben werde als Präsident Bush
senior. Er hatte recht, denn nachdem infolge des Krieges
die Ölfelder in Irak und Kuwait brannten, der Ölpreis
anstieg und wieder fiel, die Wirtschaft in den Verein-
igten Staaten und weltweit einen starken Einbruch
erlebte, da wurde Präsident Bush senior nicht wieder
gewählt. Heute sagt Saddam Hussein, dass er den Krieg
gewinnen wird. Das scheint unwahrscheinlich, da die
US-Tötungsmaschinerie zum Angriff bereit ist, um einen
Regimewechsel zu erzwingen. Aber hat Saddam Hussein
eine "Geheimwaffe"? Diese Frage macht es notwendig, sich
den Mechanismus anzuschauen, auf dem die wirtschaftliche
Vormacht aufbaut und in dessen Zentrum das Erdöl steht.
Die Erdölindustrie entstand in den Vereinigten Staaten
und sowohl der Preis, wie auch die Bezahlung werden in
US-Dollars bewertet. Die Staaten kaufen und horten
Dollars, so wie sie es mit Gold tun, denn das Öl können
sie ohne Dollars nicht kaufen.
Schätzungsweise zwei Drittel der offiziellen Währungsre-
serven der nationalen Zentralbanken werden in US-Dollars
gehalten.

In ähnlicher Weise erhalten die Erölexporteure ihre immen-
sen Gewinne in dieser Währung, in der sie auch die
Zahlungen erhalten. Es ist daher möglich diese Petro-
dollars ohne Kursverluste wieder in der US-Wirtschaft
anzulegen. Norwegen, der drittgrösste Erdölexporteur,
hat zig Milliarden Dollar in Aktien und US-Staatsan-
leihen angelegt. Russland, der zweitgrösste Exporteur
verfährt ebenso. Saudi-Arabien, der grösste Ölexporteur
und -produzent hat 700 Milliarden Dollar in den USA an
gelegt. Dieses System des Dollars als Welt(reserve)
währung im Ölhandel und im grössten Teil des Welthandels
hält die Nachfrage nach Dollars "künstlich" hoch. Wie
keinem anderen Staat, ermöglicht es den USA immer weiter
Dollars zum Nulltarif zu drucken, um dann die Steuern zu
senken, die Militärausgaben zu erhöhen und Konsumgüter
zu importieren. Das drückt sich auch in der Summe der US-
Auslandsschulden aus, die über Jahre hinweg angewachsen
ist: Im Jahr 2002 waren es unglaubliche 2.800 Milliarden
Dollar, mehr als doppelt so viel, wie im Jahr 1999. Jeder
andere Staat hätte mitansehen müssen, wie seine Währung
und die Aktienmärkte total zusammenbrechen
(vgl. Argentinien
2001, http://anarchosyndikalismus.org/argentinien1.htm).
Doch die US-Auslandsschulden steigen weiter an, während
ihre Ausweitung weitergeht.
Solange die USA keine ernstzunehmenden Herausforderer
haben und die anderen Nationen auf den Dollar und die US-
-Politik vertrauen, funktioniert dieses System weiter. Wie
wir wissen,kann aber der Kapitalismus nicht bestehen ohne
Konkurrenz und ohne imperialistische Kämpfe um
die Kontrolle über das Land, die Rohstoffe und die Wirt-
schaft anderer Nationen.
Wir sehen dies heute deutlich im Mittleren Osten. Der Irak
und der Mittlere Osten sind ein imperialistisches
Schlachtfeld um den Zugang zu heutigen und zukünftigen
Ölvorräten. Ein Schlachtfeld um die Einrichtung von
Freihandelszonen und um die Kontrolle der Konkurrenten,
die die USA schwächen. Ausserdem führt uns dies zu einer
anderen, sehr wichtigen und kaum beachteten Ursache des
Krieges: Es ist ein Währungskrieg zwischen dem Dollar
und dem Euro, wobei der Euro tatsächlich die wirtschaft-
liche Grundlage der US-Vorherrschaft untergraben könnte.

Das bringt uns zurück zu der sogenannte "Geheimwaffe" des
Irak. Ende des Jahres 2000, wechselte der Irak die
Tauscheinheit für sein Öl von der "feindlichen Währung"
Dollar zum Euro. Als der Irak zum Euro wechselte war aber
der Wert des Euro im Vergleich zum Dollar niedriger, und
der Wechsel wurde als ein politischer Trick ohne wirt-
schaftlichen Sinn angesehen. Aber in Washington klingel-
ten die Alarmglocken und die entscheidende Frage war:
Was wird jetzt geschehen?

Nach dem 11. September wissen wir mehr von dem, was ge-
schehen ist. Aus dem Afghanistankrieg wurde der "Krieg
gegen den Terrorismus". Präsident Bush junior erklärte
Irak, Iran und Nordkorea zur "Achse des Bösen". Danach
haben wir gesehen, wie die USA anschließend Kolumbien
militarisierten. Und im April 2002 erlitt Venezuela, der
wichtigste Erdöllieferant der USA, einen versuchten
Staatsstreich. Wir müssen auch daran erinnern, dass am
8 Januar 2002 ein Bericht an den US-Kongress hervorhob,
dass das [US-Verteidigungsministerium] Pentagon darauf
vorbereitet sein sollte, sogar Atomwaffen gegen China,
Russland, Irak, Nordkorea, Iran, Libyen und Syrien einzu-
setzen. Kein Wunder, dass diese Ländern alarmiert sind.
Heute wissen wir, dass im Jahr 2002 der Dollar im Ver-
hältnis zum Euro um 15% gefallen ist und seit Anfang 2003
noch um weitere 5%. Die irakische Ölpreisumstellung auf
den Euro, der erwartete Wechsel des Iran und die Stärkung
des Euros, haben die [ölfördernden] OPEC-Länder und ande-
re wichtige Ölexporteure unter Druck gesetzt, ebenfalls
den Dollar als Wechselwährung wegfallen zu lassen.
Und da die Vorhersagen für die Zukunft darauf hindeuten,
dass der Ölmarkt immer wichtiger wird, müssen die Verbrau-
cherstaaten ihre Währung umstellen, sobald die ölprodu-
zierenden Staaten es tun. Dies tat der irakische Handels-
partner Jordanien bereits im Jahr 2000.

Wenn wir uns die wichtigsten Erdölexporteure ansehen, dann
ist der drittwichtigste Norwegen, das den USA wegen seiner
Grenze zu Russland als strategisch wichtiger Partner ver-
bunden ist. Norwegen ist kein politisches Mitglied der
Europäischen Union [EU], aber die öffentlichen Umfragen
zeigen nun, dass sich eine Mehrheit für die EU ausspricht.
Wenn Schweden und Dänemark beschliessen, den Euro als ihre
Landeswährung anzunehmen, wäre Norwegen gezwungen der EU
beizutreten und es ist schwer vorstellbar, dass der Öl-
handel dann weiterhin in Dollar stattfinden könnte. Wenn
Norwegen auf den Euro umstellt, muss Grossbritannien nach-
folgen, da beide Erdöl aus der Nordsee fördern. Wenn aber
andererseits Grossbritannien zuerst den Euro einführt,
dann wird Norwegen folgen folgen müssen. In der Tat sind
beide Staaten sind heutzutage eingeklemmt zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa.

Laut einem Artikel in "The Observer" vom 23.Februar 2003
hat sogar Russland als zweitgrösster Erdölexporteur vor
kurzem die Möglichkeit in Betacht gezogen, den Euro als
Währung für seine Ölverkäufe einzuführen. Russland han-
delt gemeinsam mit Frankreich und Deutschland, sowie
(teilweise) mit China in einem Bündnis gegen die USA. Es
ist daher für die Vereinigten Staaten wichtig zu versu-
chen, Russland vom alten Europa (Deutschland und Frank-
reich) abzutrennen, da Russland Öl besitzt.

In Bezug auf Saudi-Arabien, dem ohne Zweifel grössten Öl-
exporteur und -produzenten, muss ein Ereignis erwähnt
werden, das zeigt, wie verletzlich die USA sind. Infolge
[der Anschläge] des 11. September [2001] führten mehr und
mehr Spuren nach Saudi-Arabien: Fünfzehn der neunzehn
terroristischen Entführer waren Saudis. Und es wurden
(und werden) weitreichende Untersuchung seitens der USA
und Israels durchgeführt, um terroristische Verbindungen
der Saudis aufzudecken.

Am 6.August 2002 schrieb die "Washington Post" über einen
Bericht, der vom Beirat des US-Verteidigungsministeriums
(Pentagon) vorbereitet wurde. Der Bericht, der von einem
Forscher der Rand Corporation herausgegeben wurde, be
schrieb einen zunehmenden Trend innerhalb der US-Regie-
rung, Saudi-Arabien als Feind zu bezeichnen. Der Bericht
rief ausserdem dazu auf, die Ölfelder und Investitionen
von Saudi-Arabien in die USA ins Visier zu nehmen, so-
lange bis die Saudis ihre Unterstützung des Terrorismus
beenden. Die "Financial Times" berichtetete am 20. August,
dass daraufhin die Saudis zig Milliarden Dollar aus Pro-
test gegen die Beschuldigungen aus den USA abgezogen
hätten. Und der Artikel wies ausserdem nach, dass diese
Geldbewegungen der Saudis zu dem
Abwärtskurs des Dollar beigetragen hätten. Später wurde
es still um diesen "Zwischenfall". Die USA leugneten, dass
dieser Bericht die offizielle Meinung widerspiegele und
die Saudis leugneten, dass sie Geldanlagen aus den USA
zurück gezogen haben.

Wir haben im ersten Teil [des Artikels] beschrieben, dass
es eine Frage der nationalen Sicherheit der USA ist, im
Irak-Konflikt nicht über Öl zu sprechen. Doch das trifft
nur teilweise zu, denn ein Regimewechsel [im Irak] würde
die US-amerikanischen und britischen Ölfirmen begünstigen
und nicht die russischen, chinesischen, französischen und
sonstigen Firmen, die Verträge mit der irakischen Diktatur
abgeschlossen haben.
Ein wichtiger Grund ist ausserdem, dass die USA auf Saudi-
-Arabien angewiesen sind, bis sie ihre Ziele im Irak
erreicht haben. Sie brauchen die Militärstützpunkte in
Saudi-Arabien, sowie deren Öl und auch weiterhin die
Investition saudischer Petrodollar in den USA.

Ein "schneller Sieg" über den Irak hilft den USA ihr Ziel
Zu erreichen, den gesamten Mittleren Osten zu kontrollie-
ren. Nach dem Krieg ist die Zurücksetzung der Ölpreise auf
den Dollar eines der obersten Ziele der Militärjunta, die
von den USA geplant ist. Damit wollen sie den Nachbar-
ländern Saudi-Arabien, Syrien und Iran zeigen, um welchen
Preis man das Imperium herausfordert. Sie wollen ausserdem
im Mittleren Osten eine Freihandelszone einführen und die
irakische Ölförderung erhöhen, um den Ölpreis zu senken,
wodurch sie [die Stellung der] Ölexporteure, wie Saudi-
-Arabien, untergraben würden (siehe Teil 1,
http://anarchosyndikalismus.org/oel1.htm).

Ein "längerer Konflikt" oder auch nur ein mittlerer, würde
den USA und dem Welthandel grosse wirtschaftliche Probleme
bereiten. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin ab-
hängig sein von den überschüssigen Ölfördermengen aus
Saudi-Arabien und sie können sich im Laufe der Zeit nicht
mehr darauf verlassen, dass sie ihre eigenen strategischen
Ölreserven zu gemässigten Preisen wieder verkaufen können.
In diesem Fall wird erwartet, dass die Ölpreise vom heute
bereits hohen Stand von 35 Dollar noch auf 40 Dollar pro
Barrel steigen werden. Dieser Preisanstieg kann, wie sich
in der Vergangenheit gezeigt hat, einen ökonomischen
Niedergang nach sich ziehen. Es muss angemerkt werden,
dass auch Japan sehr verletzlich ist, da es mehr als 70%
seiner Ölimporte aus dem Mittleren Osten bezieht. Und wenn
in Asien eine Krise beginnt, kann dies einen grösseren
Niedergang oder eine Krise der gesamten Weltwirtschaft
auslösen. Es wäre möglich, dass Investitionen aus den USA
abgezogen werden und ein Wechsel zum Euro würde den
Dollarwert abfallen lassen. Das sind gefährliche
Vorstellungen, aber wir leben in gefährlichen Zeiten des
globalen Kapitalismus.

(Fortsetzung folgt)

Sekretariat der
Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (IAA)
Oslo, 16. März 2003
http://www.iwa-ait.org

Übersetzung:
eduCAT - Anarchosyndikat
c/o Buchladen Le Sabot
Breite Str. 76
D-53111 Bonn
educat@anarchosyndikalismus.org
http://anarchosyndikalismus.org

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