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(de) boeses:oesterreich 0802

From Rosa Antifa Wien <raw@raw.at>
Date Sun, 1 Sep 2002 14:54:01 -0400 (EDT)


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
        http://ainfos.ca/index24.html
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Willkommen zur neuen Ausgabe von boeses:oesterreich!

Diesmal gibt es eine etwas duennere Ausgabe, schliesslich sind ja 
grosse Ferien in der offiziellen Politik., die nur von den 
allgegenwaertigen Hochwasserkatastrophen unterbrochen wurden. Nichts 
desto trotz gibt es auch in dieser Ausgabe wieder einige "Schmankerl".

Jetzt noch schnell (fuer Neulinge) die Erklaerung was dieser 
Newsletter sein soll, und warum wir ihn machen:

boeses:oesterreich ist unser monatlicher Newsletter, der ueber die 
aktuelle Situation in Oesterreich (und ueber die Auswirkungen der 
FPOe/OeVP Regierung) informieren soll. Entschlossen haben wir uns 
dazu, da wir bemerkt haben, dass die Wissenslage ueber den realen 
Zustand in Oesterreich speziell in anderen Laendern sehr gering ist. 
Die Regierung hat es geschafft, dass mit der Diskussion ueber die 
EU-"Sanktionen" der alltaegliche Wahnsinn dieses Landes aus dem 
Blickfeld der internationalen Oeffentlichkeit verschwand. 
Mittlerweile sind die "Sanktionen" aufgehoben, etwas das in 
Oesterreich durch (fast) alle politischen Gruppierungen als Sieg 
gefeiert wurde, das "Interesse" an der Entwicklung Oesterreichs noch 
weiter geschrumpft. Die befuerchtete "Normalisierung" der 
rechts-rechtsextremen oesterreichischen Regierung schreitet voran, 
Informationen ueber die Verschaerfung der Zustaende in Oesterreich 
sind darum wichtiger denn je. Gerade deshalb ist es auch aeusserst 
erwuenscht, dass dieser Newsletter so breit wie moeglich verteilt 
wird, damit so viele Menschen wie moeglich von den Zustaenden in 
Oesterreich erfahren. Also: Verbreiten, verbreiten, verbreiten! 
Natuerlich ist es ebenso moeglich dieses Material (auch auszugsweise) 
fuer Zeitschriften zu verwenden, schickt uns halt zumindestens ein 
Mail, wenn ihr dies tut.

Kritik und Anmerkungen (wenn moeglich schreibt bitte in deutsch oder 
englisch!!) an:

raw@raw.at

Viel Spass beim Lesen!


<<<<<<<<<<<<<<<< ;begin inhalt >>>>>>>>>>>>>>>>

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[1] Nazis, verhaftet
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[2] Fuer Nazis schreiben
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[3] Suedtiroler Geschichten
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[4] Polizeigewalt: Vorderseite
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[5] Polizeigewalt: Rueckseite
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[6] Sterben in Schubhaft
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[7] Die "boesen" Folgen der Lust
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[8] Christliche Weltanschauungen
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<<<<<<<<<<<<<<<<< ;end inhalt >>>>>>>>>>>>>>>>>


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[1] Nazis, verhaftet
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Anfang August wurde in Wien die Neonazizelle SS-Kampfgemeinschaft 
Prinz Eugen von der Polizei ausgehoben. Drei Personen wurden im Zuge 
der Amtshandlung festgenommen, sie waren gerade dabei Waffen und 
Munition aus einem Versteck abzutransportieren, bei den 
anschliessenden Hausdurchsuchungen wurden mehr als 50 Waffen - 
darunter zahlreiche Maschinengewehre - Sprengstoff und umfagreiches 
Nazipropagandamaterial sichergestellt. Oeffentlich aufgetreten sind 
die drei fuer die "Doeblinger Initative Autofahrerechte (DIAR)", die 
als Tarnorganisation fungierte.

Als zentrale Figur der Gruppe wird von Polizei und Justiz der im Juni 
dieses Jahres verstorbene Neonazi Georg Gasser praesentiert: Dieser 
engagierte sich in den spaeten 70-er Jahren in der neonazistischen 
Aktion Neue Rechte (ANR), Mitte der 80er-Jahre tauchte er dann in 
der, selbst in der rechtsextremen Szene als zu radikal verschrieenen, 
"Europaburschenschaft Tafelrunde zu Wien" wieder auf, bei der er sich 
fuehrend betaetigte. Dies gemeinsam mit einem gewissen Wolfgang 
Haberler - mittlerweile ist der Mann zum stellvertretenden 
FPOe-Landesparteiobmann in Niederoesterreich aufgestiegen.

Spuren gibt es auch zu einem weiteren - ehemaligen - Funktionaer der 
FPOe: Dem mittlerweile behoerdlich - mehr oder weniger - gesuchten 
Ex-Bezirksrat und Holocaust-Leugner Wolfgang Froehlich (siehe 
boeses:oesterreich 0702).

(Quelle: http://www.doew.at / http://derstandard.at)

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[2] Fuer Nazis schreiben
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Wieder einmal zeigt sich, dass sich FPOe-Funktionaere immer weniger 
Muehe geben, ihre Verbindungen zum offenen Rechtsextremismus und 
Neonazismus zu verschleiern: So meldete sich am 2. August in der 
"National-Zeitung" des
deutschen Nazi-Verlegers Gerhard Frey der Bezirksparteiobmann der 
FPOe Wiener Neustadt, Bernhard Blochberger, zur Causa Stadler und der 
Frage ob Oesterreich 1945 befreit worden waere (siehe 
boeses:oesterreich 0702) zu Wort. So meint er, dass PolitikerInnen 
die der Roten Armee dafuer Dank zollen "unser Volk [verhoehnen]".

Blochberger ist aber beileibe kein "Neuling" auf diesem Terrain: So 
engagierter er sich in den 80er-Jahren in fuehrender Rolle in der 
neonazistischen Nationaldemokratischen Partei (NDP), nach deren 
Verbot kanditierte er fuer die Tarnliste "Ein Herz fuer Inlaender". 
Offensichtlich die richtige Grundlage um in der FPOe eine fuehrende 
Stellung einzunehmen....

(Quelle: http://www.doew.at)

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[3] Suedtiroler Geschichten
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Bei dem Versuch eine Bombe zu bauen hat sich der Linzer Neonazi 
Stefan Topitz selbst schwer verletzt, ihm wurden sechs Finger 
teilweise abgerissen. Topitz selbst versucht sich in der 
Oeffentlichkeit als unpolitisch darzustellen, das bei ihm gefundene 
umfangreiche NS-Propagandamaterial und auch seine Vorgeschichte 
sprechen da eine andere Sprache: So unterhielt er Kontakte zur 
NSDAP/AO und zur US-Neonazigruppe National Alliance (NA), deren 
kuerzlich verstorbener Fuehrer William Pierce mit den "Turner 
Diaries" DAS Terrorbuch der rechtsextremen Szene geschrieben hat, 
unter anderem duerfte es fuer die Anschlaege in Oklahoma als Vorlage 
gedient haben.

Besondere Brisanz erhaelt der Fall dadurch, dass sich der Vorfall in 
Topitz Wohnung in Lana bei Meran/Suedtirol/Italien ereignet hat, in 
einer Gegend also, in der schon oefters oesterreichische Neonazis - 
vor allem in den 60er-Jahren - Anschlaege unter Deckung des 
oesterreichische Staates vorgenommen haben. Entsprechend fuersorglich 
reagierte dieser auch, Topitz wurde schnell in ein Spital nach 
Innsbruck gebracht und so dem Zugriff der italienischen Behoerden 
entzogen. In seinem Auto wurde noch ein weiterer Sprengsatz, so wie 
eine Karte mit eingezeichneten Carabinieri-Stationen gefunden.

(Quelle: http://www.doew.at)

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[4] Polizeigewalt: Vorderseite
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Anfang August fanden beinahe zeitgleich zwei Gerichtsverfahren gegen 
oesterreichische Polizisten ihren rechtlichen Abschluss: Zum einen 
bekamen jene drei Polizisten, in deren "Obhut" Marcus Omofuma bei 
seiner Abschiebung "erstickt ist" (siehe boeses:oesterreich 0402), 
jeweils neun Monate bedingt fuer "fahrlaessige Toetung unter 
besonders gefaehrlichen Verhaeltnissen". Selbstredend bleiben alle 
drei weiterhin im Polizeidienst.

Zum anderen ist jener Polizist, der Imre B. im Zuge einer 
Amtshandlung "unabsichtlich" erschoss (siehe boeses:oesterreich 
0602), nun rechtskraeftig im Zweifel freigesprochen (der Vorwurf 
lautete auch hier auf "fahrlaessige Toetung").

(Quellen: http://no-racism.net / http://derstandard.at)

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[5] Polizeigewalt: Rueckseite
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Mehr Konsequenzen gibt es dafuer gegen Personen, die es wagen gegen 
Polizeiwillkuer und -morde zu demonstrieren. So wurde nun ein 
Demonstrant - der mit ca. 100 anderen spontan gegen die Ermordung von 
Imre B. demonstriert hatte und dafuer von der Polizei brutal 
eingekesselt und niedergeschlagen wurde (siehe boeses:oesterreich 
0600) - zu neun Monaten Haft verurteilt, davon drei unbedingt. Der 
Vorwurf: Er habe "mit besonderer Brutalitaet und Intensitaet" eine 
"hartnaeckige Verfolgung" eines Polizisten mit einer "Waffe" 
vorgenommen, um ihn "zu Fall zu bringen". Die Waffe: Ein Fahrrad. 
Entsprechend einseitig lief der Prozess ab. Wenig Muehe machte sich 
der verhandelnde Richter eine ernsthafte Wahrheitsfindung auch nur 
vorzutaeuschen, neben von ihm getaetigten rassistischen Aeusserungen 
kuemmerte er sich wenig um die Widersprueche in den Aussagen der 
PolizistInnen, noch weniger um EntlastungszeugInnen.

Interessant auch an welchem Detail der Vorsitzende den Beweis fuer 
die Schuld des Angeklagten gefunden haben will: "Bezeichnenderweise 
hatten die angeblich gewaltfreien Demonstranten bereits die 
Telefonnummern ihnen offensichtlich nahe stehender [gruener] 
Abgeordneter bei sich, woraus  sich erhellt, dass sehr wohl die 
Demonstranten auf gewalttaetigen Konfrontationskurs mit der Polizei 
eingestellt waren, und dadurch entstehende Nachteile offensichtlich 
durch die Intervention von Abgeordneten abzuwenden erhofften" (O-Ton 
des verhandelnden Richters). Jeder weitere Kommentar eruebrigt sich 
wohl...

(Quelle: http://www.falter.at)

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[6] Sterben in Schubhaft
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Am Morgen des 3.8.02 fanden PolizistInnen in Bludenz (Vorarlberg) 
einen Schubhaeftling tot in seiner Zelle. Nach ersten 
Nachrichtenmeldungen hat nichts auf Selbstmord oder eine 
lebensbedrohliche Krankheit hingewiesen. Seither gibt es keine neuen 
Nachrichten, obwohl eine sofort angekuendigte Obduktion mittlerweile 
zu einem Ergebnis gefuehrt haben muss.

Der Tote war zuvor aus der Schweiz nach Oesterreich 
"zurueckgeschoben" worden und war bis zum 3.8. schon 3 Monate in 
Bludenz in Schubhaft. Beide staatlichen Behoerden haben es offenbar 
nicht geschafft, ihm seinen "Herkunftsstaat" nachzuweisen. Zu seinem 
Tod meinte ein zustaendiger Polizist: "Er hat es uns nicht 
leichtgemacht".

(Quellen: http://no-racism.net / http://derstandard.at)

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[7] Die "boesen" Folgen der Lust
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Fuer einige Aufregung sorgte eine ueberraschend liberale 
Aufklaerungsbroschuere, die ausgerechnet vom Sozialministerium 
herausgegeben wurde. Vor allem kirchliche und konservative Kreise 
empoerten sich ueber "Love, Sex und so". Den Vogel abgeschossen hat 
in dieser Hinsicht aber zweifelsohne der Salzburger Weihbischof und 
Pate der radikalen AbreibungsgegnerInnen Andreas Laun. In einem 
Artikel fuehlte sich er bemuessigt die Bibel folgendermassen zu 
zitieren: "Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum 
Boesen verfuehrt, fuer den waere es besser, wenn er mit einem 
Muehlstein um den Hals ins Meer geworfen wuerde". Anschliessend 
folgten die unvemeidbaren Absaetze ueber die gar so furchtbaren 
Folgen der "Lust", er schaffte es dabei sogar diese fuer die 
bescheidenen Geburtenraten in Europa verantwortlich zu machen. 
Eigentlich recht amuesant sowas, haette er nicht eine nicht ganz 
unbedeutende AnhaengerInnenschaft: Mittlerweile ging das von der 
konservativen OeVP dominierte Bildungsministerium auf Distanz zu der 
Broschuere: Diese werde "keine Empfehlung" bekommen, unter anderem 
wird die "zu hohe" Anzahl der angefuehrten 
Homosexuellenberatungsstellen beanstandet.

(Quelle: http://derstandard.at)

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[8] Christliche Weltanschauungen
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In einem Interview hat der Sankt Poeltner Dioezesanbischof Kurt Krenn 
wieder einmal Einblick in die Abgruende seiner Weltanschauung 
gegeben. So fuehlte er sich bemuessigt festzuhalten, dass der Islam 
eine "aggressive" Religion sei, und meint "Es hat gar keinen Sinn, 
wenn man einem Moslem da schoene Worte sagt. Ich glaube, wir muessen 
uns ganz hart auseinander setzen mit ihm."

Weiters laesst er uns noch an seinen rassistischen Gedankengaengen 
zur Migration teilhaben: "Zwei Tuerkenbelagerungen waren schon, die 
dritte haben wir jetzt" - nun gehe es "halt auf einem anderen Weg".

(Quelle: http://derstandard.at)

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EPILOG
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Falls ihr diese Aussendung nicht mehr von uns haben moechtet, 
schreibt uns einfach ein kurzes Mail. Bitte schaut aber zuerst, ob 
ihr das betreffende Mail auch wirklich DIREKT von uns bekommen habt, 
sonst muesst ihr euch halt an die netten Leute wenden, die diese 
Aussendung weitergeschickt haben ;-)))))

Umgekehrt geht das natuerlich auch (und freut uns auch viel mehr). 
Wer/welche in Zukunft direkt von uns, und damit auch garantiert alle 
unsere Aussendungen, kriegen moechte mailt uns einfach mit dem Wunsch 
in unseren Verteiler aufgenommen zu werden (Und auch hier noch mal 
der Hinweis: Schreibt wenn moeglich bitte in deutsch oder englisch!).

Noch einfacher koennt ihr den Newsletter auf unserer Homepage 
(http://www.raw.at) im Bereich "Kontakt" bestellen. Einfach 
e-mail-Adresse ausfuellen, die gewuenschte(n) Sprache(n) auswaehlen 
und ab damit!

In diesem Sinne
bis zum naechsten Mal
Rosa Antifa Wien (RAW)

KEIN FRIEDE MIT OESTERREICH!!!
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