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(de) Ein paar Binsenwahrheiten zum G8-Gipfel in Evian

From Nicolas Phebus <nicolasphebus@yahoo.com>
Date Wed, 9 Oct 2002 03:11:58 -0400 (EDT)


Im Juni 2003 in Evian treffen sich die politischen Topmanager des
globalisierten Kapitalismus, die Staats- und Regierungschefs der acht
wichtigsten Industriestaaten (G8). Von der Schweiz aus gesehen, liegt Evian
direkt vor der Haustür. Unsere Verantwortung wird dementsprechend gross sein.
Es geht darum, sofort mit der Mobilisation anzufangen und den Herren der Welt
unsere Ablehnung der heutigen Weltordnung und unseren entschiedenen Widerstand
zu zeigen. Wir zeigen damit unsere Zugehörigkeit zur grossen Bewegung, welche
weltweit gegen Herrschaft und Ausbeutung kämpft. Über den G8 zu schreiben,
heisst natürlich auch, sich an Genua zu erinnern! Sich erinnern an die
Ermordung Carlo Giulianis, an die Folterungen, die Razzien, die Ausschreitungen
der "Ordnungskräfte", die Inhaftierungen und willkürlichen Verhaftungen. Sich
erinnern an diesen ganzen Staatsterror, mit der die Polizei Berlusconis die
Bewegung zu zerschlagen versuchte. 
Sender: worker-a-infos-de@ainfos.ca
Precedence: list
Reply-To: a-infos-de

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Die Repressionspolitik gegen alle SystemgegnerInnen hat sich nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 noch verschärft und ausgebreitet. Das
System fichiert, kontrolliert, bedrängt, unterdrückt, zensuriert. Es versucht
bewusst, die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen antikapitalistischen
Bewegung auf die militärische und polizeiliche Ebene zu reduzieren. Dies wird
wahrscheinlich die erste Herausforderung für unsere Aktion gegen den G8-Gipfel
in Evian sein. Wir müssen auf unsere Phantasie, auf unseren politischen
Verstand und unserer Kreativität zurückgreifen, um das Gewalt- und
Todespotenzial des Systems einzudämmen. Es geht darum, die Konfrontation so zu
gestalten, dass die Staatsgewalt ihr Gewaltpotenzial gegen die AktivistInnen
nicht spielen lassen kann. Wir müssen verhindern, dass der Staat seine
militärische und polizeiliche Übermacht spielen lassen kann, um den
DemoteilnehmerInnen Tod und Schmerz zuzufügen, sie mundtot zu machen und
einzuschüchtern. Um eine Konfrontation durchzusetzen, die sich auf der Ebene
der Phantasie, der Kreativität und des Lebens abspielt, müssen wir uns im
Klaren sein, was in Evian unsere Ziele sind. Nur so können wir unseren Ruf nach
Freiheit und Würde ertönen lassen. Wir können den G8-Gipfel nicht verhindern.
Wir werden es nicht schaffen, die Festung zu stürmen, wo die Regierenden sich
verstecken. Wir verfügen nicht über die nötigen Kräfte. 

Dies ist aber nicht weiter schlimm, denn ein militärischer Sieg kann nicht
unser primäres Ziel sein. Die Krise des globalisierten Kapitalismus weitet sich
aus, vertieft sich und wird von immer mehr Menschen wahrgenommen. In diesem
Zusammenhang geht es für uns darum, die Kraft und Glaubwürdigkeit des Systems
weiter zu schwächen. Wir wollen unsere Weigerung und unseren Widerstand, aber
auch unser gesellschaftliches Projekt und unsere Forderungen hörbar machen. Wir
müssen die Herrschenden dieser Welt dazu zwingen, hinter den hohen Mauern eines
Gefängnisses zu tagen. Bewacht von Horden von Bullen und Sicherheitskräften -
welch nette Gesellschaft! Sie müssen die gegen sie gerichtete Verachtung und
Ablehnung, sowie die Kritik an ihrem System zu spüren bekommen. Werten wir Ihre
Worte ab, verstärken wir ihre Isolation und ruinieren wir den Diskurs des
Systems. Die Bewegung muss diese "SpitzenpolitikerInnen" mit einer riesigen
Ablehnungswelle eindecken und in einem engmaschigen Netz von Aktionsinitiativen
in der ganzen Region gefangennehmen, um anschliessend den Konferenzort so nah
wie möglich zu umzingeln. Die Stimme unserer Kritik, unseres Widerstandes und
unsere Alternativen müssen ihren arroganten und verlogenen Diskurs
überschütten. Dies bedingt für unseren Kampf gegen den globalisierten
Kapitalismus im Allgemeinen und für die Mobilisation gegen den G8-Gipfel im
Speziellen, dass die Kämpfenden selber, zusammen mit der breiten weltweiten
Volksbewegung für direkte Aktion und Autonomie das Wort ergreifen. Wir dürfen
den sogenannten ExpertInnen nicht länger das Monopol der "glaubhaften"
Alternativen und des "wissenschaftlichen" Diskurses überlassen. Begraben wir
die Arbeitsteilung, welche den Kämpfenden nur die Strasse überlässt! Mit ihrer
Tobin-Taxe und anderen Kinkerlitzchen wollen diese Experten nichts anderes als
das System "vernünftig" reformieren. Sie wollen die aktuellen oder zukünftigen
"linken" Regierungen überzeugen und möglichst ihre Ärsche auf irgendwelche
Ministersessel setzen. 

Vom schwarz-roten Block der Demonstrationen in Barcelona und Sevilla bis zur
direkten Aktion der Volksmassen in Lateinamerika öffnet sich ein neuer Weg: Die
politische Kultur der libertären Linken, ihr geschichtliches Gedächtnis und ihr
revolutionäres Befreiungsprojekt treffen Inhalte und Praxis von Millionen
Menschen, die anfangen, Widerstand zu leisten. Wir wollen unsere Forderungen
nicht beschränken! Was wir erreichen, hängt nicht von institutionellen
Strategien und Regierungsprojekten ab, sondern von der Kraft, die aus unserer
Gestaltungs- und Kampffähigkeit entsteht. Die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel
in Evian wird auch eine Gelegenheit sein, diese Binsenwahrheit zu bekräftigen. 

erschienen in Rebellion, n°22, September 2002. http://www.rebellion.ch


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