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(de) hotlines 4:ArbeiterInnenkaempfe in Call Centern

From kalinkas <laskalinkas@yahoo.de>
Date Sat, 14 Jul 2001 16:31:22 -0400 (EDT)


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hotlines
Flugblatt fuer eine bessere Zeit
Nummer 4, Juli 2001

PILOTINNEN UND PILOTEN DER TELEFONIE: OHNE EUCH HEBT
KEIN HOERER AB!

Die Unternehmer und ihre Profite stecken in der Krise
und wir sollen das ausbaden: In Call Centern,
Fabriken, auf Baustellen und in Bueros sollen wir fuer
weniger Lohn mal mehr, mal weniger Stunden die Woche
schieben - am besten noch rund um die Uhr. * Die
Unternehmer stellen viele nur noch als
ZeitarbeiterInnen ein, die sie schnell wieder
loswerden koennen. * Nicht nur in der "New Economy"
laufen vermehrt Rationalisierungen und Entlassungen
und drohen die Bosse mit der Verlagerung in
"Billiglohnlaender". * Im oeffentlichen Dienst, z.B.
beim Personennahverkehr, soll mehr privatisiert
werden, was bedeutet, dass dort ArbeiterInnen dieselbe
Arbeit fuer weniger Kohle machen sollen. * Und mit der
"Faulenzer"-Kampagne werden die Arbeitslosen noch mehr
unter Druck gesetzt, damit sie auch "Niedriglohnjobs"
machen. 
Die Angriffe von Seiten der Unternehmer beschraenken
sich dabei nicht auf Deutschland oder Westeuropa:
Weltweit sind ArbeiterInnen mit ihr konfrontiert.
Es gab hier in der letzten Zeit kaum Kaempfe von
ArbeiterInnen, die die Defensive durchbrochen und als
Beispiel fuer andere Bereiche der Ausbeutung haetten
dienen koennen. Am ehesten noch die PilotInnen der
Lufthansa, die dieses Fruehjahr immerhin durch mehrere
Streiktage fast 30 Prozent Lohnerhoehung durchgesetzt
und damit auf das "Guertelengerschnallen" der letzten
Jahre eine Antwort gefunden haben. Aber ist dies auch
in anderen Bereichen moeglich, wo die ArbeiterInnen
keine millionenschweren Duesenjets fliegen?
Die meisten anderen Auseinandersetzungen blieben auf
symbolische Aktionen beschraenkt, wie zuletzt bei den
Warnstreiks der BusfahrerInnen und VerkaeuferInnen,
bei denen die Tarifabschluesse unter 3 Prozent lagen
und einen Reallohnverlust einbrachten.

In Call Centern 
scheint der Boom der letzten drei Jahre vorbei, wo
gerade im Ruhrgebiet immer ein Job am Telefon zu
kriegen war. Je nach "Marktlage" werden jetzt
ArbeiterInnen entlassen. Wenn Neueinstellungen laufen,
wird zunehmend nach "Arbeitserfahrung" und einem
dieser "Call Center-Zertifikate" gefragt. Die
Fluktuation gerade in den schlechter bezahlten und
stressigeren Jobs ist weiter hoch.
Auch in Call Centern hat es in der letzten Zeit einige
offene Konflikte und Kaempfe gegeben. Wir muessen uns
die genauer anschauen, um fuer die zukuenftigen
Auseinandersetzungen zu lernen. Unsere Hoffnung ist,
dass es dabei nicht mehr nur um die Verteidigung von
bestehenden Bedingungen gehen wird, sondern vor allem
um die Frage, wer ueber unser Leben bestimmt. Diese
Frage wird nur dann in den Mittelpunkt ruecken, wenn
wir selbst bestimmen, wie und wofuer wir kaempfen und
dies nicht irgendwelchen Apparaten und VertreterInnen
ueberlassen.

Bisherige Auseinandersetzungen
Bei den offenen Kaempfen von ArbeiterInnen in Call
Centern ging es offiziell um die Hoehe des Lohns, um
die Abwehr von Versuchen der Unternehmer, den Druck
auf die ArbeiterInnen zu verschaerfen (durch Einsatz
von LeiharbeiterInnen,
Standort­verlegungen/-schliessungen,
Tageloehner-Vertraege) und um Angriffe auf die
"Wuerde" der ArbeiterInnen (durch technologische
Kontrolle, Management Willkuer etc.). Gekaempft wird
also aus aehnlichen Gruenden, wie in anderen Bereichen
auch (Fabrik, Bueros...).
In diesem Flugblatt findet ihr eine Auswahl von
Berichten zu Auseinandersetzungen in Call Centern.
Ausser bei Verizon hatten wir Kontakte mit
ArbeiterInnen bzw. Streikenden. Grob haben wir zwei
Arten von Auseinandersetzungen gesehen: 1) mehr oder
weniger gewerkschaftlich kontrollierte Streiks wie bei
der Citibank, British Telecom und Verizon, und 2)
kleinere, selbstorganisierte Aktionen von
ArbeiterInnen in den Berliner Call Centern von
Audioservice, Hotline GmbH und ADM.
1) Bei den Streiks bei der Citibank, Verizon und der
British Telecom lag die Begrenzung darin, dass die
ArbeiterInnen ueber die Beteiligung an den
gewerkschaftlich kontrollierten Aktionen hinaus kaum
eigene (!) Wege gefunden haben, die Kaempfe zu
organisieren und sich gegen die Unternehmer
durchzusetzen. Als Folge dessen konnten Gewerkschaften
und andere "ArbeiterInnenvertreter" die
Auseinandersetzungen auf Streik- und
Verhandlungsrituale reduzieren und benutzten den Unmut
der ArbeiterInnen als dosiertes Druckmittel gegenueber
den Unternehmern. Bei der Citibank und British Telecom
blieben die Streiks mehr "symbolische" Aktionen, die
wenig einbrachten. Bei Verizon dagegen waren die
ArbeiterInnen entschlossen genug, zwei Wochen fuer
ihre Ziele zu streiken und konnten einige Sachen
durchsetzen - im Rahmen eines Tarifvertrags.
Befreiende Erfahrungen von gemeinsamer Aktivitaet und
eigener Staerke gab es auch in diesen Streiks nur, wo
ArbeiterInnen Aktionen selbst durchfuehrten: wo sie
Streikposten organisierten, Streikbrecher
attackierten, usw.
Gewerkschaften und andere Vertretungsstrukturen werden
keine Antwort auf die Angriffe der Unternehmer finden
koennen: sie sind eingezwaengt in einen gesetzlichen
Rahmen (Friedenspflicht, Tarifbestimmungs-Trara). Sie
spalten uns zusaetzlich durch ihre berufliche und
"nationalstaatliche" Begrenztheit und koennen aus der
Profit- und Produktivitaetslogik der Unternehmer nicht
entfliehen (siehe z.B. den 10 Prozent-Lohnverzicht bei
HP, das Einstiegsniedriglohnmodell bei VW).
2) Dass aber auch selbstorganisierte Kaempfe von
ArbeiterInnen nicht von allein zu machtvollen und
aufregenden Erlebnissen werden, zeigt sich bei den
Aktionen der ArbeiterInnen in Berlin. Dort war die
taegliche Zusammenarbeit, aber auch ihr Zusammenhalt
ausserhalb der Arbeit, die Basis fuer die
ArbeiterInnen, um gegen die Unternehmer vorzugehen.
Sie organisierten Treffen, besprachen gemeinsame
Aktionen usw. In der Konfrontation mit dem Unternehmen
wurden aber defensive Massnahmen ergriffen:
Unterschriftenlisten, Betriebsratswahlen bzw.
Arbeitsgerichte und Hilferufe nach gewerkschaftlicher
Vertretung. Wir wissen nicht, warum es kein groesseres
Selbstvertrauen in die eigene Staerke gab. Sicher ist,
dass trotz oder gerade wegen dieser defensiven
Massnahmen die Unternehmer ihre Macht ausspielten: in
den angesprochenen Faellen konnten die Bosse die Leute
entlassen, da keine entschlossene Antwort (Besetzung
des Betriebs, Demos zu anderen Call Centern oder
benachbarten Unternehmen...) zu erwarten war. Diese
Erfahrung zeigt recht deutlich, dass Petitionen,
Gesetze und Verhandlungen ueberhaupt nichts
durchsetzen, wenn keine reale Macht der ArbeiterInnen
dahintersteht - die Macht zu streiken bzw. auch mit
wenigen Entschlossenen den Arbeitsablauf zu
verlangsamen und so die Profite der Unternehmer in
Frage zu stellen.
Diese offenen Auseinandersetzungen sind in Call
Centern bisher die Ausnahme. Auf Stress mit den Bossen
und der Arbeit reagieren wir meist individuell:
Krankfeiern, Langsamarbeiten oder Job-Hopping machen
das Leben leichter. Wir sehen uns aber mehr und mehr
mit Problemen konfrontiert, die wir nicht individuell
oder durch Kooperation mit dem Management
(Verbesserungsvorschlaege...) loesen koennen:
Pflichtueberstunden, Einsatz von ZeitarbeiterInnen,
Drohungen mit Standortverlagerung etc. Diese
Situationen verlangen andere Massnahmen!
Um so mehr, da die Unternehmer in vielen Call Centern
mit dem Einsatz von neuen "rationalisierenden"
Technologien (Sprachcomputer, Internet-Service)
experimentieren. In dieser Experimentierzeit sind sie
verstaerkt von unserer Arbeit abhaengig, weil sie
bereits Kohle in die Technologien investiert haben,
diese aber noch nicht profitabel laufen. Wir muessen
z.B. technische Maengel ausgleichen. Auf lange Sicht
wird die Einfuehrung dieser Technologien unsere Macht
untergraben und zu verstaerktem Arbeitsstress oder
Entlassungen fuehren, wenn wir nicht bereits in dieser
Uebergangsphase offensiv dagegen vorgehen und die
Unternehmerstrategien sabotieren.

Kaempfe entwickeln
Zurueckschlagen koennen wir da, wo wir zusammenkommen
und wo es weh tut. Die Zusammenarbeit mit anderen
ArbeiterInnen gibt uns die Moeglichkeit, uns gemeinsam
gegen die diversen Uebelkeiten des Arbeitsalltags zu
wehren: wir muessen uns taeglich mit anderen
ArbeiterInnen absprechen, um unsere Arbeit
"ordentlich" erledigen zu koennen. Dabei haben wir
Kontakt mit Leuten aus verschiedenen Abteilungen,
Standorten und "Berufsfeldern". Ohne diese oft
inoffizielle Zusammenarbeit wuerde der Laden
zusammenbrechen. 
Wir koennen diese Form der Organisierung auch umdrehen
(statt Kundendaten halt Sabotagetipps und Streikinfos
austauschen) und uns in gemeinsamen Aktionen gegen die
Unternehmer durchsetzen. Wir brauchen hier keine
"aeussere" Organisierung, die uns "vertreten" soll
(wie Betriebsrat oder Gewerkschaften).
Unsere Antwort auf die Krise und die Angriffe der
Unternehmer kann nicht in Zurueckhaltung und Verzicht
liegen. Sie kann nur darin bestehen, unsere eigenen
Beduerfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und dafuer
zu kaempfen.

Fragen?
Wir koennen keine allgemeinen Vorschlaege dafuer
liefern, wie wir aus der Defensive kommen. Aber wir
koennen - ausgehend von den bisherigen Kaempfen -
Fragen stellen, die uns dabei helfen koennen:
* Welche Kampfformen entsprechen unseren unmittelbaren
Faehigkeiten und Beduerfnissen: gemeinsames
"Arbeiten-nach-Vorschrift", andere Formen der
Sabotage, offener Streik, ...? 
* An welchen Punkten koennen wir die Unternehmer
empfindlich treffen: zu Zeiten langer Warteschleifen,
waehrend Testphasen von neuen Technologien...? 
* Wie koennen wir die Betriebsmauern ueberwinden, um
die Versuche des Unternehmers zu untergraben,
ArbeiterInnen in anderen Call Centern als
StreikbrecherInnen einzusetzen? 
* Wie koennen wir Verbindungen zu Kaempfen von
ArbeiterInnen in anderen Bereichen herstellen und
voneinander lernen, weil wir uns gegen aehnliche
Bedingungen wehren? 
* Wie koennen wir dies tun, ohne unser Schicksal in
die Haende der Gewerkschafts- oder anderer Apparate zu
legen?
ANTWORTEN FINDEN SICH NUR IN DEN KAEMPFEN SELBST!


STREIKS UND ANDERE KONFLIKTE IN CALL CENTERN
Hier einige Berichte zu Konflikten und Streiks in der
letzten Zeit. Zu einigen anderen versuchen wir noch
mehr Infos zu bekommen, z.B. den tageweisen Streiks
von ArbeiterInnen bei bei Telecom Italia bzw. TIM in
Italien gegen Auslagerung, unsichere
Arbeitsverhaeltnisse und schlechte Arbeitsbedingungen
und dem langen Streik von TeilzeitarbeiterInnen bei
Korea Telecom (KT) in Suedkorea, die sich gegen
Entlassungen und die Privatisierung von Abteilungen
wenden...
citibank/bochum
Der Streik fand 1998 im ausgelagerten Call Center der
Citibank in Bochum statt. Der Grund des Streiks war
die von der Unternehmensleitung angedrohte Schliessung
bzw. Verlagerung des Call Centers. Der Betriebsrat
schaltete die Gewerkschaft ein, die den Streik mit der
Forderung nach Tarifverhandlungen auf eine "legale
Basis" stellte. Gestreikt wurde nur an drei Tagen
ueber Monate verteilt. Die Unternehmensleitung
engagierte StreikbrecherInnen ueber Leihfirmen und
leitete Anrufe vom bestreikten Call Center in Bochum
zum Citibank Call Center nach Aachen. Ende Juni 1999
wurde das Call Center geschlossen. Nur 50 von 400
ArbeiterInnen bekamen einen Uebernahmevertrag fuer das
neue Call Center in Duisburg. Aehnliches passierte
zeitgleich an anderen Standorten (z.B. Gelsenkirchen,
wo 500 Citibank-ArbeiterInnen entlassen wurden). Die
Schwaeche des Streiks hatte verschiedene Gruende: Die
ArbeiterInnen ueberliessen mit der Forderung nach
Tarifverhandlungen den Gewerkschaften die Organisation
des Streiks. Da der Streik nur an einzelnen Tagen
stattfand, konnte er keine Durchsetzungskraft
entwickeln. Es wurde nicht geschafft, Kontakt zu
ArbeiterInnen in Gelsenkirchen oder anderen Standorten
aufzubauen, um gemeinsame Aktionen zu koordinieren
oder Streikbruch zu verhindern. Die von der
Gewerkschaft und dem Betriebsrat organisierten
symbolischen Aktionen (Protestkundgebungen vor der
Hauptverwaltung, Oeffentlichkeitsarbeit in
Fussgaengerzonen), verstaerkten auf Seiten der
ArbeiterInnen nur das Gefuehl der eigenen Ohnmacht und
Passivitaet.
(Mehr auf www.motkraft.net/prol-position unter
"Berichte")

british telecom/britannien
m Dezember 1999 machten ArbeiterInnen der Call Center
der British Telecom (BT) im ganzen Land einen
eintaegigen Streik. Hauptsaechlich ging es um den
Einsatz von mehr ZeitarbeiterInnen, den wachsenden
Arbeitsdruck, unrealistische Arbeitsvorgaben und die
miese Behandlung durch die Chefs. Am Streik waren 4000
ArbeiterInnen aus 37 Call Centern beteiligt. Die
ZeitarbeiterInnen nahmen nicht teil. Die
KommunikationsarbeiterInnen-Gewerkschaft (CWU) rief
anfangs zu drei eintaegigen Streiks auf, aber nachdem
die Geschaeftsfuehrung sie als Verhandlungspartner
anerkannt hatte, sagte sie die letzten beiden ab.
Ueberraschend? Der Streik hat nichts wirklich
veraendert. Er war zu kurz, stoerte den Arbeitsprozess
nicht nachhaltig. Fuer einige BT-ArbeiterInnen war
dies nicht genug. Als die Zeitarbeitsfirma Manpower im
Maerz 2000 durch Hays ersetzt wurde und sofort die
Loehne gesenkt wurden, lehnten einige die neuen
Vertraege ab oder begannen mit einer Reihe von
Sabotageaktionen, um zu zeigen, wie sie sich fuehlten.
So wurde z.B. stundenlang die Zeitansage von Zimbabwe
angerufen und "Arbeit nach Vorschrift" gemacht - was
den ArbeiterInnen jede Menge Zeit fuer Quatschen,
Geschichtenerzaehlen und andere
Arbeitsverweigerungs-Taktiken liess. Bei BT nehmen die
prekaeren Jobs mit geringen Loehnen und
Zeitarbeitsvertraegen weiter zu. Ebenso der
Arbeitsstress. Die Geschaeftsfuehrung versucht als
"Zuckerbrot" eine moegliche Festanstellung einzusetzen
und droht gleichzeitig mit der "Peitsche" der
Entlassung. Die Frage ist, wie die Spaltung der
ArbeiterInnen in Festangestellte und ZeitarbeiterInnen
mit schlechteren Bedingungen auch die Faehigkeit zum
gemeinsamen Kampf beeinflusst. 
(Mehr auf www.motkraft.net/prol-position unter
"Berichte")

audioservice/berlin
Bei Audioservice verkaufen etwa 70 ArbeiterInnen
telefonisch Tickets, CDs, Videos usw. Die meisten sind
StudentInnen, die nur einen Rahmenvertrag ohne feste
Arbeitszeiten, ohne bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung
im Krankheitsfall usw. bekommen. Im Sommer 2000
diskutierten die ArbeiterInnen, wie sie verhindern
koennten, dass die sowieso schon unsicheren
Rahmenvertraege in "Tageloehner-Vertraege" umgewandelt
werden, und wie sie am besten feste Arbeitsvertraege
mit bezahltem Urlaub etc. durchsetzen. Sie machten
eine Unterschriftliste, die etwa 30 ArbeiterInnen
unterschrieben. Daraufhin wurden etwa die Haelfte von
ihnen gekuendigt. Einige haben vor dem Arbeitsgericht
geklagt und zwischen 500 und 4900 DM bekommen. Die
Unterschriftenliste hat offensichtlich nur dazu
gefuehrt, dass die Geschaeftsleitung die Namen der
"Unzufriedenen" kannte und die dann gezielt kuendigen
konnte. Obwohl sich die "StudentInnen" auch ausserhalb
der Arbeit trafen und einen Zusammenhalt hatten, gab
es offenbar nicht die Moeglichkeit oder
Entschlossenheit, auch hier "den Laden dicht zu
machen". Unterschriften zeigen den Bossen zwar, dass
was im Busch ist, sie koennen aber auch gleich
reagieren und die Leute angreifen. Vielleicht waere
eine direkte Aktion doch sinnvoller gewesen.
(Mehr auf www.callcenteroffensive.de)

hotline gmbh/berlin
Bei der Hotline Gmbh (etwa 150 ArbeiterInnen, die
meisten StudentInnen in Teilzeit) wird im Auftrag
externer Kunden telefoniert (Berlikomm, Ares-Strom).
Nachdem Ende letzten Jahres 40 Leute ?wegen
Reduzierung eines Grossauftrags? gekuendigt wurden,
ueberlegten sich einige ArbeiterInnen, wie sie dieses
in Zukunft verhindern koennten. Sie bereiteten die
Gruendung eines Betriebsrates vor und holten sich Rat
bei der IG Medien. Die Geschaeftsfuehrung bekam das
mit und veranstaltete im Gegenzug eine eigene
Betriebsversammlung. Dann entliess sie im Februar
unter fadenscheinigen Begruendungen ueber 20
ArbeiterInnen. Die bekamen Unterstuetzung von der
Berliner Initiative Callcenteroffensive und machten
gemeinsam eine Demo mit etwa 50 Leuten vor dem Call
Center. Danach liefen noch Arbeitsgerichtsprozesse
(auf Wiedereinstellung), bei denen Abfindungen
zwischen 500 und 4000 DM raussprangen (die am meisten
Stress gemacht hatten, bekamen am meisten!). Die
Bedingungen und das Arbeitstempo im Call Center wurden
nach der Auseinandersetzung weiter verschaerft.
Ausserdem begann eine "Jagd" auf die FreundInnen der
Entlassenen, die noch bei Hotline arbeiteten. Da
einige einer antifaschistischen Initiative nahestehen,
wollte die Geschaeftsfuehrung all jene rausschmeissen.

Verpasste Chance?! Da sich etliche ArbeiterInnen eh
von ausserhalb kannten, waere es vielleicht moeglich
gewesen, den Laden in einer gemeinsamen Aktion zu
besetzen und den "Produktionsablauf" zu unterbrechen,
um Druck auf die Geschaeftsfuehrung auszuueben.
(Mehr auf www.callcenteroffensive.de)

adm/berlin
Fuer Adm telefonieren in Berlin 500 Leute im In- und
Outbound u.a. fuer die GASAG und Tele2. Die meisten
sind StudentInnen. Die Bedingungen sind gekennzeichnet
von "miesen Arbeitsbedingungen, nerviger Kontrolle und
schlechten Loehnen" (aus einem Flugblatt). Nachdem ein
Antrag von ueber 70 ArbeiterInnen auf die Gewaehrung
von bezahltem Urlaub von der Geschaeftsfuehrung
abgelehnt wurde und im April 2001 ueber 80
ArbeiterInnen entlassen wurden, bildeten einige
ArbeiterInnen eine "Arbeitsgruppe" und schrieben ein
Flugblatt, in dem sie u.a. Kranken- und Urlaubsgeld
sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verlangen.
Leute von der Initiative Callcenteroffensive machten
ebenfalls ein Flugblatt, das sie im Call Center
verteilten. Einige der Gekuendigten klagten und
bekamen zwischen 500 und 3000 DM. Nach den
Kuendigungen und den Aktionen haben sich die
Bedingungen weiter verschaerft. Die Kontrollen am
Eingang sind schaerfer geworden (u.a. mit Kameras), es
wird staerker auf Puenktlichkeit geachtet, usw.
Brisant ist, dass die Gewerkschaft ver.di mit der
Adm-Geschaeftsfuehrung ueber einen Haustarifvertrag
verhandelte und sich angesichts der selbsttaetigen
ArbeiterInnen und dem Einmischen der
Callcenteroffensive in einem Brief an alle
ArbeiterInnen gegen "ueberzogenen Aktionismus" wandte,
der die "Verhandlungen negativ begleiten" wuerde.
Klar, was nicht unter der Kontrolle von ver.di
stattfindet, ist natuerlich unertraeglich!
(Kontakt: arbeitsgruppeADM@web.de
Mehr auf www.callcenteroffensive.de)

verizon/usa
Im August 2000 streikten beim
Telekommunikationskonzern Verizon ueber 85.000
ArbeiterInnen, darunter Techniker und viele Call
Center-ArbeiterInnen. Die offiziellen
Streikforderungen waren hoehere Loehne, weniger
Pflicht-Ueberstunden, Verringerung der
Arbeitsbelastung, Begrenzung von Auslagerung von
Betriebsteilen und die Moeglichkeit fuer die
Gewerkschaften, ArbeiterInnen in der Mobilfunk- und
Internetsparte zu organisieren. Die Bedingungen in den
Call Centern sind gepraegt durch Schichten von zehn
Stunden und mehr, vorgeschriebenen
Standardformulierungen, genauer Ueberwachung,
Pflicht-Verkaufsvorgaben, Stress durch die hohe Anzahl
der Anrufe, usw. Die Gewerkschaften der
KommunikationsarbeiterInnen (CWU) und der Elektriker
(IBEW) organisierte den Streik und verhandelte mit der
Konzernleitung. Die setzte etwa 30.000 Angestellte als
StreikbrecherInnen in der Reparatur und den Call
Centern ein. Obwohl zudem die meisten Anrufe
automatisch vermittelt werden, der Betrieb bei Verizon
also weiterlief, konnte die Konzernleitung nicht
verhindern, dass die Call Center schnell blockiert
waren, Kundenanrufe nicht mehr bearbeitet werden und
wichtige Reparaturen liegen blieben. Ausser den
Streikposten vor Hunderten Verizon-Gebaeuden gab es
auch eine Reihe von Sabotageaktionen an Schaltkaesten
und Leitungen sowie Angriffe auf Reparaturwagen, die
von Streikbrechern gefahren wurden. Nach zwei Wochen
lenkte die Konzernfuehrung an vielen Punkten ein und
stimmte einem neuen Tarifvertrag zu: die Loehne wurden
erhoeht, Team-Praemien eingefuehrt, die Ueberstunden
auf acht pro Woche reduziert, Versetzungen begrenzt
und den Gewerkschaften gestattet die Mobil- und
Internet-Sparten zu organisieren. Sicher spielte hier
eine Rolle, dass die Gewerkschaft bei Verizon noch 60
Prozent der ArbeiterInnen organisierte, und bei ueber
85.000 Streikenden soviel Druck entstand, dass viele
Forderungen durchgesetzt werden konnten. 
Wie problematisch ein solches Ergebnis ist, zeigt sich
im Arbeitsalltag in den Call Centern: jetzt wird halt
bei etwas mehr Lohn und mit nur 1,5 Ueberstunden am
Tag gearbeitet, vielleicht auch mit ein paar Anrufen
weniger. Aber wie sagte schon der
CWU-Gewerkschaftspraesident Morton Bahr zum
Streikausgang: "Dieses Ergebnis sichert die Zukunft
unser Mitglieder in dieser Firma und hilft auch
Verizon, seine Wettbewerbsfaehigkeit zu erhoehen". 
Die Maloche geht weiter.
(Mehr auf www.motkraft.net/prol-position unter
"Berichte")

ISI MARKETING IST EIN TOLLER LADEN!
Erstmal 40 Stunden umsonst malochen ohne
Arbeitsvertrag, danach fuer 12 DM die Stunde mit
ungarantierten Praemien, Lohnkuerzungen im
Krankheitsfall... das soll kein "S........job" sein?
So bezeichneten das jedenfalls ein paar FreundInnen,
die bei ISI Marketing arbeiten gingen und ein
Flugblatt gegen ihre Arbeitsbedingungen schrieben
(siehe www.motkraft.net/prol-position unter
"Flugblaetter"). Die ISI-Unternehmensleitung fand das
gar nicht toll. Da sie weder die betreffenden
ArbeiterInnen noch die FlugblattverteilerInnen krallen
und zu drei Jahren Zwangstelefonieren verdonnern
konnte, bediente sie sich des buergerlichen Gesetzes,
um damit "den ArbeiterInnen das Maul zu verbieten":
Sie setzte den Provider "free", bei dem das
hotlines-Flugblatt veroeffentlicht wurde, mit
einstweiligen Verfuegungen unter Druck. Dabei zerrt
ISI u.a. den Begriff "S........job" aus dem Flugblatt
ran und bezieht sich auf das "Gesetz gegen unlauteren
Wettbewerb". Kein Wort zu den Arbeitsbedingungen an
sich: ISI weiss schon warum! Folge dieses juristischen
Streits bisher: der Provider "free" muss jede Menge
Kohle fuer Gerichtskosten etc. locker machen und die
Website wurde verlegt, um "free" weiteren Stress zu
ersparen. Der Zensurversuch von ISI Marketing wurde
von vielen unabhaengigen Providern, von
gewerkschaftlichen Gruppen u.a. kritisiert. Viele
haben auch das Flugblatt und weitere Erklaerungen zum
Angriff von ISI verbreitet. Es geht hier aber nicht
nur darum, das Internet offen fuer den freien
Austausch von Infos zu halten. Es geht auch um den
Kampf gegen die Arbeitsbedingungen selbst. An diesen
Bedingungen koennen nur die Leute was aendern, die
dort arbeiten muessen. Also: Falls ihr Erfahrungen mit
ISI und anderen Laeden habt und davon berichten wollt:
Schreibt uns! (Spendenkonto fuer "free": Freie
Arbeiterinnen und Arbeiter Union, Kontonr.: 96 152
201, Postbank Hamburg, BLZ 200 100 20, Stichwort: FREE
/ schaut auch mal unter: 
www.ainfos.ca/01/may/ainfos00353.html 
www.ainfos.ca/01/may/ainfos00569.html 
www.ainfos.ca/01/jun/ainfos00371.html

HOTLINES 4: DER SERIE LETZTE FOLGE
Dies ist das vierte und letzte in einer Reihe von
Flugblaettern: 1. zu Arbeitszeitverlaengerung; 2.
Arbeitsintensivierung; 3. Sinn und Unsinn der Arbeit;
und hier 4. zu Kaempfen von ArbeiterInnen. Alle
Flugblaetter und mehr Berichte findet ihr auf der
Website www.motkraft.net/prol-position.
Zeit fuer eine kleine Bilanz und einen Ausblick: Als
wir im Oktober 2000 mit den Flugblaettern und der
Website anfingen, ging es uns in erster Linie darum,
die Diskussion ueber die Arbeitsbedingungen und
Moeglichkeiten von Kaempfen zu unterstuetzen. Wir
wollten einen Austausch von Berichten aus den Call
Centern anregen, Informationen zirkulieren lassen,
Kontakte zu ArbeiterInnen aufbauen und weitergeben.
Das hat zum Teil hingehauen.
Die Flugblaetter fuehrten zu einiger Aufregung und
Diskussionen bei der Arbeit. Die ebbten aber jeweils
nach ein paar Tagen wieder ab. Wir haben Emails
bekommen, in denen wir zum Weitermachen aufgefordert
werden, aber es gab wenig eigene Berichte (wie der
einer australischen Call Center-Arbeiterin), wenig
inhaltliche Diskussionsbeitraege zu den Flugblaettern.
Zwar bekommen wir von etlichen Leuten und Gruppen
regelmaessig Infos, aber es hat sich keine groessere
Diskussion zu den Chancen von neuen Kaempfen
entwickelt.
Dafuer muessen wir - auch angesichts der wenigen
offenen Auseinandersetzungen in Call Centern - ueber
diesen Bereich hinausgehen. Wir denken, dass Call
Center nicht isoliert, sondern Orte der Ausbeutung
sind wie andere Bueros, wie Fabriken, Baustellen oder
Krankenhaeuser. In Call Centern koennen wir von
Kampferfahrungen in anderen Bereichen lernen. 
Wir werden versuchen, mehr Interviews mit und Berichte
von ArbeiterInnen zu bekommen, die in ihrem Betrieb
oder ausserhalb was machen oder an einem Streik
beteiligt sind. An brisanten Punkten werden wir zudem
auch weiter mit Flugblaettern in die
Auseinandersetzung eingreifen. Bleibt dran!
Eure hotlines

www.motkraft.net/prol-position
hotlines@motkraft.net


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