A - I n f o s
a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **

News in all languages
Last 30 posts (Homepage) Last two weeks' posts

The last 100 posts, according to language
Castellano_ Català_ Deutsch_ English_ Français_ Italiano_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ All_other_languages
{Info on A-Infos}

(de) Erfurt: Aufruf zur Antifa-Demo 11.3.2000

From Nico MYOWNA <I-AFD_2@anarch.free.de>
Date Fri, 10 Mar 2000 04:16:32 -0500


 ________________________________________________
      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
 ________________________________________________

Liebe Freundinnen und Freunde,

mit Entsetzen und Empörung mußten wir am Samstag den 26.02. mit ansehen,
dass 400 Alt- und Neonazis in der Erfurter Innenstadt aufmarschierten. Etwa
hundert Menschen waren bereits am selben Tag auf der Strasse, um der braunen
Hetze entgegenzutreten.
Dennoch und nicht zu letzt wegen dem Verhalten der Polizei, die Tränengas,
Stiefel und Fäuste gegen die GegendemonstrantInnen einsetzte, blieb der Tag
ein Triumph für die militante Rechte.
Wir, Menschen aus Gewerkschaften, PDS, Bündnis 90/Grüne und
antifaschistischen Initiativen, möchten am 11.03. mit einer großen
Demonstration zum Ausdruck bringen, dass es in Erfurt und ganz Thüringen
viele Menschen gibt, die sich dieser Entwicklung mit Zivilcourage und
Engagement widersetzen. Wir halten es für wichtig, dass es hierfür einen
breiten Aufruferkreis, der von möglichst vielen Organisationen und
Einzelpersonen unterstützt wird.

Wir möchten Euch/Dich/Sie herzlich bitten, diesen Aufruf zu unterstützen und
um weitere Unterstützung der Demonstration zu werben.

Wir bitten alle UnterstützerInnen dies bis Freitag 03.03.00 an Hans-Jürgen
Heinemann (DGB-Landesbezirk; tel. 0361-5961420 oder fax 5961444)
mitzuteilen.

Mit solidarischen Grüßen

Angelo Lucifero


Aufruf
_____
Courage zeigen - Aufrecht gehen û
Nicht im Gleichschritt marschieren!

Aufruf zu einer Demonstration und Kundgebung am 11. März in Erfurt


Nach der Demonstration der NPD am 19. Februar in Gera marschierten am 26.
Februar in Erfurt zum zweiten Mal in diesem Jahr mehrere hundert Anhänger
und Mitglieder neofaschistischer und nationalistischer Organisationen durch
Thüringer Innenstädte.

In Gera wurde gegen ein Flüchtlingsheim volksverhetzend agitiert. In Erfurt
beanspruchte die von der "Interessengemeinschaft Wiedervereinigung
Gesamtdeutschland" (IWG) angemeldete Demonstration unverhohlen polnisches
und tschechisches Territorium. In beiden Fällen tonangebend die Thüringer
NPD und die militante Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz". Diesen beiden
Organisationen ist in den vergangenen Jahren eine Vernetzung gelungen, die
weit über ihr Mitgliederspektrum hinausreicht. Dem entspricht die seit
Jahren anhaltende Zunahme rechtsextremer Straftaten in Thüringen.
Untersuchungen gehen von einem rechtsextremen Einstellungspotential von bis
zu 18 % in der Bevölkerung aus. Allein 40 % der Thüringer Jugendlichen sind
in mehr oder weniger starkem Maße ausländerfeindlich eingestellt.

Wir haben es nicht mit einem "importierten" Problem zu tun, sondern mit
einer mobilisierungs- und handlungsfähigen militanten Rechten in Thüringen.

In den letzten Wochen wurde in Thüringen über das Für und Wider von Verboten
gegen neofaschistische Aufmärsche gestritten. Es gibt Gründe, mit Verboten
deutlich zu machen, dass die Demokratie gegen Angriffe geschützt wird. Es
gibt ebenso Gründe, dass die Demokratie  das Grundrecht auf Meinungsfreiheit
auch bis zur Schmerzgrenze garantieren muss.

Der Reduktion der öffentlichen Debatte auf die Frage des Verbotes von
Demonstrationen halten wir entgegen: Weder mit, noch ohne Verbote kann das
Anwachsen neofaschistischer Strukturen in Thüringen gestoppt werden.
Erforderlich ist, dass sich mehr Menschen gegen Rassismus, Nationalismus und
gegen autoritäre Politikmodelle bekennen. Wenn hunderte Alt- und Neonazis
aufmarschieren wollen, dann muss die demokratische Gesellschaft sich
politisch und öffentlich dagegen positionieren.

Zu viele Menschen und Organisationen der Zivilgesellschaft haben in den
vergangenen Wochen geschwiegen. Die betroffenen Kommunen und Behörden haben
Entscheidungen getroffen, die das Engagement gegen neofaschistische
Aufmärsche teilweise nicht unterstützt, sondern behindert haben. In Gera
forderte der Oberbürgermeister auf, nicht gegen die NPD zu demonstrieren. In
Erfurt setzte die Polizei Tränengas, Stiefel und Fäuste gegen diejenigen
ein, die sich dem neofaschistischen Aufmarsch entgegenstellten.

Wir, die Unterzeichnenden erklären hiermit, heute und in Zukunft nicht
tatenlos zuzusehen, wenn Menschen die Grundlagen eines vom Gedanken der
Verständigung getragenen gleichberechtigten Zusammenlebens aller angreifen.

Wir werden nicht hinnehmen, daß Menschen wegen ihres sozialen oder
politischen Hintergrunds, wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer
weltanschaulichen, religiösen oder sexuellen Orientierung, wegen ihres
Aussehens oder einer Behinderung diskreditiert oder diskriminiert werden.

Wir können nicht zulassen, dass Menschen, die sich mit Zivilcourage
rassistischer und menschenverachtender Demagogie entgegenstellen Ziel und
Opfer von Repression und Gewalt werden.

Der Schutz der Menschenrechte und der Demokratie ist eine Aufgabe aller.

Wir rufen dazu auf, am 11.03.2000 um 11 Uhr ein Zeichen gegen Neofaschismus
und Rassismus, für die Achtung der Menschenrechte und die Wahrung der
Demokratie zu setzen. Thüringen darf sich nicht weiter zu einer Quelle und
zum Aufmarschgebiet eines neuen deutschen Faschismus entwickeln.



Zur Demonstration rufen auf:
Aktionskreis für Frieden Erfurt e.V., Julika Bürgin (Vorsitzende
Flüchtlingsrat Thüringen e.V.), DGB-Bildungswerk Thüringen e.V., Steffen
Dittes (MdL PDS-Fraktion ), Michael Ebenau (Gewerkschaftssekretär der IG
Metall, Jena), Marco Eilers (Landesvorstand Bündnis 90/Grüne), Heiko Gentzel
(MdL, Vorsitzender SPD-Fraktion), Roland Hahnemann (MdL, PDS-Fraktion),
Dieter Haushold (PDS-Landesvorsitzender), Hans-Jürgen Heinemann (DGB
Landesbezirk), Ute Hinkeldein (Aktionskreis für Frieden Erfurt e.V.), Angelo
Lucifero (Landesvorsitzender der Gewerkschaft hbv, Sprecher der LAG
AntiFa/Antirassismus), Carsten Meyer (Landesvorstand Bündnis 90/Grüne),
Infoladen Sabotnik, Offenes Antifa Plenum Erfurt, Gruppe Pakt, Gisela
Rexrodt (Landesvorstand Bündnis 90/Grüne), Astrid Rothe (Landessprecherin
Bündnis 90/Grüne), Jürgen Schäfer (Geschäftsführer des DGB-Bildungswerk
Thüringen e.V.), Frank Spieth (DGB Landesvorsitzender), Jürgen Spilling
(VVN-BdA), Thomas Damm (Rechtsanwalt Erfurt), Gabi Zimmer (MdL, Vorsitzende
der PDS-Fraktion), Jörg Zimmermann

(Stand: 1. März 2000)


                       ********
               The A-Infos News Service
      News about and of interest to anarchists
                       ********
               COMMANDS: lists@tao.ca
               REPLIES: a-infos-d@lists.tao.ca
               HELP: a-infos-org@lists.tao.ca
               WWW: http://www.ainfos.ca
               INFO: http://www.ainfos.ca/org

 To receive a-infos in one language only mail lists@tao.ca the message
                unsubscribe a-infos
                subscribe a-infos-X
 where X = en, ca, de, fr, etc. (i.e. the language code)


A-Infos
News