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(de) Buchbesprechungen: Neue Soziale Bewegungen / Selbstverwaltung in

From Nico MYOWNA <I-AFD_2@anarch.free.de>
Date Sun, 5 Mar 2000 12:41:21 -0500


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            http://www.ainfos.ca/
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Aus CONTRASTE Nr. 185:

BUCHBESPRECHUNGEN

Beforscht und fuer "...." befunden:
Neue soziale Bewegungen

Wohl keine Gruppe hat neue soziale Bewegungen unter
wissenschaftlichem Blickwinkel so lange und kontinuierlich
begleitet, wie das seit zehn Jahren bestehende
Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen.
Dessen Herausgeber sind bestens geeignet den aktuellen
Forschungsstand widerzuspiegeln. Herausgekommen ist ein guter
Sammelband eben ueber den
Forschungsstand - aber auch nicht mehr.

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Insgesamt 18
Beitraege dokumentieren in dem Sammelreader "Neue soziale
Bewegungen" herausgegeben von Ansgar Klein, Hans-Josef
Legrand und Thomas Leif den aktuellen Stand der
"Bewegungsforschung". Bekannte Autorennamen sind
u.a. Dieter Rucht, Roland Roth oder Joachim Raschke.
Das Buch setzt fuenf Schwerpunkte:

* Die Impulse der Neuen Sozialen Bewegungen (NSB)
fuer Gesellschaft und Politik;
* Bilanzen und Perspektiven der Bewegungsforschung;
* Rolle der NSB fuer die Transformation der ehemaligen DDR;
* Erfahrungen der Frauen-, Friedens-, Oekologie- und
Solidaritaetsbewegungen;
* Auswirkungen der Globalisierung auf die NSB.

Fest gehalten wird, die thematische Ausdifferenzierung,
die Organisationsbildung und vor allem die
Professionalisierung der Akteure der NSB. Dass die damit
verbundene
Institutionalisierung mit dem Ende der sozialen Bewegungen
gleichzusetzen ist, hat in der aktuellen Diskussion eher
abnehmendes Gewicht. Im Gegenteil wird der
rueckblickende Deutungs- und Interpretationsstreit ueber
die Bewertung der NSB in dem Band sehr sachlich und rational
abgehandelt.

Dies ist aber auch ein wenig das Manko der Veroeffentlichung:
die distanzierte Betrachtung. Vieles bleibt dem
"Historischen" verhaftet. Die Vielfalt wenn auch kleiner,
dafuer aber aktueller Ansaetze und ihre anschauliche
Beschreibung fehlt - vielleicht ein Kennzeichen der sich
etablierenden Wissenschaftler, die sicherlich mehr Distanz
als frueher zu ihrem "Gegenstand" aufweisen. Das aendert
nichts daran, dass die Veroeffentlichung fuer eine intensive
Auseinandersetzung mit den NSB ein Muss darstellt.

Ansgar Klein / Hans-Josef Legrand / Thomas Leif
(H.): Neue Soziale Bewegungen. Impulse, Bilanzen,
Perspektiven, (Westdeutscher Verlag) Opladen /
Wiesbaden 1999, DM 68,00.

                -------------------

Gegruendet und professionalisiert:
Selbstverwaltung in der Schweiz

Zur besseren Einschaetzung der Selbstverwaltungsbewegung hilft
der Blick ueber die Landesgrenzen hinaus, eigene Kenntnisse
und Einschaetzungen zu fundieren. Dazu besonders geeignet
erscheint eine Veroeffentlichung ueber die Selbstverwaltung in
der Schweiz, herausgegeben von Isidor Wallimann. Ein
umfassender empirischer Ueberblick, die genauere
Analyse der Gaststaettenbranche und sehr aufschlussreiche
Artikel ueber die Lohn- und die Leitungsproblematik sowie ueber
potenzielle Misserfolgsfaktoren
von Selbstverwaltungsbetrieben geben einen guten
Einblick in die Schweizer Szene.

Burghard Flieger, Red. Genossenschaften - Empirisch
abgesicherte Veroeffentlichungen ueber selbstverwaltete
Betriebe
sind selten geworden. Dieses veranschaulicht der Aufsatz
von Mathias Hasler mit dem Titel "Selbstverwaltung
(K)eine Modeerscheinung?". Immerhin konnten von
373 angeschriebenen Schweizer Betrieben 220 in die Auswertung
einbezogen werden. Aus deren Antworten wird
deutlich, dass drei Viertel aller Neugruendungen in den
Jahren zwischen 1978 und 1988 stattfanden. Danach erfolgte
erst einmal ein sehr auffaelliger Rueckgang bei den
Gruendungen. Ist die Selbstverwaltung also doch nur ein
Eingenerationenphaenomen?

Hasler stimmt in die haeufig vorkommende
"Schwarz-Weiss-Malerei" nicht ein. Er laesst sich weder auf
Aussagen wie "Selbstverwaltung ist die Zukunft" noch "Sie
wird nicht ueberleben" ein. Vielmehr arbeitet er mit dem
empirischen Daten heraus, dass sie wohl eine Alternative
zur herkoemmlichen Erwerbswirtschaft darstellt und
noch ueber eine Reihe von Weiterentwicklungspotenzialen
verfuegt. Aehnlich verhaelt es sich mit den anderen Aufsaetzen.
Sie sind sachlich, konkret, nicht abstrakt wissenschaftlich
und vermeiden die Euphorie aus der Zeit des
Gruendungsbooms.

Dies gilt auch fuer Franziska Amstutz mit dem Beitrag
"Selbstverwaltung im Gastgewerbe: Innerbetriebliche
Erfahrungen seit den 70ger Jahren". Sie interviewte sechs
Beizen in der Rechtsform der Genossenschaft. Deutlich
wird, dass Gaststaetten eine Domaene der Schweizer
Selbstverwaltung sind, vergleichsweise viele Neugruendungen
aufweisen und unter der hohen Fluktuation der Mitglieder
leiden. Ihr Ergebnis: "Im Gegensatz zu frueher, als diffuse
Idealvorstellungen dominierten, wird heute hoehere
Professionalitaet, klarere Strukturierung und Bereitschaft
zu vermehrter Eigenverantwortung ein hoeherer Stellenwert
beigemessen."

Auch die anderen Aufsaetze arbeiten bei den verschiedenen
Problemthemen die idealistischen Anfaenge und die
wachsende Pragmatik bei den Loesungsversuchen heraus.
So verdeutlicht Simone Seiler unter der Ueberschrift "Der
Lohn in der Selbstverwaltung: Ist der Einheitslohn passee?",
dass auch bei der wachsenden Zahl so genannter
abgestufter Lohnsysteme weiterhin Elemente des Einheitslohns
enthalten sind. Es werden aber weitere
Gerechtigkeitsansprueche als nur den der Gleichheit mit
einbezogen. Insofern kann betont werden: Die Aufsaetze geben
einen guten Einblick in den Diskussionsstand der
Selbstverwaltung in der Schweiz. Und vor allem enthalten sie
vielfaeltige Anregungen auch fuer die Auseinandersetzung in
Deutschland.

Isidor Wallimann (Hg.): Selbstverwaltung. Entwicklung und
Perspektiven, soziale Bewegungen, Krisen
und soziale Oekonomie (Edition Heuwinkel) Neu-Allschwil /
Basel 1996, DM 58,00.

Quelle: Contraste Nr. 185

CONTRASTE e.V., Postfach 10 45 20, D-69035 Heidelberg, Tel.
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