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(de) Diana Johnston zu MITROVICA [EXERPTS]

From Hartmut Gehrke-Tschudi <hgt@vitzlipu.ruhr.de>
Date Sat, 4 Mar 2000 03:11:18 -0500


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Wie es gemacht wird---
WIE MAN DIE BERGWERKE IN TREPCA ÜBERNIMMT: DIE PLÄNE UND DIE
PROPAGANDA
von Diana Johnston 28.2.00

Der Vergleich zweier Dokumente, des Papiers der International Crisis Group
(ICG) (internationale Krisengruppe) vom November 1999 über den
Bergwerkskomplex in Trepka und eines Artikels von ICG- Beraterin Susan
Blaustein im Toronto Star vom 23. Februar 2000 gewährt einen
aussergewöhnlich klaren Einblick in die Arbeitsweise der "internationalen
Gemeinschaft".

Die Internationale Krisengruppe (ICG) ist eine hochkarätige Denkfabrik, die
von dem Finanzier George Soros unterstützt wird. Sie wurde 1995 vor allem
dafür gegründet, Regierungen, die unter Führung der NATO, die Umgestaltung
des Balkans vornehmen, Handlungsempfehlungen zu geben. Eine Hauptfigur
dabei ist Morton Abramovitz aus der Spitze der U.S.-Politik, graue Eminenz
der neuen "humanitären Interventions" Politik und Sponsor der Kosovo
Albanischen Serparatisten.

Am 26. November letzten Jahres, gab die ICG ein Papier heraus mit dem
Namen: "Trepca: Sinn in das Labyrinth bringen (Making Sense of the
Labyrinth)", indem der UN-Mission im Kosovo (UNMIK) der Rat gegeben wurde,
schnellstmöglich die Bergwerksgruben in Trepka von den Serben zu übernehmen
und dem auch Erklärungen  beigefügt waren, wie das zu geschehen habe. Der
Februar-Artikel der ICG-Journalistin stellt eine Vulgarisierung der
anti-serbischen Position dar und ist   darauf angelegt, die Öffentliche
Meinung im Sinne der ICG-Politik zu beeinflussen. Es war sicher nicht der
der Letzte.

Das ICG-Papier: Manipulativ und doppeldeutig

Trepka ist ein Konsortium von ungefähr 40 Grubenbetrieben und Fabriken, die
zumeist, aber nicht alle, im Kosovo gelegen sind. Darunter vor allem Stari
Trg, "eine der ergiebigsten Gruben Europas" und die Ergiebigste auf dem
Balkan, die augenblicklich geschlossen ist, sowie die Zvekan-Hütte in
Smelter, die nordöstlich von Mitrovica gelegen ist und immer noch von einem
serbischen Management geführt wird. Sie ICG ruft die UNMIK unter Bernard
Kouchners Leitung dazu auf, den Streit um die Besitzrechte an der Industrie
abzubrechen und  das Management in eigene Hände zu nehmen.

Am 25. Juli erliess Kouchner ein Dekret, in dem es hiess, "(dass) die UNMIK
den festen und bewegliche Besitz, inklusive der Bankguthaben und anderen
von oder im Namen der serbischen Republik Jugoslawiens und der Republik
Serbiens oder einem ihrer Organe in der Republik Kosovo geführten
Besitztümer, verwalten soll. Das Papier der ICG schloss damit, dass UNMIK
und KFOR eine schnelle und entschiedene Übernahme des Trepca - Komplexes
vornehmen soll, einschliesslich der sofortigen vollständigen Schliessung
der Umwelt gefährdenden Anlagen in Zvecan." An Zvecan ist in Wirklichkeit
nur eines nicht in Ordnung, dass sie von Serben betrieben wird und für
Jugoslavien Gewinne erwirtschaftet.

Aber im "Szenario der Massnamen" [game-plan of measures]  die von der ICG
vorgeschlagen werden, wird der UNMIK weiter geraten ein "Zvecan Team zur
Bewerten des Umweltschutzes" [Zvecan environmental assessment team]
dahingehend zu instruieren, dass es über den Zustand der Ausrüstung
berichtet und "daraus Vorschläge für entsprechende Massnamen entwickelt..."
Umweltgefahren werden als Vorwand für die Schliessung von Zvecan benutzt
und entziehen den letzten Serben im Kosovo ihre Lebensgrundlage.
Inzwischen, soll "Stari Trg, eine der ergiebigsten Gruben Europas wieder
profitabel gemacht werden und oberste Priorität für die Investoren haben,
die dem Kosovo wieder auf die Beine helfen wollen. 

Die Handlungsanleitung [game-plan] sieht einen stufenweisen Beginn des
Abbaubetriebs vor, der den "Kosovaren", sprich ethnischen Albanern, ihre
Zukunft sichern hilft. Denn, obwohl die ICG sagt, dass "die Arbeiter und
Manager in allen Trepca Bereichen nur nach Qualifikations-Gesichtspunkten
der ausgesucht werden sollten," fügt sie hinzu "dass niemand mit Bindung an
das Belgrader Regime in Betracht kommen solle" -- abgesehen davon, dass sie
sowieso alle "Agenten Milosevics" sind werden üblicherweise alle Serben
grundsätzlich mit dem "Belgrader Regime" identifiziert.

Diese eklatante Übernahme wertvollen Besitzes in einem Gebiet, das nominell
immer noch ein Teil Serbiens ist, wird natürlich als notwendige Massnahme
zum Schutze der unterdrücken Albaner gerechtfertigt. "Die Rückkehr auch nur
einiger weniger hundert Kosovarischen Bergleuten würde für alle Kosovaren
das Zurückgewinnen ihrer Heimat bedeuten."

Man kann sich das Medienereignis leicht vorstellen. Wenn auch die
Feindschaft gegen die Serben ehrlich erscheint, so ist die Liebe zu den
Albanern aber nicht vollkommen. In der kurzen Aufzählung des ICGs über
vergangene ethnische Zusammenstösse wegen des Betriebs der Trepca-Gruben,
der mit der mit der üblichen anti-serbischen Tendenz unterlegt ist, erweist
sich die grundsätzliche Scheinheiligkeit dominierender Mächte, im
Ausspielen zweier Menschengruppen gegeneinander. Der ICG-Bericht merkt an,
dass "Trepca für Kosovo Albaner lange als das Symbol der serbischen
Unterdrückung und ihres eigenen Widerstands dagegen" galt und zählt dann
auf, dass nach 1974, als die Kosovaren die Trepca-Anlagen schliesslich
selber betreiben konnten, "die Kosovaren Tausende von Jobs schufen", das
aber "1981-82 eine Art `Trepca-gate ( Anspielung auf den Watergate-
Skandal)` -- in der kosovoalbanische Arbeiter bezichtigt wurden, große
Gold- und Silbermengen gestohlen zu haben -- den Vorwand für die Entlassung
vieler Ingenieure und Techniker lieferte." Ob es wirklich Diebstal war oder
nur ein "Vorwand", ist, so lange die Serben dafür verantwortlich sind, für
die internationale Gemeinschaft uninteressant...


Und nachher?  Der Report folgert: " Einfach die Trepca-Gruben den Kosovaren 
auszuhändigen, verbietet sich, angesichts der Knappheit vor Ort in der
Verfügbarkeit  neuster Technik, der Notwendigkeit international
verifizierbarer Standards gegen Korruption" sowie der Beschädigung der
Einrichtungen von selbst. Und was  die "Tausende von Jobs" angeht, die von
und für Kosovo-Albaner geschaffen wurden, die stehen nicht auf der
Tagesordnung der internationalen Gemienschaft. 

Die manipulative Scheinheiligkeit der ICG-Politik-Designer gegenüber den
Serben stinkt noch mehr zum Himmel. Die ICG drängt die UNMIK dazu, sich mit
dem Spielplan für die Übernahme der wertvollen Grupenkomplex noch vor den
den Wahlen in Serbien zu beeilen, damit einer dem Westen genehmeren
Regierung nicht vorgeworfen werden könne, "sie habe Trepca verloren". Alle
serbischen Führer, inklusive der Opposition, würden Protest einlegen
müssen, wenn UNMIK Trepca und die Zvecan-Hütten übernehmen würde, bemerkt
die ICG-Studie. "Sie könnten allerdings die Tatsache mit dem Argument für
sich ausbeuten, dass der `Verlust` auf den Pariah Status Milosevics
zurückführen sei und Serbien wieder einmal wegen seiner Präsenz im Amt
einen wichtige Aktivposten verloren habe. Unter der Massgabe dass die
Aktionen noch vor jeglichen Wahlen durchgeführt werden, würden Pläne zur
Absetzung Milosevics sogar befördert werden." Kurz, die internationale
Gemeinschaft wird Trepca übernehmen, wer auch immer in Belgrad herrscht.
Besser wäre es, es geschehe solange Milosevic noch im Amt ist, damit die
westlich unterstützte "fortschrittliche, demokratische" Opposition so tun
könne, als ob es Milosevichs Schuld sei!

Propaganda in den Medien: Vertrautes gegen Wahrheit

Soviel Zynismus ist kaum zu überbieten, aber es gibt immer noch Platz
genug, um ein Paar Lügen daran zu hängen. Das ist die Aufgabe der
Medienpropaganda, die es darauf anlegt, dass die breite Öffentlichkeit die
Politik, die in elitären Denkfabriken und Regierungen ausgedacht wird, auch
schluckt. Der Artikel von ICG-Seniorin und Beraterin Susan Blaustein vom
23.Februar im Toronto Star (ein kanad. Tageszeitung, d. Übers.):
"Mitrovica, Auslöser für den nächsten Balkankrieg [Mitrovica flashpoint for
the next Balkan war]" verdient den Jeamie Shea-Preis für die schamloseste
Kriegspropaganda des Monats. (Jamie Shea ist Natosprecher in Brüssel d.
Übers.). Alle Klischees werden aufgezählt. "Jahrhunderte alter Hass" (wir
sind nicht Schuld, Leute); dann der Hauptmissetäter: Milosevitch; die
unzuverlässigen Franzosen, die entgegen der Notwendigkeit der
internationalen Gemeinschaft "Rückgrat" zu zeigen und jedem "Versuch
Milosevics ihre Standfestigkeit zu erschüttern" entgegenzutreten, klein
beigeben haben. Für Blaustein steckt natürlich Milosevic hinter den Unruhen
in der Stadt Mitrovica und "sein grosses finanzielles Interesses" an den
Trepka-Gruben und Zvetan-Hütten. Die NATO hat das Kosovo besetzt und seit 8
Monaten lang zugesehen, wie Albaner die meisten der nicht-albanischen
Bevölkerung ermordeten, terrorisierten und vertrieben, aber Blaustein ist
in der Lage und schreibt ( und die Zeitung druckt es ): " Die Stadt ist der
Notnagel [lynchpin] in Belgrads Strategie, mit der Vertreibung aller
Nichtserben aus der Region ein `Gross-Serbien` zu schaffen." Der ICG-
Bericht von November 1999 merkte an, "(dass) Offizielle der internationalen
Finanzwelt schon länger beobachten, dass die Bergwerks-Industrie agesichts
ihrer Struktur die Nummer eins auf der ganzen Welt für Geldwäsche ist" und
betonte dass "das Interesse des Milosevic-Clans an der Ausbeutung der
Gruben möglicher weise über das Gewinne machen hinausgeht." Diese Vermutung
wird von Blaustein noch etwas weitergetrieben, indem sie schreibt, dass die
Hüttenwerke in Zvecan nach "weitverbreiteter Auffassung dem Regime als
nützliche Geldwäschemechanismus gedient hat". Und überhaupt, wenn die
Serben Zvecan wirklich zum Gewinne machen brauchen, warum sorgen sie dann
für Unruhe? Ach, dieser Milosevitch! Darum, weil "Mitrivica Milosevitchs
einzig verbliebener Halt im Kosovo ist." und darum " ist er entschlossen
die gesamte internationale Gesellschaft an der Nase herumzuführen [call the
bluff]". Die Welt ist eine grosse "Erprobung des Willens und der
Entschlossenheit (test of wills)" auf dem die Kleinen ständig die Grossen
"bluffen" bis die Grossen sie schliesslich auslöschen. Den Kleinen scheint
das irgendwie Spass zu machen. Weiss der Himmel, warum.
Blaustein fährt fort und entschuldigt die Albaner wegen deren
Gewalttätigkeiten kürzlich und gibt den Franzosen die Schuld. Nicht die
Serben werden aus dem Kosovo vertrieben, sondern die Albaner die "Opfer der
Schergen Milosevics sind, die ethnische albanische Zivilisten
beaufsichtigen, belästigen, terrorisieren und vertreiben, kurz alle, die es
wagen im serbischen Teil der Stadt zu leben oder dort hin zu fahren." Der
Racketenangriff auf einen Bus voll mit serbischen Zivilisten, bei dem zwei
Menschen getötet wurden, war "nicht unprovoziert"; die Albaner waren wegen
des ewigen Verschliessens der Augen der internationalen Gemeinschaft vor
der ständigen "Unterdrückung durch Serben an ethnischen Albanern"
ungeduldig geworden... Indem man dem albanischen Mob von wütenden
ethnischen Albanern nicht erlaubt, den letzten Teil Kosovos, in dem es
einigen Serben noch möglich ist mehr oder weniger normal zu leben, zu
übernehmen, geben nach Meinung von Blaustein, "internationale Offizielle
die von der UN festgestellte Verpflichtung auf, im Kosovo eine multi-
ethnische Gesellschafft zu schaffen und zu schützen". Dieser Abschnitt soll
im Voraus die Schuldigen am "nächsten Balkankrieg" kenntlich machen. Er
steht im völligen Widerspruch zu den Tatsachen, dem was während 8 Monaten
fremder Besatzung im Kosovo geschehen ist.

Wie kann es also jemand wagen, einen solchen Artikel zu veröffentlichen?
Die Antwort ist, dass die Propagandisten mit der Tendenz uninformierter
Leser rechnen,  das was ihnen geläufig und vertraut vorkommt für wahr zu
halten. Die Klischees über "Milosevic" und "Gross Serbien" sind vertraut.
Die Wahrheit nicht. Ob und wann "der nächste Balkankrieg" ausbricht und die
"internationale Gemeinschaft" die gesamte Kontrolle über den Trepca Gruben-
Komplex übernimmmt, braucht die abgelenkte Öffentlichkeit nicht so genau zu
erfahren, weil jeder sowieso schon alles weiss: Der Bösewicht Milosevic
macht wieder Ärger.

-Diana Johnstone, 28 Februar 2000
****
Den ICG-Report, "Trepca: Making Sense of the Labyrinth," finden Sie unter:
http://www.emperors-clothes.com/articles/Johnstone/icg.htm 

den Blaustein Artikel unter
http://www.emperors-clothes.com/articles/Johnstone/flashpoint.htm

Übersetzung: Hartmut Gehrke-Tschudi


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