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(de) CONTRASTE Nr. 186: Workers Beer Company

From contraste@link-n.cl.sub.de (Contraste e.V.)
Date Fri, 3 Mar 2000 17:37:36 -0500


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Aus CONTRASTE Nr. 186:

GROSSBRITANNIEN: EIN BESUCH AUF DER FAST SONNIGSTEN INSEL
EUROPAS

Workers Beer Company

In Frankfurt/Main beschaeftigen sich ein paar Leute
mit dem Thema Bier. Genauer gesagt mit einem
Modellprojekt zur Unterstuetzung linker Projekte, dass
sich an einem englischen Vorbild orientiert. Sie
wollen einen deutschen Ableger der
"workersbeercompany" gruenden. Michael
Holdinghausen vom Haus der Gewerkschaftsjugend
in Oberursel berichtete in der DGB-Zeitschrift "ran"
ueber die ersten Kontakte.

Angefangen hatte alles mit einem Besuch von 12 englischen
Kolleginnen aus dem Suedwesten Englands im
Haus der Gewerkschaftsjugend. Damals im April erzaehlten sie
uns irgendwas ueber eine mysterioese Firma, die
Geld erwirtschaftet und der Arbeiterbewegung zur Verfuegung
stellt. Eine Firma? Deren Gewinn an Gewerkschaften und
Projekte an der gewerkschaftlichen Basis weitergeleitet wird?
In diesem unserem heiss geliebten System?
Das kam uns Deutschen mehr als nur "spanisch" vor.
Durch eine Einladung von britischer Seite ergab sich fuer
einen Kollegen und mich die Moeglichkeit, dieses Phaenomen
einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und so
nahm ich im Juli 1999 die beschwerliche Reise zur sonnigen
Insel jenseits des Aermelkanals auf mich. Meine Reise
fuehrte mich zuerst einmal nach London, wo sich ein netter
Kollege mit mir in einem englischen Pub der ganz anderen Art
verabredet hatte. Im firmeneigenen "Bread &
Roses" gab es nicht nur praemierte Fotoausstellungen
und das sog. "Workers Ale" (Label mit einem
"rotefahne-schwingenden" Arbeiter), Beschaeftigte die alle in
der
"Transport & General Workers Union" organisiert sind,
sondern hier war auch die Zentrale der "Firma" - der
"Workers Beer Company".


Es stellte sich heraus, dass Aiden Grimes, mein Gegenueber,
auch ehrenamtlich - wie Tausende andere - fuer
die Workers Beer Company arbeitet. Er stellte mir auch einen
Grossteil des Personals vor. Eigentlich machten die
Leute einen angenehmen Eindruck. Ueberhaupt hatten
diese Leute wenig gemeinsam mit dem Auftreten und Erscheinen
von, in meiner Phantasie existierenden Vorstaenden und
Aufsichtsraeten anderer Firmen und Unternehmen. Krawatte,
Anzug und Kostuem suchte ich vergebens.
Vor allem interessierte mich, womit diese Firma handelte
und so viel Geld erwirtschaftet, um Arbeitsplaetze an der
gewerkschaftlichen Basis zu finanzieren.


Bier, wie der Firmenname schon vermuten laesst, war
die Antwort. Alles naehere wuerde ich schon noch sehen,
wenn wir zu einer Grossveranstaltung dieser Firma fahren
wuerden. Bis dahin hatte ich ein wenig Zeit, mir die
von Touristen ueberstroemte (und ich war jetzt ja einer von
ihnen) Stadt einmal naeher anzuschauen. Nach dem mir
Prinz Charles und die Queen dann doch nicht ueber den
Weg gelaufen sind ging's dann nach Reading zur
Grossveranstaltung der WBC. Ein Open Air Festival vom 27. bis
28. August 1999 mit ueber 70.000 BesucherInnen. Fuer die
WBC arbeiteten, neben mir, noch ueber 500 ehrenamtliche
HelferInnen, um die BesucherInnen bei Laune zu
halten und mit Fluessigkeit zu versorgen. Ja, und da ist
eine Menge Geld zu verdienen, denn die WBC besitzt bei
den Festivals das Monopol auf den Alkoholausschank. Neben
kleineren lokalen Events und dem Festival in Reading
"betreut" die Workers Beer Company noch andere
Open Airs, in London Fleadh, in Leeds, in Homelands und
das groesste Grossbritanniens in Glastonbury, mit einer
Gesamtbesucherzahl in 1999 von ca. einer halben Million
Menschen.

Was aber macht es so attraktiv fuer ueber 500 HelferInnen
taeglich 6 Stunden ihrer Arbeitskraft ehrenamtlich
der Firma zur Verfuegung zu stellen? Der freie Eintritt
(immerhin kostet die Karte fuer ein Festival zwischen 220 und
240 DM)? Saubere Unterbringung in einem eigenen
Camp? Sehr gute Verpflegung? Getraenke zum Selbstkostenpreis?
Sicherlich auch. Darueber hinaus jedoch findet
man selten so viele engagierte Leute aus dem linken Spektrum,
konzentriert auf einem Haufen, mit denen man
quatschen, kloenen, Spass haben, tanzen und vieles mehr
machen kann. Die HelferInnen werden von den verschiedensten
linken Organisationen "entsandt". Von "Amnesty" ueber lokale
"Greenpeace-Gruppen" bis hin zu
"Straigt left" oder engagierten GewerkschafterInnen ist
alles vertreten. Der Clou der ganzen Sache kommt aber
erst noch. Wie schon gesagt, ist die Arbeit der HelferInnen
ehrenamtlich, sie erhalten keinen Pfennig Lohn. Jedoch
bekommt die jeweilige Organisation, welche die HelferInnen
entsandt hat, einen Stundenlohn von knapp 15 DM
ausgezahlt. So schliesst sich der Kreis und alle sind
zufrieden. Die Organisationen, deren Mitglieder fuer das
lokale
Aktionskonto Geld verdienen, die HelferInnen selbst (aus
all den oben genannten Gruenden), die WBC, weil am
Ende doch noch eine ganz ansehnliche Summe unterm
Strich uebrig bleibt und natuerlich die Gewerkschaftsbewegung
die mit dem Gewinn der WBC basisorientierte
Gewerkschaftsarbeit vor Ort finanzieren kann. Als Beispiel
kann hier das "Organising Centre" in Battersea & Wandsworth,
Vororten von London, angesehen werden 
- www.respectatwork.org.uk.

Tja, und wer jetzt im Laufe der letzten Minuten Lust bekommen
hat sich das Ganze auch mal aus der Naehe anzuschauen, den
kann ich nur einladen, mitzukommen.
Und zwar vom 17. bis 26. Juni 2000. Dann naemlich werden wir
mit einer Gruppe von 10 britischen und 10 deutschen
Gewerkschafterinnen nach Bristol fahren. Der dort
stattfindende Bildungsurlaub mit dem Titel "This is a
journey into sound/...mixing pop and politics" wird uns
seelisch und moralisch auf das dann folgende Wochenende in
Glastonbury vorbereiten, wo wir mit 500 HelferInnen den
Umsatz der WBC in die Hoehe schrauben werden.


Noch Fragen? Dann ruft an, schreibt, faxt und/oder mailt
an Michael Holdinghausen, Haus der Gewerkschaftsjugend,
Koenigsteiner Str. 29, D-61440 Oberursel, Tel. (0 61
51) 59 03 22, Fax -27
E-Mail: michael.holdinghausen@hdgj.de
www.hdgj.de
Link zur WBC: www.workersbeer.co.uk
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CONTRASTE@t-online.de
Internet: http://www.contraste.org
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