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(de) Expo: Die Treuhandschaft des Nordens ueber den Sueden

From "Contraste e.V." <contraste@link-n.cl.sub.de>
Date Fri, 2 Jun 2000 01:15:43 -0400


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## Nachricht vom 31.05.00 weitergeleitet
## Ursprung : /CL/MAGAZINE/CONTRASTE
## Ersteller: CONTRASTE@LINK-N.cl.sub.de

Aus CONTRASTE Nr. 188, Schwerpunkt Teil 4

EXPO 2000

Die Treuhandschaft des
Nordens ueber den Sueden


Die EXPO propagiert wie die agenda 21 die
kapitalistische Wirtschaftsweise als das weltweit
allein seeligmachende Entwicklungsmodell. Analog
dazu fordern die EXPO-MacherInnen die
AusstellerInnen auf, sich dieses Dokument (1), das
1992 im Wesentlichen von den USA (George Bush)
und der BRD (Helmut Kohl) geschrieben wurde, zu
eigen zu machen. Dort steht ganz unverbluemt, dass
sich die Faehigkeit der Menschen im Sueden "zur
uneingeschraenkten Mitwirkung an einem auf eine
nachhaltige Entwicklung ausgerichteten Umgang mit
ihrem Land sich ..... als begrenzt erwiesen hat"
(Kap. 26.1).


Redaktion Saarland, AKTION 3.WELT Saar - In diesem Sinne
repraesentiert die EXPO die ideologische Treuhandschaft
des Nordens ueber den Sueden, die zur Not auch militaerisch
durchgesetzt wird. Ein Blick in die aktuellen
verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr, die
Militaereinsaetze zur Sicherung "strategischer Rohstoffe" und
des sog. "freien Welthandels" vorsehen, bestaetigt dies.
Die vor 500 Jahren von Europa ausgehende Eroberung
und Unterwerfung des Suedens wird so oekonomisch und
militaerisch fortgefuehrt. Und genau wie die Voelkerschau
von Hagenbeck im 19.Jahrhundert Menschen aus den Kolonien
"ausstellte", zeigt die EXPO im Begleitprogramm
multikulturelle Folklore aus aller Welt, zum Angucken,
aber nicht zur Auseinandersetzung ueber die Gruende von
z.B. Hunger oder rassistischer Alltagspraxis in der BRD.


Neben der bedingungslosen Marktglaeubigkeit propagiert die
EXPO Technikglaeubigkeit als Allheilmittel fuer
alle sozialen Probleme. Dabei ist die Existenz von Hunger
nicht ein Problem fehlender Gen- und Biotechnologie
beim Anbau von Nahrungsmitteln, sondern ein Problem
der Verteilung. Auch aktuell werden mehr Nahrungsmittel
produziert, als es Menschen gibt. Hunger wird geMacht. Die
Frage nach den dahinterstehenden Interessen
aber bleibt wissentlich auf der EXPO ausgeklammert.


Aehnlich wie die agenda 21 fuellt auch die EXPO nur alten Wein
in neue Schlaeuche um. Schon lange praesentieren die
wirtschaftlichen, politischen und kulturellen VertreterInnen
der oekonomisch fuehrenden Staaten das eigene Wirtschaftssystem
als den einzig gangbaren Entwicklungsweg fuer all die Staaten,
die sie als unterentwickelt definier(t)en. Am bekanntesten
ist dieser Anspruch, andere
zu entwickeln, in Form der staatlichen Entwicklungspolitik.
Genauso oft wird dies aber auch von VertreterInnen
der staatsnahen Zivilgesellschaft propagiert, den sogenannten
Nicht-Regierungsorganisationen (NGO). Diese
dringen mit ihren gutgemeinten Projekten in Gesellschaften
des Suedens ein und implantieren dort nachhaltiger als es jede
staatliche Stelle koennte, das Entwicklungsmodell der ersten
Welt.


Es blieb dem mexikanischen Entwicklungssoziologen
Gustavo Esteva vorbehalten, mit der ihm eigenen Klarheit
darauf zu verweisen, dass der Anspruch, andere zu
entwickeln, die Erfindung von Unterentwicklung voraussetzt
(2). Die EXPO 2000 ist eine wuerdige Enkelin dieses
Erbes, mit dem die Welt in entwickelt und unterentwickelt
eingeteilt wird. Verbunden mit dem "Wissen um den
richtigen Entwicklungsweg" wird daraus die Treuhandschaft des
Nordens ueber den Sueden abgeleitet.

Anmerkungen:
(1)
agenda 21: Abschlussdokument der UN-Konferenz
fuer Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro,
auf das sich heute viele Umweltgruppen beziehen.
(2)
Lesetip: Esteva, Gustavo: Fiesta, jenseits von Entwicklung,
Hilfe und Politik, Frankfurt 1995

Kasten

AKTION 3.WELT Saar

Die Organisation hat kein Projekt in der sog.
3.Welt, weil sie sich nicht anmasst andere zu entwickeln. Sie
arbeitet allgemeinpolitisch zu Themen wie
Rassismus, Atom, Entwicklungsdenken, Frauen/Patriarchat und
arbeitet mit im BUKO (Bundeskongress entwicklungspolitischer
Aktionsgruppen)
Weitere Informationen: AKTION 3.WELT Saar, Weiskirchener Str.
24, 66679 Losheim am See, Telefon
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