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(de) Hamburg: Arbeitskreis Lokale Oekonomie Ottensen

From Nico MYOWNA <I-AFD_2@anarch.free.de>
Date Tue, 29 Feb 2000 02:09:37 -0500


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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Arbeitskreis Lokale Oekonomie Hamburg - Ottensen:

"Herausfinden, was ich wirklich, wirklich will !"

Im Februar 1999 haben wir, anfangs vier Leute, den
Stadtteilladen "Neue Arbeit" Ottensen eroeffnet.
50 Quadratmeter konnten wir uns gerade aus eigener
Kraft leisten. Schon lange vorher hatten wir als
Arbeitskreis Lokale Oekonomie Konzepte zur
Ueberwindung der Erwerbslosigkeit diskutiert,
Projekte und alternative Betriebe besucht und unsere
Hamburger Projektideen Neue Arbeit entwickelt.

Dabei gehen wir von einer zusammenhaengenden
doppelten Fragestellung aus: Was sollen
Menschen tun, die trotz heftiger eigener Bemuehung dauerhaft
erwerbslos bleiben? Und: was sollen Menschen tun,
die so viel stressige Lohnarbeit haben, dass sie kaum Zeit
haben zu leben ...? Jetzt sollten unsere Ideen
selbstbestimmten Wirtschaftens ausserhalb von Lohnarbeit und
Marktorientierung Wirklichkeit werden.

UMSONST-Laden

Anfangs kannte uns kaum jemand. Aber wir trafen auf
freundliche NachbarInnen. Besonders unser Projekt
UMSONST-Laden wurde von staendig mehr Leuten angenommen. Die
Idee geht davon aus, dass es einen ungeheuren Warenreichtum
in dieser Gesellschaft gibt. Viele
Menschen haben einige Gebrauchsgegenstaende ueber, die
voll funktionsfaehig sind. Sie sind zu schade zum Wegwerfen,
werden aber nicht mehr benutzt. Anderen Menschen
fehlen vielleicht gerade diese Gegenstaende, sei es aus Not
oder weil sie keine Lust mehr haben, schon wieder etwas
Neues zu kaufen. Zu den beiden Oeffnungszeiten (Dienstag 18
Uhr 30 bis 20 Uhr 30 und Freitag 10 Uhr 30 bis 16
Uhr) kommen inzwischen je ca. 50 Leute, um etwas zu
bringen, zu holen oder, weil sie das Gespraech (bei einer
Tasse Tee) suchen.

Viele Menschen bringen uns inzwischen ihre ueberzaehligen
Sachen. Andere, die aus irgendeinem Grund etwas
fuer sich persoenlich brauchen, koennen sich diese Sachen
einfach mitnehmen. Jede( r) hat bei uns das Recht, sich
bis zu drei Teile pro Oeffnungszeit zu nehmen. Grosse Teile
(Kuehlschrank, Moebel usw.) nehmen wir nicht direkt in
den Laden, weil wir sie nicht lagern koennen. Sie werden
auf Karteikarten (gelb) geschrieben und auf einer Pinwand im
Laden ausgehaengt. InteressentInnen koennen
sich mit den VorbesitzerInnen telefonisch in Verbindung
setzen. Auch "Brauche"-Karteikarten (weiss) sind dort
befestigt.

Kleidung und Buecher koennen wir inzwischen kaum
noch annehmen aus Kapazitaetsgruenden. Aber alles andere geht
zuegig rein und raus. "Ladenhueter" gibt es kaum.
Viele Menschen freuen sich mit uns, dass es so etwas gibt.

Inzwischen haben sich auch etliche Zeitungen, Radios und
Fernsehsender fuer unsere Initiativen interessiert.
Angefangen hat alles mit einem kleinen CONTRASTE-Artikel
im Oktober 1998 ueber den UMSONST-Laden.

Von dort kam die Projektidee im Januar 99 ins BUND-Magazin.
Seitdem informierten sich die Medien untereinander und
meldeten sich bei uns zum Interview an.

Unser Hauptziel ist Aktivierung von Menschen fuer
verschiedene Arten von selbstbestimmtem Wirtschaften.
Durch das Zusammenwirken verschiedener selbstbestimmter
Projekte wollen wir die Zwaenge der Lohnarbeit
fuer uns mildern und Erfahrungsraeume menschenfreundlicherer
Arbeits- und Lebensarten schaffen.

Die Einzelprojekte haben bei uns die voellige
Bestimmungsgewalt ueber ihre Projektarbeit und andererseits
sollen sie sich mit den anderen Projekten ueber eine
Zusammenarbeit absprechen. So versuchen wir, die allerersten
Anfaenge einer gemeinschaftlichen Arbeitsteilung zu
entwickeln. Wenn jemand eine Projektidee aeussert, kann
sie/er mit uns sprechen und einen Projektzettel entwickeln,
um weitere InteressentInnen zu finden. Sobald sich
welche gefunden haben, besprechen diese alles weitere
und koennen die Hilfe der Projektgemeinschaft (Arbeitskreis
Lokale Oekonomie) abrufen.

Entspannung und Bewegung

Ausser dem UMSONST-Laden gibt es die Gruppe "Entspannung und
Bewegung". Hier bringen sich Menschen
gegenseitig unentgeltlich verschiedene Entspannungsund
Bewegungstechniken bei und probieren sie aus. Die
Gruppe "Reparieren statt Wegwerfen" setzt Elektrogeraete
mit leichten Fehlern wieder instand. Ein PC- und
Internet-Service hat eine Homepage fuer 500 Hamburger
Alternativprojekte, Frauen und Oekologiegruppen im Netz
errichtet (net-hh.de/bs). Einer von uns betreibt eine kleine
Selbsthilfe-Fahrradreparatur-Werkstatt.

Inzwischen gibt es auch eine Initiative gegen die Sperrzeiten
beim Sozialticket des Hamburger Verkehrsverbundes fuer
Erwerbslose und Sozialhilfeempfaenger. In einer
Theoriegruppe arbeiten wir "Zur Kritik der Warenwelt".
Weitere Projektideen sind in Vorbereitung. Wir suchen
Leute, die Lust haben, in unserer Naehe zu verwirklichen,
was sie schon immer mal machen wollten. Auch wenn sie
noch nicht so genau wissen, was sie momentan tun wollen,
koennen sie das bei uns allmaehlich herausfinden.

Im vorderen Raum laeuft alle paar Wochen wechselnd
eine kleine Kunstausstellung. Ab dem 15. Januar 2000
gibt es eine Kunstinstallation ("Fuenf Koffer erzaehlen...")
zu `erforschen'. Ab und zu zeigen wir einen Film, zu dem
wir die FilmemacherInnen einladen.

Inzwischen machen etwa 10 Leute mit uns regelmaessig
UMSONST-Laden-"Schichten" von zwei bis vier
Stunden. Allerdings braucht es Zeit zu wachsen, viele
persoenliche Gespraeche, viel Mut machen, hier wirklich
Einfluss zu nehmen und eigene Ideen mit einzubringen. Die
Menschen, die in unserem Laden mitmachen, sind etwa
zur Haelfte erwerbslos und zur anderen Haelfte in
verschiedenen Jobs taetig. Die einen koennen mehr
mit Zeit, andere auch mit etwas Geld zur Gemeinschaft
beitragen. Den Stadtteilladen finanzieren wir weitgehend aus
eigener Kraft, jede (r) so viel wie sie/er kann und einen
kleineren Teil aus den Spenden von einigen BesucherInnen.

Kontakt: Arbeitskreis Lokale Oekonomie Ottensen, Nernstweg 10
/ Souterrain, D-22765 Hamburg,
Tel.: (0 40) 39 90 64 88
Homepage:www.net-hh.de/bs/contraste

Quelle: Contraste Nr. 185

CONTRASTE e.V., Postfach 10 45 20, D-69035 Heidelberg, Tel.
(0 62 21) 16 24 67, Fax 16 44 89  EMail:
CONTRASTE@t-online.de
Internet: http://www.contraste.org



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