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(de) Zur historischen Bewegung der Autonomen

From Nico MYOWNA <I-AFD_2@anarch.free.de>
Date Mon, 14 Feb 2000 04:48:36 -0500


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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Plakate autonomer Bewegungen


Die Autonomen sind vorbei, sie sind zum Bestandteil der Geschichte
sozialer Bewegungen geworden. Seit einigen Jahren ist (deshalb?)
ein Boom an Geschichtsliteratur zu den Autonomen zu verzeichnen, der
dem einschlaegigen Marktsegment einige Baende mit Dokumenten (etwa
der Revolutionaeren Zellen oder RAF), und Geschichtsbuecher (zur
Geschichte der Autonomen, aber auch zu der der Anti-AKW-Bewegung)
beschert hat.

Mit "Hoch die kampf dem" liegt nun eine beeindruckende und schoen
aufgemachte Dokumentation ueber Plakate linksradikaler und autonomer
Bewegungen aus ueber zwei Jahrzehnten vor. Plakate einzelner
Teilbereichsbewegungen, wie etwa Haeuserkampf-, Internationalismus-,
Anti-AKW- oder Antifabewegung werden abgedruckt, kommentiert und als
ein in Einschraenkungen brauchbares Spiegelbild dieser Bewegungen
(und ihrer Veraenderungen) verstanden. Desweiteren werden die Plakate
politischer Stroemungen, wie etwa die an der RAF orientierten und
heute fast ausgestorbenen Antiimps, oder zu bestimmten Anlaessen, wie
etwa dem (revolutionaeren) 1. Mai dokumentiert. Vertiefungen gibt es
an der auffallend haeufigen Verwendung von Kindern als Motiv auf
autonomen Plakaten und zur grundsaetzlichen Wirkung und Wahrnehmung
von Plakaten und ihrer Produktion.


Das Buch ist durchgehend vierfarbig gedruckt und es ist nett, darin
zu blaettern. Die einzelnen, jeweils von verschiedenen AutorInnen
verfassten Kapitel sind aber von unterschiedlicher Qualitaet: Einige
wirken etwas lieblos heruntergeschrieben (etwa der Beitrag zu
antimilitaristischen Plakaten), waehrend andere ausfuehrlich auf die
Problematiken der betroffenen Bewegung eingehen. Der Beitrag zur
Internationalismusbewegung diskutiert z.B. sehr selbstkritisch die
einfache Weltsicht dieser Bewegung und auch ihre Projektion der hier
nicht aktuellen Revolution nach Mittelamerika. Die Plakate der
autonomen FrauenLesbenbewegung vollziehen den Verfall des
kollektiven Subjekts "die Frau", das sich nach der Rassismus-><und
Differenzdebatte "aufloeste", nach. Insgesamt ist das Buch ein
Bilderbuch im engeren Sinne des Wortes, mensch nimmt es nach der
Lektuere kaum nochmal zur Hand, "arbeiten" laesst sich mit ihm nicht.


Das bei aelteren unwillkuerlich auftretende Schwelgen in Erinnerungen
beim Betrachten der Plakate verbleibt aber privatistischer Konsum und
animiert nicht zur Kritik der Verhaeltnisse. Der Grundtenor des
Buches, was seine Kritik an der Bildpolitik historischer autonomer
Bewegung angeht, hat einen schalen Beigeschmack. Das eingeschraenkte
symbolische Repertoire der autonomen Antifa und anderer (Faust,
Stern, Fahne, ...) zu kritisieren, ist nicht besonders neu. Heute
schlauer zu sein als, sagen wir 1986 oder auch 1990, ist wahrlich
keine Kunst. Hinterher ist man immer schlauer. Interessant ist doch,
welche Schluesse daraus zu ziehen sind. Jenseits dessen, dass sich
einige autonome PlakatgestalterInnen mittlerweile in Internet-Design,
visueller Kommunikation oder anderweitig als Bestandteil des
Medienkapitalismus selbstaendig gemacht haben duerften und ihre
Broetchen verdienen, herrscht zu den politischen Perspektiven auch
im Buch gaehnende Leere.


Dem Band ist eine CD-Rom beigelegt, die fast 3.000 Plakate enthaelt,
die komplette Plakatsammlung des  Hamburger Archivs der sozialen
Bewegungen. Die Plakate koennen in einer Suchfunktion ueber
Jahreszahlen, Orte, aber auch frei waehlbare Stichworte abgefragt
werden. Das Suchprogramm ist relativ simpel zu bedienen und
braucht als Systemvoraussetzung mindestens Windows 95.

Bernd Huettner

HKS 13 (Hrsg.): Hoch die kampf dem. 20 Jahre Plakate
autonomer Bewegungen. 240 S. plus CD-Rom, 39,80 DM,
Verlag Libertaere Assoziation/Schwarze Risse,
Hamburg/Berlin 1999

Quelle: CONTRASTE Nr.183
CONTRASTE e.V., Postfach 10 45 20, D-69035 Heidelberg, Tel.
(0 62 21) 16 24 67, Fax 16 44 89  EMail:
CONTRASTE@t-online.de
Internet: http://www.contraste.org



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